Wermelskirchen: Die Krötenwanderung hat begonnen

Wermelskirchen: Hunderten Kröten das Leben retten

Ihre Reise ist beschwerlich. Bis zu einen Kilometer legen die Kröten aus dem Eschbachtal jedes Jahr hinter sich. Sie verlassen ihre gemütliche Höhle in den Wäldern am Aschenberg, um am Teich im Tal zu laichen. Vor zwölf Jahren machten sich etwa 600 Tiere auf den Weg, inzwischen sind es fast 2000 Erdkröten. Und das ist vor allem den Naturschützern zu verdanken. Denn sie helfen den Tieren über die Straße.

Die Freiwilligen des Wermelskirchener Ortsverbandes im Bergischen Naturschutzverein läuteten am Samstagmorgen die Saison ein. Sie gruben am Straßenrand Löcher, versenkten Eimer und stellten Zäune auf. Aber damit hat die arbeitsreichste Zeit des Jahres für die Naturschützer erst begonnen. Denn ab sofort werden sie sich jeden Morgen und jeden Abend auf den Weg ins Eschbachtal machen, um die Kröten, Molche oder Salamander, die in die Eimer gefallen sind oder hinter dem Zaun sitzen, über die Straße tragen. "Andernfalls würden nicht viele Kröten überleben", sagt Ulrich Schott, Wermelskirchens Ortsverbandsvorsitzender im Naturschutzverein. Und deswegen stehen die Freiwilligen bereit, sobald sich die Bodentemperatur auf sechs Grad erwärmt. "Das ist nämlich das Startzeichen für die Kröten", sagt Schott. Und was dann geschieht, gleich einem Naturschauspiel. Die wesentlich kleineren Männchen der Erdkröten machen sich auf die Suche nach einem Transportmittel. "Sie sind von Natur aus faul", sagt Schott. Deswegen lassen sie sich gerne von den Weibchen huckepack nehmen. "Vorher wird posiert", sagt der Naturschützer. Und dafür eigne sich besonders gut die Straße. Ein gefährliches Manöver für die männlichen Kröten.

Durch den Zaun bleibt den Tieren der Weg auf die vielbefahrene Straße nun auf 250 Metern versperrt. Vier bis sechs Wochen dauert die Krötenwanderung - inklusive Rückweg. Denn nach getaner Arbeit machen sich die Kröten zurück auf den Weg in den Wald. Das bedeutet für die Helfer: Zaunkontrolle an beiden Straßenseiten. "Denn während die einen noch auf dem Hinweg sind, machen sich die anderen schon auf den Rückweg", erklärt Schott.

(resa)