Wermelskirchen: Die fünfte Schultour ist „hellwach“

Elf Stationen in der bergischen Region : Die fünfte Schultour ist „hellwach“

Beim sozial-diakonischen Projekt geht es um Interaktion. Elf Stationen in Wermelskirchen, Hückeswagen, Rade, Remscheid, Leverkusen-Opladen, Bergisch Gladbach-Paffrath, Köln, Wiehl und Wipperfürth sind dieses Jahr Ziele.

Gespräche auf Augenhöhe sorgen für die spezielle Intensität, die die Qualität der Begegnungen bei der Schultour ausmachen. Dabei ist die Musik das Medium, aber nicht die oberste Maxime des Projekts: Vielmehr geht es darum, Kindern und Jugendlichen die Traute zur eigenen Individualität, den Glauben an sich selbst und die eigenen Ideen und den Mut zu deren Umsetzung zu vermitteln.

Das sozial-diakonische Projekt rückt kulturelle Bildung und daraus zwangsläufig resultierende Lebensberatung in den Vordergrund, sagt André Frowein, Jugendcafé (Juca)-Leiter des Evangelisch-Freikirchlichen Sozialwerks Wermelskirchen. „Es geht um Interaktion, nicht um Unterhaltung. Herumhopsen ist als Nebeneffekt erwünscht, jedoch nicht das Ziel.“ Die inzwischen fünfte Auflage der Schultour macht in der Zeit vom 12. bis 28. Juni an insgesamt elf Schulen in Wermelskirchen, Hückeswagen, Radevormwald, Remscheid, Leverkusen-Opladen, Wiehl, Bergisch Gladbach-Paffrath, Köln und Wipperfürth Station.

„Hellwach“ lautet das Motto der diesjährigen Tour. Es lehnt sich damit an den gleichnamigen Song der österreichischen Band „Solarjet“ an. Das Quartett aus Salzburg, das fester Bestandteil der Schultour ist, verbindet mit dem Lied eine Kampagne, die auf Mobbing und Gewalt an Schulen aufmerksam macht. Erstmals dabei ist das Schweizer Trio „Jacksayfree“, das kurz vor der Schultour noch einen Auftritt bei einem Pfingstfestival in der Siegerlandhalle absolviert.

„Wir Organisatoren und ebenso die Musiker legen großen Wert darauf, dass die Schultour ein inklusives Projekt ist. Jeder Schüler soll die Chance zur Teilnahme haben. So begegnen wir ganz bewusst Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, emotionalen Schwierigkeiten oder Vernachlässigungen“, sagt Frowein. Begleitet werden die Bands von einem 20-köpfigen Team, das sich teilweise eigens für die Aktion Jahres- oder Sonderurlaub genommen hat. Die Helfer kümmern sich nicht nur um die Versorgung mit Essen oder um Auf- und Abbau, sondern stellen in den Schulklassen auch stets einen Moderator.

Systematisch ist der Ablauf wie in den Vorjahren auch: Die Musiker rücken mit dem „Hellwach“-Tross morgens zu Unterrichtsbeginn an. Dann besuchen die Gruppen von der jeweiligen Schule ausgewählte Klassen – beispielsweise die der sechsten Jahrgangsstufe. „Für den Ablauf in den Klassen gibt es keinen vorgefertigten Plan. Wir gucken immer, wo es hin läuft“, beschreibt Frowein. So stände an Förderschulen das gemeinsame Musizieren mehr im Mittelpunkt, an einer Sekundarschule eher das Gespräch und Beantworten von Fragen, die die Schüler in den Tagen zuvor im Unterricht vorbereitet haben. „Das Projekt streift unterschiedliche Fächer von Deutsch, über Musik und Kunst bis hin zu Sozialwissenschaften“, sagt der Juca-Leiter.

Je nach Schule geben „Solarjet“ und „Jacksayfree“ zur Mittagszeit oder in der letzten Schulstunde ein kleines Konzert für alle Schüler und Lehrer, bei dem jede Band etwa 20 Minuten auftritt. „Die Musiker haben etwas zu sagen“, stellt André Frowein fest: „Wir haben fachlich kompetente Leute, die etwas zu ihrem Werdegang, zu Rückschlägen und zu persönlichen Entwicklungen berichten können und wollen.“ Dafür Bands zu finden, sei nicht einfach. Viele wollten nichts erzählen oder morgens nicht so früh aufstehen; „die Tour ist anstrengend.“ Die Schultour verschaffe den Schülern besondere Erlebnisse und Erfahrungen. Die Zahl der interessierten Schulleiter und Fachlehrer steige stetig. „Einige Schulen setzen ein Jahr aus, sind jedoch im nächsten wieder dabei. Das ist ein dynamischer Prozess, der in enger Abstimmung mit den Schulen geschieht“, berichtet Frowein.

Während die Tour in der bergischen nund oberbergischen Region immer weitere Kreise ziehe, bleibe der Schwerpunkt in Wermelskirchen. Unabhängig vom Unterricht gibt es deshalb drei Workshops für Jugendliche mit den Musikern: am 13. Juni im Jugendtreff der Kattwinkelschen Fabrik Wermelskirchen sowie am 19. und 25. Juni im Wermelskirchener Juca.

Mi. bis Fr. 12. bis 28. Juni.

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