1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen Der richtige Ort für die Kleinstadt mit Herz

Lebensgefühl in Wermelskirchen : Der richtige Ort für die Kleinstadt mit Herz

Den offiziellen Slogan der Stadt Wermelskirchen nutzt kaum jemand. Da stellt sich langsam die Frage, ob das dann nicht geändert werden sollte...

Egal wo und bei welchem Thema die Rede auf Wermelskirchen kommt: In den allermeisten Fällen folgt in den Gesprächen der Zusatz „Die Kleinstadt mit Herz.“ Ob das auf dem Wochenmarkt oder in den Sozialen Medien im Internet ist. Die „Kleinstadt mit Herz“ ist fest in den Köpfen verankert. Und das, obwohl der offizielle Slogan mittlerweile „Stadt Wermelskirchen – der richtige Ort“ ist.

Doch mit dem eher sachlichen Wort Ort scheinen sich die Wermelskirchener noch immer nicht so richtig anfreunden zu wollen. Auch Henning Conrads nicht, der in der Stadt als „Mr. Einzelhandel“ berühmt ist. „Der richtige Ort passt irgendwie nicht“, sagt der Träger des Bundesverdienstkreuzes, das ihm für sein ehrenamtliches Engagement für den Einzelhandel und für die Stadt Wermelskirchen verliehen wurde. Immerhin war er auch nicht ganz unbeteiligt daran, dass die Stadt heute gerne mit dem Herzen in Verbindung gebracht wird.

 Henning Conrads mit dem Originalwerbeschild aus 1976.
Henning Conrads mit dem Originalwerbeschild aus 1976. Foto: Kathrin Kellermann

1976 startete der Einzelhandelsverband die Kampagne mit der kleinen Stadt, die Herz zeigt. Eigentlich war es gedacht, um mehr Menschen in die Innenstadt zu locken. „Es war damals eine Idee von Günter Lilge“, erinnert sich Henning Conrads. „Er war unser Werbefachmann und hat immer gesagt, dass wir unbedingt einen Spruch mit Langzeitwirkung brauchen.“ Mit seiner Idee hat der Maler und Grafiker offenbar ins Schwarze getroffen, weil die Kleinstadt mit Herz auch 45 Jahre später noch fest in den Köpfen der Einwohner verankert ist. „Hier kauft man gut. Wermelskirchen die Kleinstadt mit Herz“ war der Slogan, der auf Jutetaschen gedruckt wurde, „die wir dann auf dem Wochenmarkt verteilt haben“, erinnert sich Conrads. Auch Aufkleber ließ der Einzelhandelsverband drucken: 10.000 kleinere und 3000 große. Und weil auch die Liebe zu einer Stadt durch den Magen geht, wurde der Spruch auch als Zuckerschrift auf Lebkuchen verewigt, „die wir dann in der Stadt verschenkt haben.“

 Bei ihrer Vereidigung zeigten Marion Lück und ihre Stellvertreter Stefan Leßenich (links) und Norbert Galonska ihre Herzen für die Stadt.
Bei ihrer Vereidigung zeigten Marion Lück und ihre Stellvertreter Stefan Leßenich (links) und Norbert Galonska ihre Herzen für die Stadt. Foto: Jürgen Moll

Dass sich der liebevolle Städtezusatz „Kleinstadt mit Herz“ in den Köpfen festgesetzt hat, bestätigte Bürgermeisterin Marion Lück schon vergangenes Jahr im Wahlkampf. Denn darauf angesprochen, welche Aussage sie über Wermelskirchen nicht mehr hören könne, antwortete sie damals prompt: „Der richtige Ort. Ich mag diesen Slogan überhaupt nicht. Ich bin mit Wermelskirchen die Kleinstadt mit Herz großgeworden und das konnte ich viel besser fühlen und packen.“ An dieser Meinung hat sich auch nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin nichts geändert: „Meine persönliche Meinung ist und bleibt, dass Wermelskirchen die Kleinstadt mit Herz ist. Damit bin ich schließlich auch aufgewachsen“, sagt Marion Lück auf Nachfrage dieser Redaktion. Nicht umsonst hat sie deshalb einen Kunstdruck mit Herz hinter dem Schreibtisch in ihrem Büro im Rathaus aufgehängt, dessen Geheimnis sich dem Betrachter erst offenbart, wenn man genau hinschaut: Die „Sprenkler“ sind nämlich nicht zufällig auf dem roten Herz verteilt, sondern zeigen das komplette Stadtgebiet von Wermelskirchen – inklusive Dhünn-Talsperre. Passend dazu sind die Koordinaten der Stadt angegeben. „Das Bild war ein Geschenk von meiner Familie und Freunden“, verrät Marion Lück, die im Wahlkampf auch Lebkuchenherzen mit dem „Ein Herz für Wermelskirchen“-Zuckerschriftzug verteilte.

 Auch Altbürgermeister und Ehrenbürger Heinz Voetmann hat ein Herz für Wermelskirchen
Auch Altbürgermeister und Ehrenbürger Heinz Voetmann hat ein Herz für Wermelskirchen Foto: Kathrin Kellermann

Auf die Frage, ob denn „der richtige Ort“ irgendwann tatsächlich offiziell geändert wird zu „Kleinstadt mit Herz“, sagt sie: „Das würde ich gerne mit den Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt spielen, für welchen Slogan denn ihre Herzen wirklich sprechen. Ob es der richtige Ort, die Kleinstadt mit Herz oder vielleicht sogar etwas ganz anderes ist“, sagt die Bürgermeisterin, die eine solche Entscheidung aber nicht übers Knie brechen will. Denn: „So eine Slogan- und Markenänderung ist mit wirklich viel Aufwand verbunden. Und wenn man das angeht, muss es auch sitzen. Es gibt genug Kommunen im Umfeld, die den Markenprozess umgesetzt haben und dann gnadenlos gescheitert sind. Das muss man sich gut überlegen.“