Wermelskirchen: Ein Nachmittag unter Spar-Schraubern in der Auto-Mietwerkstatt

Auto-Mietwerkstatt in Wermelskirchen : Ein Nachmittag unter Spar-Schraubern

In der Wermelskirchener Mietwerkstatt können Hobby-Mechaniker ihre Autos selbst reparieren. Manche sparen dabei viel Geld, andere kommt ihr Mut teuer zu stehen. Immer mehr Auto-Fans greifen auf eigenes Risiko zu Schraubenschlüssel und Schweißgerät.

Einzelkämpfer haben es nicht leicht. Zumindest könnte Danyon Jähnichen an diesem Nachmittag gut zwei helfende Hände gebrauchen, denn der neue Auspuff für seinen Golf ist ganz schön sperrig. „Das Rohr habe ich schon auf die passende Länge gebracht“, sagt der 22-Jährige. Er steht unter seinem hochgebockten Wagen und hievt den Endschalldämpfer an den Unterboden. Das Bauteil stützt er mit seinem Kopf ab, so hat er beide Hände zum Schrauben frei. „Erstmal festziehen, ausrichten kann ich auch gleich noch“, sagt er und setzt die Knarre an. Es macht „ritsch-ratsch“, irgendwo im Hintergrund knattert ein Schlagschrauber. Selbst Hand anlegen – das ist für den Radevormwalder Ehrensache. Fast alles macht er an dem 310 PS starken VW selbst. Die neue Auspuffanlage für besseren Sound ist da schon fast eine Kleingikeit.

Dieter Brocks schaut dem stolzen Golf-Fahrer über die Schulter. Er lebt von mutigen Freizeit-Mechanikern. Von Menschen, die sich gerne selbst helfen, die Fachwerkstätten nicht mehr vertrauen, die sparen wollen oder müssen – und von solchen, denen ihr Auto heilig ist. In der Werkstatt nennen ihn alle Dieter. Unter Schraubern ist man per Du. „Die meisten kommen für kleine Reparaturen. Auspuff, Bremsen, Ölwechsel“, sagt der Werkstatt-Chef, der stets ein Auge auf seine Kunden hat – und beherzt eingreift, wenn es nötig ist. Vor drei Jahren hat er die Auto-Mietwerkstatt eröffnet, seit zwei Jahren betreibt er sie an der Industriestraße. Vier Hebebühnen stehen dort bereit, pro Stunde werden 12,50 Euro Miete fällig. „Mittlerweile habe ich mir einen Kundenkreis aufgebaut. Die Werkstatt spricht sich rum“, sagt er und bestätigt: „Immer mehr Leute kommen und schrauben selbst an ihren Autos.“ Neulich, erzählt Dieter, habe er an einem Samstag neun Kunden gehabt – so viele wie selten.

Die meisten bringen das Werkzeug selbst mit, andere leihen sich Maulschlüssel und Co. direkt in der Halle. Andreas ist einer der Stammkunden in der Werkstatt, die ihr eigens Werkzeug immer mitbringen. Er wirft einen prüfenden Blick in den Motorraum eines 5er BMW, der leicht hochgebockt auf der Hebebühne steht, während seine Lebensgefährtin Martina im Auto sitzt und leicht Gas gibt. Der Motor brummt, dann ist es wieder ruhig. „Ich habe einen Ölwechsel gemacht“, sagt Andreas, der mindestens einmal pro Quartal in die Mietwerkstatt kommt und all das selbst macht, was er selbst machen kann. Der Ölwechsel ist für ihn eine leichte Übung. „Bei BMW hätte das bestimmt 400 Euro gekostet. Mit Werkstatt-Miete und Ersatzteilen kommen wir hier auf 130 bis 150 Euro“, schätzt er.

Eigentlich gehört der zehn Jahre alte Wagen gar nicht ihm selbst, sondern seiner Lebensgefährtin, die auf Andreas’ Knowhow vertraut – und für solche Reparaturen inzwischen viel lieber die Mietwerkstatt ansteuert. Der Grund? „Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht.“ Vor ein paar Monaten sei sie im Urlaub mit dem Wagen liegengeblieben. „Mir als Frau wurden dann in der Fachwerkstatt Reparaturen aufgeschwatzt, die gar nicht nötig gewesen wären. Das hat sich später herausgestellt“, sagt sie. Jetzt ist sie froh, dass sich Andreas den Auto-Problemen annimmt. Er ist sich seiner Sache sicher.

Neuer Auspuff, Ölwechsel, Reifenwechsel: Richtig große „Operationen“ stehen in der Werkstatt nicht so häufig auf dem Plan. „Wobei ich auch schon Kunden hatte, die einen Motor komplett zerlegt haben“, sagt Werkstatt-Chef Dieter, der auch schon manch einen hat verzweifeln sehen. „Einmal hat sich ein Kunde komplett übernommen, wollte einen Motor überholen. Leider hat er sich völlig überschätzt. Am Ende war das Auto schrottreif und wurde abgeholt.“ Sparen konnte der Kunde wohl nichts – im Gegenteil. Ihm kam sein Mut teuer zu stehen. „Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass hier jeder Geld sparen kann. Allerdings empfehle ich, immer zu zweit zu kommen – am besten mit jemandem, der handwerklich begabt ist und Erfahrung hat.“

Dieter Brocks ist Chef in der „Do-it-yourself“-Werkstatt: Wenn nötig, packt er beherzt mit an und hilft seinen Kunden. Foto: Kandzorra, Christian

In der Werkstatt helfen sich die Schrauber – zumeist Männer – jedoch auch gegenseitig. „Ich bin ja auch noch da“, sagt Dieter, der allerdings kein gelernter Kfz-Mechaniker ist. Die Werkstatt betreibt er als Teilselbständiger, von Beruf ist er eigentlich Zerspaner. „An Autos schraube ich aber seit meiner Jugend gerne.“ Sein aktuelles Projekt: Er macht einen 16 Jahre alten Ford Focus für den TÜV fertig. Der rostige Kleinwagen soll noch zwei Jahre von einer Fahranfängerin gefahren werden. „Das Auto habe ich für nur einen Euro gekauft“, sagt er – ein echter „Schnapper“.

In die Kategorie „Schnäppchen“ lässt sich der neue Auspuff am Golf GTI von Danyon, der seinen Wagen ein bisschen tunen möchte, nicht wirklich einordnen: 1800 Euro ist dem 22-Jährigen der bessere Sound wert. In den vergangenen Wochen hat er bereits das Fahrwerk modifiziert und mehr Leistung aus seinem Motor herausgeholt. Nach gut einer Stunde Arbeit sitzt der neue Auspuff. Und der Sound? Beim Ausparken röhrt der Wagen ganz ordentlich. „Ich bin zufrieden. Richtig testen kann ich das aber erst auf der Straße.“

Fest steht jedoch: Er wird sicher nicht zum letzten Mal in der Wermelskirchener Mietwerkstatt gewesen sein.

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