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Wermelskirchen: Eiche für den Bau der Sekundarschule gefällt

Fällaktionen in Wermelskirchen : Alte Eiche fällt für die neue Sekundarschule

Fachfirma bereitet in der alten Realschule alles für den Abriss des Gebäudes im Frühjahr vor. Planungen für den Schulneubau laufen. Stadtverwaltung verspricht: Gefällte Eiche wird durch zwei neue Bäume ersetzt.

Als die Arbeiter mit den Kettensägen anrückten und am Dienstag die altehrwürdige Eiche umlegten, die an der Einfahrt zum Parkplatz der Realschule stand, wurde Anwohnerin Ilona Boß erst traurig, dann wütend: „Ich habe lange dafür gekämpft, dass die Eiche erhalten wird, weil sie nicht krank war“, sagt Boß, die als sachkundige Bürgerin für die Grünen im Rat sitzt. „Ich verstehe die Gründe zwar, aber es verändert die ganze Landschaft für uns Anwohner. Ganz zu schweigen davon, dass die Fällarbeiten, die hier großflächig stattfinden, nicht gut für den Vogel- und Insektenbestand sind.“ Außerdem stört sie der mangelnden Informationsfluss der Stadtverwaltung bezüglich des Rückbaus der alten Realschule. „Da wird gerade belastetes Material entsorgt und wir wissen nicht, ob das überhaupt sicher ist“, sagt sie.

In dem Schulbau aus den 70er Jahren wurde PCB, eine synthetische Bauchemikalie, die in Fensterkitt und Fugenmaterial als Weichmacher eingesetzt wurde, verbaut. PCB gilt als gefährliches Umweltgift. „Im Januar hat eine Fachfirma damit begonnen, das belastete Material aus der alten Schule zu entfernen, damit der Beton für den Abriss des Gebäudes blank ist“, bestätigt Hartwig Schüngel, Leiter des Gebäudemanagements, auf Anfrage dieser Redaktion. „Und natürlich werden belastete Materialien nur nach strengen Sicherheitsmaßnahmen und mit dem neuesten Stand der Technik entsorgt“, versichert Thomas Marner, Technischer Beigeordneter. Bis April findet der Schadstoffabbau in dem Gebäude statt, verrät Schüngel den Zeitplan, danach wird das Betongebäude abgerissen, um Platz für den geplanten Neubau der Sekundarschule zu machen. Dass die Anwohner noch keine Baupläne gesehen haben, habe seine Gründe, so Marner: „Die Pläne für den Bau und für das ganze Umfeld der Schule sind schlicht noch gar nicht fertig. Wir haben etwa im April die Kostenrechnung fertig und sobald danach die Baupläne final sind, stellen wir diese erstmal der Politik vor.“

 Mehrere Bäume werden für den Bau der Schule weichen müssen, sollen aber ersetzt werden, heißt es von der Stadt.
Mehrere Bäume werden für den Bau der Schule weichen müssen, sollen aber ersetzt werden, heißt es von der Stadt. Foto: Kathrin Kellermann

Tatsächlich habe die alte Eiche für den Bau weichen müssen, erklärt er. „An dieser Stelle wird die neue Zufahrt zum Parkplatz der Schule gebaut. Außerdem brauchen wir für den Abriss der Realschule schwere LKW, die die Wurzeln der Eiche beim Drüberfahren so stark geschädigt hätten, dass der Baum abgestorben wäre.“ Das habe sich die Stadt extra von einem Baumfachmann bestätigen lassen. „Deshalb haben wir die Eiche jetzt gefällt, weil Fällarbeiten laut Bundesnaturschutzgesetz bis Ende Februar erlaubt ist und wir uns an den Zeitrahmen halten wollten.“ Ein adäquater Ersatz für die Eiche sei aber bereits eingeplant, verspricht Thomas Marner: „Wir pflanzen zwei neue, nenneswerte Bäume neben der neuen Parkplatz-Zufahrt. Die Bäume werden zu dem Zeitpunkt auch schon deutlich höher als zwei Meter sein.“