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Wermelskirchen: Die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs hat begonnen

Die heiße Phase des Wahlkampfs beginnt : Streit um die besten Plakat-Plätze

Die Parteien rangelten am Sonntagmorgen in aller Frühe um die Laternenpfosten in der Innenstadt. Ab 8 Uhr durften sie mit der innerstädtischen Plakatierung die heiße Phase des Wahlkampfs eröffnen.

Als Stephan Leßenich am Sonntag um halb acht den Rollladen am Küchenfenster öffnete, entdeckte er am Laternenpfosten vor seinem Haus einen grinsenden Michael Haring. Der Konkurrent von der WNKUWG hatte sich den Pfosten vor dem Haus des Christdemokraten gesichert – und wartete auf den Startschuss um Punkt 8 Uhr, um sein Plakat aufzuhängen. „Ich wollte unbedingt diesen Pfosten haben“, erklärte Haring später lachend.

Stephan Leßenich nahm es ihm nicht krumm, lachte mit und machte sich dann mit Sohn Leon auf den Weg, die eigenen Plakate anzubringen. 20 Exemplare lagen vorbereitet im Auto. „Die Kabelbinder haben wir schon angebracht“, erklärte der CDU-Kandidat, „damit wir schnell sind.“ Schließlich ging das Gerangel um die Pfosten ab 8 Uhr erst richtig los. Er hänge die Plakate erstmal provisorisch auf. „In der nächsten Woche korrigiere ich dann nach“, erklärte Leßenich.

Auf seinem Weg Richtung Luisenstraße traf er nicht nur Michael Haring wieder, sondern auch die Konkurrenten von „Zukunft Wermelskirchen“. „Wir müssen uns den Bürgern präsentieren, damit sie unsere Gesichter vor Augen haben, wenn sie wählen“, erklärte er. Ähnlich sah das Annette Stamm-Röhrich, die als WNKUWG-Kandidatin am Braunsberg plakatierte. „Wir sind da sehr eifrig“, sagte. Gerade für neue Kandidaten sei es wichtig, dass die Bürger Gesichter und Inhalte kennenlernen. „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen in der Stadt mich wiedererkennen und ansprechen“, erklärte sie. Dafür lohne sich der Einsatz um 8 Uhr – auf die Minute habe es eine Freigabe durch den Vorsitzenden des Bürgervereins gegeben. „Dann haben wir unsere ausgewählten Plätze angesteuert.“

Zeitsparend und gut gelaunt arbeiteten Stefan Leßenich und Sohn Leon, um möglichst viele der CDU-Plakate an guten Standorten anzubringen. Foto: Theresa Demski

Bei den Kollegen vieler anderer Parteien traf der Plakatier-Eifer auf wenig Gegenliebe. „An die zeitliche Beschränkung hat sich hier kaum einer gehalten“, so Conchita Encina Finken von den Grünen. Auch WNKUWG-Chef Henning Rehse beklagte später per Mail an die Konkurrenten, dass viele zu früh angefangen hätten, zu plakatieren.

Schon um halb acht seien viele der Laternenpfähle bereits besetzt gewesen. „Das artet wirklich zu einer Schlacht aus“, so Finken. Daran wolle man sich als Grüne nicht beteiligen. Insgesamt 31 Plakate und sechs Schilder für alle Wahlbezirke brachte das Team der Grünen gemeinsam an – ohne Gesichter. „Wir setzen auf Inhalte“, erklärte Maik Brodehl, bevor das Team loszog. Beim Plakatieren trafen die Grünen auf Heinz Jürgen Manderla und Hartmut Zulauf, die an der Dhünner Straße Plakate für die FDP anbrachten. „Als wir gesehen haben, dass die anderen schon um halb acht die ersten Plakate aufgehängt haben, sind wir auch raus“, gab Manderla zu. Der Ton sei nicht immer freundlich gewesen bei Begegnungen an den Pfosten. Teilweise habe er auch unerfreuliche Reservierungsmethoden beobachtet.

Schon am frühen Morgen hatte Marcus Richert in Grunewald gemeinsam mit Gerd Simon SPD-Plakate und Aufsteller im Auto untergebracht. „Wir wollen aber ganz bewusst nicht so aggressiv plakatieren“, erklärte Richert. Zehn Plakate habe jeder Kandidat für seinen Wahlbezirk im Gepäck. „Zu viel Werbung geht den Menschen auf die Nerven“, befand er. Nachhaltig sei es auch nicht, so viele Plakate zu produzieren. „Aber ohne geht auch nicht“, ergänzte er, „dann meinen die Leute, wir hätten nichts zu sagen“. Ein paar Ortschaften weiter, brach Karin Görne mit Ehemann Lutz auf, um die Plakate für das Bürgerforum aufzuhängen – im Gepäck hatte sie auch Exemplare für Tochter Hanna, die ebenfalls kandidiert. Ein Video von Büfo-Chef Oliver Platt erklärte die Vorgehensweise mit Plakat und Kabelbindern und schnell hatten die beiden die ersten Exemplare in Buchholzen und Süppelbach angebracht. „Wir haben uns darauf geeinigt, zurückhaltend zu plakatieren“, erklärte Görne. Zehn Plakate bringe jeder Büfo-Kandidat an – auf der einen Seite mit dem eigenen Gesicht, auf der anderen mit dem der Bürgermeisterkandidatin. „Wir wollen nicht zu vielen Augenmüll produzierten“, hatte Platt erklärt.