1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Die ersten evangelischen Gemeinden kehren in ihre Kirchen zurück

Gottesdienste in Wermelskirchen : Protestanten feiern wieder Gottesdienste

Pünktlich zu Pfingsten kehrten die ersten evangelischen Gemeinden in ihre Kirchen zurück – in Unterburg und Hilgen-Neuenhaus fanden Gottesdienste unter freiem Himmel statt. Die Gefühlslage ist durchwachsen.

Die Glocken schlagen kräftig. Über Dhünn liegt der Sonntagmorgen-Frieden und zum ersten Mal nach mehr als zwei Monaten sind die Türen der evangelischen Kirche beim Glockenschlag auch wieder geöffnet. Der Betrieb ist verhalten. Wer im Turm der kleinen Dorfkirche ankommt, wird von den Presbyterinnen freundlich empfangen. Nach dem Desinfizieren der Hände, stattet Irmhild Mühlinghaus die Besucher mit einem Infozettel aus. „Heute herrscht Einbahnverkehr“, erklärt sie und deutet auf den Weg in der Kirche. Am Turm betreten die Besucher die Kirche, an der Seite verlassen sie sie später wieder. Die Presbyterin weist noch auf die Anwesenheitsliste hin und deutet dann auf die Schilder, die aufzeigen, welche Sitzplätze an die-sem Sonntag genutzt werden dürfen: 40 Plätze im Kirchenschiff, zehn auf der Empore sind unter der Einhaltung der Abstandsregelungen möglich. 28 Besucher kommen schließlich zum ersten Gottesdienst nach dem Lockdown.

„Ich freue mich richtig“, sagt Pfarrer Reinald Rüsing als er vor die kleine Gemeinde tritt. Er verstehe, dass viele Menschen noch mit Vorsicht auf die Öffnung der Kirchen reagieren. Und er erinnert daran, dass die Onlineangebote der Kirchengemeinde in Dhünn bestehen bleiben. Aber: „Es ist viel schöner, vor einer Gemeinde zu sprechen als vor einer Kamera“, sagt er später. Er sei seit 40 Jahren Ge-meindepfarrer und die Gottesdienste ohne Menschen zu feiern, sei ihm schwergefallen. Umso fröhlicher sei er nun, die Gemeinde wieder einladen zu können. Ausgerechnet an Pfingsten. „Das erste Pfingstfest war nach Tod und Auferstehung ein Neuanfang für die Menschen damals“, sagt Rüsing, „und heute ist es auch ein Neuanfang für uns.“ Auf das Singen und große Teile der Liturgie muss die Gemeinde verzichten, der Gottesdienst fällt mit einer halben Stunde deutlich kürzer aus als sonst. Rüsing hat Musik vom Band mitgebracht – von der Band der Gemeinde und bekannten Liedermachern.

Nach dem ersten Gottesdienst am Sonntagmorgen findet erst eine Taufe statt und dann eine zweite Auflage der Gottesdienstfeier. Die Gemeinde hatte möglichst vielen Menschen die Teilnahme am Gottesdienst ermöglichen wollen.

„Plaudern auf der Domplatte ist heute leider nicht möglich“, sagt Reinald Rüsing noch, als er die Gemeinde verabschiedet. Und so gehen die Besucher schnell in alle Himmelsrichtungen davon. „Mir war das heute sehr wichtig, nach so vielen Wochen wieder gemeinsam Gottesdienst feiern zu können“, sagt Doris Arntz. Fernseh- und Onlinegottesdienste seien ja schön. „Aber mir hat die Gemeinschaft im Gottesdienst gefehlt“, erzählt sie, „es hat gutgetan, wieder miteinander beten zu können.“ Und obwohl sie nun das Singen vermisse, sei das Gottesdienstgefühl schnell zurückgekehrt.

Das geht auch Hans Hartwig Selbach so: „Das war mir heute ein Bedürfnis“, sagt er, „das ist doch unsere Gemeinde, unsere Gemeinschaft.“ Und auch wenn es im Moment nur möglich sei, diese „Spargottesdienste“ zu feiern – ohne Singen, ohne Chor und mit kurzer Predigt – freue er sich über die Rückkehr in die Dhünner Kirche.

In Unterburg und in Hilgen-Neuenhaus feiern die Gemeinden am Pfingstmontag ihre ersten Gottesdienste nach der Pause – unter freiem Himmel. Währenddessen setzten sie am Sonntag noch auf Online-Angebote: Zum ersten Mal hatten sich dabei der Bezirk Tente und die Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus zusammengetan und einen bunten, lebendigen Gottesdienst für kleine und große Gläubige gefeiert, der Bezirk Stadt hatte einen besonderen Gottesdienst im Haus Eifgen aufgezeichnet.