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Wermelskirchen: Die Norma-Ära vorerst vorbei

Letzter Verkaufstag des Discounters in Wermelskirchen : Die Ära von Norma ist vorerst vorbei

Der Umbau des Loches-Platzes beginnt. Während die einen die innenstadtnahe Versorgung durch den Discounter vermissen werden, sehen andere gravierende Einschnitte für die Wermelskirchener City voraus, deren Konsequenzen nicht absehbar seien.

Das Staunen in Franziska Beringsteins Gesicht war nicht zu übersehen. Beim Betreten des Norma-Marktes am Loches-Platz stutzte die 37-Jährige kurz, dann fiel der sprichwörtliche „Groschen“. Eigentlich wollte sie den Wochenend-Einkauf nach Feierabend erledigen, aber der Wermelskirchenerin präsentierte sich im „Norma“-Supermarkt in den Kühlregalen und -truhen gähnende Leere, im Tiefkühler nur noch ein kläglicher Rest vereinzelter Artikel wie Pizza zum Aufbacken. In den ansonsten dicht mit Waren bestückten Verkaufsregalen klaffende Lücken.

Schnell wendet sich Franziska Beringstein wieder in Richtung Ausgang, passiert dabei den Kassenbereich. „Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm, dass Norma ja schließt... Wann ist denn der letzte Tag?“, fragt sie den jungen Mann an der Kasse. Der antwortet mit einem freundlichen Lächeln: „Heute“. Ihm ist anzusehen, dass er diese Frage seit dem Vormittag häufiger beantwortet hat. Nicht weniger freundlich und keinesfalls mürrisch wünscht Franziska Beringstein: „Alles Gute“.

Jetzt wird es ernst: Der Umbau des Loches-Platzes beginnt. Damit einher geht der Abriss des Gebäudes, in dem sich der Norma-Markt bislang befand. Allerdings: Ist der Neubau errichtet, wird dort ein neuer Norma-Discounter neben dem Vollsortimenter und größtem Mieter „Hit“ eine Heimat finden. Bis dahin müssen Wermelskirchener auf einen Supermarkt in der Innenstadt verzichten, genauso wie auf die für die Bauzeit wegfallenden Parkplätze auf dem Loches-Platz.

„Wir werden den Norma schmerzlich vermissen“, sind Anke Willems und Christoph Moritz beim Umladen ihres Einkauf vom Einkaufswagen in den Kofferraum ihres Pkw sicher. „Für den Einkauf mal eben auf die Schnelle war die Lage des Norma immer perfekt und im Sommer konnte man da auch mal zu Fuß hinspazieren“, berichten die 54- und der 39-Jährige: „Wer wie wir ein Auto hat, kann ich Stückchen weiter fahren und findet dann Alternativen zum Einkaufen – der Mensch gewöhnt sich ja an alles.“ Einen alternativen Norma-Standort in der Innenstadt für die Phase des Loches-Platz-Umbaus hätten Willems und Moritz „toll gefunden“. Grundsätzlich würden aber die vielen wegfallenden Parkplätze große Sorgen bereiten.

Gar eine „Katastrophe“ befürchtet Sandra Pina Pereira, die die „Kräuterküche“ im oberen Bereich der Kölner Straße betreibt und weiß, dass viele ihrer Kunden auf dem Loches-Platz geparkt haben: „Der Wermelskirchener möchte am liebsten mit seinem Wagen in den Laden fahren.“

Möglicherweise werde der Wegfall von Norma erst einmal dem Umsatz der „Kleinen“ nützen: „Wir oder der Krämerladen oder das Reformhaus an der Kölner Straße bieten etwas zur Nahversorgung in unmittelbarer Nähe.“ Langfristig wisse sie aber nicht, ob sich Wermelskirchen einen Gefallen tue, denn nach der Neubau-Fertigstellung wären mit Hit und Norma am Loches-Platz sowie eventuell noch einem Bio-Supermarkt in der Telegrafenpassage starke Wettbewerber für die Einzelhändler, die den Charme der Innenstadt ausmachten, da: „Wir können da besser und spezieller sein – ob Konkurrenz das Geschäft belebt, werden wir dann noch sehen.“

Das Unternehmen Norma blickt indes zuversichtlich auf den Loches-Platz-Umbau. „Der Standort Wermelskirchen ist für uns von großer Bedeutung, infolgedessen haben wir uns auch für die neue Filiale stark gemacht und den Mietvertrag abgeschlossen. Wir hoffen auf eine zügige Fertigstellung des neuen Objekts – und unser Ziel ist es, im Jahr 2021 die neue Filiale zu eröffnen“, sagt die Leiterin des Norma-Zentralbereichs Werbung und Kommunikation, Katja Heck, auf Anfrage dieser Redaktion. Die Mehrzahl der Mitarbeiter des Wermelskirchener Standortes könnten in benachbarten Filialen untergebracht werden: „So hoffen wir, dass wir am Ende der Bauphase, auf diese Mitarbeiter zurückgreifen können und zusätzlich werden wir weitere einstellen.“