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Wermelskirchen: Dorfkirche in Dabringhausen will ein Ort für Menschen sein.

Serie Gotteshäuser : Von Eseln, Kindern und Begegnungen mit Gott

In der Kirche in Dabringhausen trifft Rokoko auf reformierte Schlichtheit, analoge Uhrwerke auf ein modernes Lichtkonzept.

Fototermin in der Dabringhausener Dorfkirche. Der Fotograf will die prägnantesten Zeitzeugen des Gotteshauses fotografieren, besondere Merkmale, einen Blick in den Glockenstuhl werfen. Aber er hat seine Rechnung ohne die Kinder gemacht. Sie haben die Säulen der Kirche für ihr großes Musical über David und Goliath in Palmen verwandelt, über dem Mittelgang ist eine Leine gespannt, an der später der Stein aus Davids Schleuder durch die Kirche sausen kann. Mit Trommeln ziehen die Kinder dann fröhlich bis zum Altar. „Das ist unsere Kirche“, sagt Pfarrer Rüdiger Mielke, „ein Ort, an dem Menschen in ganz verschiedenen Situationen Gottes Gegenwart spüren können.“ Und als die Kindergartenkinder bei ihrer Generalprobe fröhlich und aus vollem Hals zu singen beginnen, da wird völlig klar, was Mielke mit Gottes Gegenwart meint. Die sei auch damals spürbar gewesen, als am Palmsonntag 2016 ein echter Esel mit in die Kirche einzog oder später, als Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in der Mehrzweckhalle den Gottesdienst besuchten. „Es bleibt ein sakraler Raum“, sagt Mielke – trotz Palmen und Eseln.

Und dann klettert er doch noch mit dem Fotografen auf die Empore, öffnet eine kleine Tür und gewährt den seltenen Blick in den Turm, der aus dem 11. Jahrhundert stammt. „Hier tickt noch ein altes Uhrwerk“, sagt Mielke und präsentiert den filigran gearbeiteten Zeitzeugen, der für die Stundenanzeige am Kirchturm und im Kirchraum sorgt. Die Bedienung ist eine Kunst und weil das alte Uhrwerk der Gemeinde am Herzen liegt, fanden sich auch genug Ehrenamtliche, die es in dem kleinen, dunklen Turmraum in Schuss halten. Eine Etage höher hängen die Glocken. Sie sind über eine Holzleiter erreichbar. „Damals im Zweiten Weltkrieg wurden sie eingezogen“, erzählt Mielke. Wie so vielen anderen Glocken drohte ihnen die Einschmelzung – als Metallspende für die Rüstungsindustrie. „Aber die Dabringhausener Glocken kehrten nach dem Krieg unversehrt zurück“, erzählt Mielke. Und nun hängen sie wieder im Turm und schlagen gleichermaßen zu traurigen und fröhlichen Anlässen.

Pfarrer Rüdiger Mielke entzündet die Kerzen am Alter. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Wer auf dem Rückweg einen Blick über die Empore schweifen lässt, entdeckt auf der gegenüberliegenden Seite den berühmten bergischen Dreiklang: Altar, Kanzel und Orgel. In Dabringhausen fallen sie deutlich schmuckvoller aus als in anderen Kirchen der Region. „Rokoko“, sagt Mielke und lächelt. „Es ist schön, für den, der es als schön empfindet.“ Schmuckvoll ist der Altar verziert – ganz anders als die durchsichtigen Fenster, die als Zeugen der Reformation unbemalt blieben. Wer genau hinsieht, erkennt am Altar auch die Farbentwicklung der vergangenen Jahrhunderte. „Wir haben uns bei der Innensanierung nah ans Original gehalten“, sagt Mielke. An einer Säule hat die Gemeinde für Interessierte die Originalfarbe freigelegt.

Dann steigt Mielke über die Sakristei erst zur Kanzel und dann zur Rötzel-Orgel. „Musiker bescheinigen unserer kleinen Orgel einen besonderen Wert“, sagt Mielke stolz. Sie stammt aus dem Jahr 1823 und zählt 880 Pfeifen. Und von der Orgelbank erschließt sich ein seltener Blick auf den Kirchraum.

Die Kinder haben ihre Probe inzwischen beendet und auch Fotograf und Pfarrer machen sich auf den Weg nach draußen. Bevor Mielke das Licht ausmacht wirft er noch einen Blick in die Kirche: „Seit der letzten Innensanierung haben wir ein ausgefeiltes Lichtkonzept. Viele Menschen aus dem Ort haben damals zusammengelegt, auch Einwohner, die gar keinen so engen Draht zur Gemeinde haben.“ Die Kirche in Dabringhausen ist eben ein Ort für alle Menschen.