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Wermelskirchen: Die gute Stube verdient eine Aufwertung

Fakten + Hintergrund in Wermelskirchen : Die gute Stube verdient eine Aufwertung

Die Bürgerhäuser gelten als Vorzeigeobjekte in der Innenstadt. Sie sind ortsbildprägend und denkmalgeschützt. Mit Städtebaufördermitteln sollen sie im Rahmen des IHEK-Programms aufgewertet werden. Ein Blick in Haus 8.

Was zeigen Sie auswärtigen Besuchern in Wermelskirchen? Etwas, worauf Sie ein wenig stolz sind. Viele werden sagen: die Bürgerhäuser. Sie sind die Vorzeige-Häuser der Innenstadt, die gute Stube Wermelskirchens, ein schöner Ort für Trauungen und derzeit ein Ort der Musik. Sie sind ein Juwel, das eine grundlegende Sanierung, eine bessere Nutzung und ein schöneres Umfeld verdient. Dies alles könnte durch Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm ermöglicht werden.

Mehr aus den denkmalgeschützten Gebäuden zu machen, ist ein Vorschlag aus dem Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept für die Innenstadt (IHEK). Und dieser Vorschlag einer Aufwertung genießt in der Liste möglicher Projekte eine hohe Priorität. Die Häuser könnten für Empfänge, Lesungen, Kurse, Vorträge, kleine Konzerte und Ausstellungen genutzt werden. Denkbar ist eine Nutzung durch ein Kultur- oder Tourismusbüro oder auch durch Vereine. Aber dafür müssten sie hergerichtet und barrierefrei gestaltet werden. Die Musikschule soll aus ihren Räumen im rechten Gebäude ausziehen und zum Weyersbusch verlagert werden.

Daniela Zache (l.), Sachgebietsleiterin Stadtplanung bei der Stadt Wermelskirchen, und Michaela Böllstorf, Architektin im städtischen Hochbauamt, schauen aus der Klön-Tür auf der Rückseite der Bürgerhäuser. Foto: Solveig Pudelski

Doch wie sieht es in den Bürgerhäuser aus? Diese Redaktion ging mit zwei Mitarbeiterinnen der städtischen Bauverwaltung durch das Haus Eich 8. Michaela Böllstorf, Architektin im städtischen Hochbauamt, und Daniela Zache, Sachgebietsleiterin für Stadtplanung, ist die Begeisterung für dieses Baudenkmal anzumerken. Beide entgegnen mancher Kritik, die Gebäude seien vernachlässigt worden, dass die Stadt immer wieder in die Instandhaltung und in Schönheitsreparaturen investiert habe: Schlagläden wurden instandgesetzt, Fenster auf der Südwestseite gestrichen, die Küche wurde saniert, Dielenböden ausgetauscht, Schiefer ausgebessert und ein Leitungsschaden zwischen beiden Häusern behoben. Es wurden Türen nachgestrichen, nachdem zuvor die unteren Farbschichten an einigen Probestellen freigeschabt wurden, um an den ursprünglichen Farbton zu gelangen. Außerdem wurde eine Außenbeleuchtung installiert, die die Fassade zur Straße hin bei Dunkelheit gut in Szene setzt.

Eine verzierte Treppe führt im Haus Eich 8 in die obere Etage. Foto: Solveig Pudelski

„Das hier ist kein Museum, sondern ein belebtes Denkmal. Es gibt viele Nutzer, da bleiben Gebrauchsspuren nicht aus“, sagt Michaela Böllstorf. „Aber wenn etwas an die Substanz geht, greifen wir ein.“ Denkmalgeschützte Gebäude sind in der Unterhaltung kostenträchtig, weil Altes und Prägendes erhalten werden muss. Das ist aufwendig. Allein die Holzfenster bedürfen eines regelmäßigen Anstrichs.

Dieser puttenartige Kopf ziert den Spiegel im Flur des Hauses Eich 8. Foto: Solveig Pudelski

Eine Finanzspritze aus den Fördertöpfen ist willkommen, um die Häuser und das Umfeld aufzuwerten. Derzeit laufe eine Bewertung der beiden Häuser. Das bildet einen Teil der Basis für einen Förderantrag. Das Baudenkmal sollte zur Kreuzung hin offen wirken wie auf einem Präsentierteller, „auf der rückwärtigen Seite sollte eine Trennung beim Übergang zum Parkplatz geschaffen werden“, sagt Zache. Denn auf dem Loches-Platz entsteht ein mächtiger optischer „Konkurrent“, der moderne Neubau mit gläsernen Fronten, der einen Einzelhandelsschwerpunkt beherbergen wird.

In den Bürgerhäusern gibt es viele Details zu entdecken  - wie dieses Motivfenster. Foto: Solveig Pudelski

Tür auf und hinein in die gute Stube: Wer den Flur zum ersten Mal betritt, hat ein Aha-Erlebnis. Das Entree ist großzügig und weist reich verzierte Besonderheiten auf: Die Zwischenwand mit Tür und den Sprossenfenstern, die an eine Außenfassade erinnert. Der Spiegel mit barock wirkenden, geschnitzten Köpfen von Putten und der Wanduhr mit römischen Ziffern. Eine Treppe mit aufwendig gearbeiteten Pfosten und Handläufen. Der grafisch wirkende Fußboden. Holztüren mit farbig abgesetzten Rahmen.

An einem Türrahmen wurden als Farbschichten freigekratzt. Foto: Solveig Pudelski

Dieser Flur und alle anderen Räume verraten, dass der Erbauer eine gutbürgerliche Atmosphäre schaffen wollte, ein Haus, das Wohlstand und Großzügigkeit vermittelt. Das Trauzimmer ist lichtdurchflutet, eine Doppelflügeltür führt in das Kaminzimmer mit aufwendigem Parkettboden. Gegenüber vom Kamin führt eine Holztür auf den Hof. Die obere Hälfte lässt sich öffnen. „Das ist eine Klön-Tür“, sagen Daniela Zache und Michaela Böllstorf.

„Das ältere Haus hat drei, vier Bauphasen erlebt“, erzählt Michaela Böllstorf. Ein Anbau mit großem Sitzungszimmer kam hinzu. Eine Treppe mit ausgetretenen Stufen führt in die obere Etage. Dort hat die Querbacher Heimatgruppe einen Raum angemietet, die Querbacher Stube. Wer die Räume durchschreitet, kann sich mit etwas Fantasie gut vorstellen, wie sie einen passenden Rahmen für vielerlei Veranstaltungen wie Lesungen, Empfänge, Ausstellungen, Kammerkonzerte und vieles mehr bieten könnten. Die gute Stube hat mehr Aufmerksamkeit verdient.