Wermelskirchen: Die Feuerwehr in Oberhonschaft

Stadtteilserie: Die Oberhonschaft: Wenn die Feuerwehr Familiensache ist

Die Freiwillige Feuerwehr in Eipringhausen ist der letzte aktive Verein der Oberhonschaft. Und es geht ihr gut – nicht zuletzt deswegen, weil Einsatz Familiensache ist.

Es ist eine Art Generationenvertrag: Helmut Preyer folgt den Spuren seines Großvaters, Arno Hebbinghaus denen seines Vaters und seinen Opas. Und auch Nike Sachser und ihre Geschwister Tjorven, Kjell und Enya machen es ihrem Vater und ihrem Opa gleich. Sie sind Feuerwehrleute. Und damit gehören sie zum letzten bestehenden Verein der Oberhonschaft. Dem geht es in den vergangenen zehn Jahren so gut wie lange nicht mehr: 20 Aktive gehören zur Einsatzabteilung, sechs Jugendliche engagieren sich für die Jugendfeuerwehr, dazu kommen vier Mitglieder in der Altersabteilung und fünf ehemalige Aktive in der Ehrenabteilung. Alle sind in der Oberhonschaft Zuhause – in Eipringhausen und Süppelbach, Well und Kallenberg.

„Wir sind im vergangenen Jahr 98 Einsätze gefahren“, erzählt Gruppenführer Helmut Preyer. Die Eipringhausener Wehr ist in einen Rettungszug mit Halzenberg und Dhünn eingebunden. Zu ihrem Einsatzgebiet gehören auch Industriegebiet, Obi und die Pflegeeinrichtungen in der Stadt. Deswegen seien es auch häufig Fehlalarme der Brandmeldeanlagen gewesen, die die Feuerwehrleute aus der Oberhonschaft auf den Plan gerufen hätten. Daneben rücken die freiwilligen Feuerwehrleute aber auch zu Unfällen, bei gefährlichen Wetterlagen und  gelegentlich zu Bränden aus. Und: „Im Rheinisch-Bergischen Kreis gibt es drei Messwagen“, sagt Helmut Preyer, „einer davon steht in Eipringhausen.“ Deswegen sind die Ehrenamtlichen auch im Einsatz, sobald im Kreis oder in der Nachbarschaft Wasser- oder Luftwerte gemessen werden müssen. Und weil die Lehrgangsbilanz der Eipringhhausener Feuerwehr so gut ist, können die Ehrenamtlichen so gut wie alle Plätze im Zug auch selbst besetzten. Atemschutzgeräteträger, Maschinisten, Sprechfunker, Fachleute im Messwagen, Brandmeister: Die Liste ist lang. Und mit Holger Stubenrauch hat sogar ein Eipringhausener  Feuerwehr-Urgestein die Leitung der Wermelskirchener Wache übernommen. „Wir sind viele verschiedene Menschen, die im Alltag an vielen verschiedenen Orten arbeiten“, sagt auch Feuerwehrmann Max Lietzau, „aber uns verbindet der gleich Wunsch: Wir wollen den Menschen in Not helfen.“

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Und längst verbindet die Ehrenamtlichen der Feuerwehr in Eipringhausen noch mehr: „Ich bin hier Teil einer Gemeinschaft“, sagt Max Lietzau. Und das bedeutet auch, das Leben im Ort mitzugestalten. Alle zwei Jahre lädt die Feuerwehr zum großen Treckertreffen samt Feuerwehrfest ein, die Nikolausfeier für die Kinder, Kooperationen mit der Kirchengemeinde, die jährliche Kranzniederlegung in Well: „Wir sind ein Teil der Oberhonschaft“, sagt Helmut Preyer. Bis 1997 richtete die Wehr das Hoffest in Eipringhausen aus. Am Ende kamen mehr als 1000 Menschen auf die Hofschaft. Die Dimension sei zu groß und Alkoholkonsum ein Problem geworden, deswegen sei das Fest heute Geschichte. Aber es entstehen neue Traditionen und Gewohnheiten: Mit Annika Vieth gehört nun zum ersten Mal eine Frau zur Truppe. Sie habe zwar ein bisschen gegen Vorurteile kämpfen müssen. „Aber das hat sich gelohnt“, sagt sie, „heute gehöre ich dazu.“ Sie könne austeilen und einstecken und hat damit auch den Weg für Mädchen wie Nike (10), Tjorven (16) und Enya (13) geebnet, die nach der Zeit bei der Jugendfeuerwehr auf jeden Fall zur Einsatztruppe wechseln wollen. „Das wünsche ich mir, seit ich klein bin“, sagt Enya Sachser, „und die Feuerwehr hat mich auch schon ein bisschen verändert: Ich bin selbstbewusster geworden.“

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