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Wermelskirchen: Eigentümer verkaufen Rhombus-Gelände nicht an die Stadt

Kehrtwende in Wermelskirchen : Rhombus-Eigentümer verkaufen nicht an Stadt

Das größte IEHK-Projekt: Die Stadt kann das Rhombus-Gelände nicht weiter entwickeln. Die Eigentümer sagen nichts zu ihrer Entscheidung. Die Stadt ist weiterhin der Ansicht, dass es ohne Fördermittel wirtschaftlich nicht geht.

Für die Planer im Rathaus war es ein Paukenschlag: In der vergangenen Woche informierte die Eigentümergemeinschaft des Rhombus-Geländes den Bürgermeister, man wolle die Fläche nun doch nicht an die Stadt verkaufen. „Es wird eine Entwicklung unter eigener Regie angestrebt“, erklärte Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, am Mittwoch im Pressgespräch. Die Stadt bedaure diese Entscheidung sehr – nicht nur, weil die Entwicklung der Fläche zu den großen Projekten des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts (IKEHK) zählte. „Wir glauben auch, dass das Gelände ohne Fördermittel nicht wirtschaftlich entwickelt werden kann“, erklärte Marner. Zu dieser Einsicht sei die Stadt nach vielen Fachgesprächen und entsprechenden Gutachten gekommen. „Die große Chance dieser Fläche waren die Fördergelder aus dem Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept“, betonte Bürgermeister Rainer Bleek. Nun sei zu befürchten, dass die Fläche weiter brach liege.

Welche Pläne die Eigentümergemeinschaft, zu der auch Sprecher Sven Schulte gehört, mit dem alten Rhombus-Gelände hat? „Kein Kommentar“, erklärte Sven Schulte am Mittwoch auf Anfrage der Bergischen Morgenpost. Weder zu eigenen Plänen, noch zu den Einschätzungen der Stadt wollte er Stellung nehmen. Bleibt also abzuwarten, was die Eigentümergemeinschaft auf dem Gelände künftig umsetzen will.

„Wir begleiten sie dabei natürlich so gut es geht“, kündigte der Bürgermeister an, „wir sind nicht beleidigt, aber sehr betrübt.“ Seit fast 20 Jahren werde nach einer Entwicklung der Fläche gesucht. „Ohne Erfolg“, erinnerte Bleek. Vor zwei Jahren hatte die Stadt das Projekt dann in das IKEHK aufgenommen. Denkbar sei die Entwicklung eines Technologie- oder Innovationsquartiers gewesen – in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Auch ein Innenstadtquartier mit dem Fokus auf dem Bereich Wohnen war im Gespräch. „Aber nur förderungsfähig, wenn die Fläche der Stadt gehört“, betont der Bürgermeister. Gutachter hatten einen Kaufpreis ermittelt, die Stadt hatte einen kleinen Teil des Geländes bereits erworben. „Das Haus können wir wieder verkaufen“, erklärte Marner. Ob die Stadt auf den Gutachter- und Planungskosten von etwa 60.000 Euro sitzenbleibt, ist noch unklar. Man versuche, diese Kosten trotzdem über das Förderprogramm zu finanzieren – dann müsse die Stadt 30 Prozent selbst zahlen, andernfalls die ganze Summe.

„Für uns ist es aber vor allem bedauerlich, dass nun eine riesige Chance verstreicht, diese Fläche zu entwickeln“, erklärte der Bürgermeister. Man habe alle Türen geöffnet, aber die Eigentümer seien am Ende nicht hindurchgegangen. Ein erster Verdacht sei ihnen gekommen, als in den vergangenen Wochen Aufräumarbeiten auf dem Gelände beobachtet wurden und eine Baustraße entstand.

„Es lag nicht am vorgeschlagenen Kaufpreis“, betonte der Bürgermeister, „der war kein Thema.“ Stattdessen habe die Eigentümergemeinschaft signalisiert, dass sie die Fläche nun selber entwickeln wolle. Florian Leßke, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, bleibt skeptisch: „Die Möglichkeiten auf dieser Fläche sind begrenzt“, erinnerte er. Ziele müssten im Einklang mit der Stadtentwicklung stehen, über einen Bebauungsplan muss der Rat entscheiden. So sei etwa ein großflächiger Einzelhandel auf der Fläche rechtlich nicht möglich. Zwei solcher Vorhaben waren ja in der Vergangenheit schon gescheitert. „Ein künftiges Konzept darf der Innenstadtentwicklung nicht feindlich entgegenstehen“, betonte der Bürgermeister.

Noch scheine es aber keine konkreten Planungen zu geben, lautet die Einschätzung im Rathaus. Man habe den Eigentümern die Zusammenarbeit mit einem Stadtplaner nahe gelegt. „Die Eigentümer sprechen von einer finalen Entscheidung“, sagte Bleek und schien die Hoffnung trotzdem noch nicht ganz aufgegeben zu haben.

Einfluss auf die Förderung des IKEHK habe die neue Entwicklung nicht, befand Marner. „Wir werden jetzt die Prioritäten neu verteilen“, kündigte er an, „ein anderes Projekt wird nach vorne rücken.“ Das seien aber politische Entscheidungen, die getroffen werden müssten. Der Investitionsumfang von insgesamt rund 15 Millionen Euro werde nicht berührt. Die Fördergelder, die eigentlich für die Entwicklung des Rhombus-Geländes vorgesehen waren, könnten auch an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden.l.