Wermelskirchen: Der „Pate“ des Eifgen-Kunstrasens

In Wermelskirchen : Der „Pate“ des Eifgen-Kunstrasens

Als Vorsitzender des Nullneun-Fördervereins rührt Henning Weber die Spenden-Werbetrommel zur Finanzierung der Anlage. Bis Ende März will er die Marke von 30.000 Euro erreicht haben.

Henning Weber ist der „Pate“ – der „Tauf-Pate“ des im vergangenen September eingeweihten Kunstrasen-Fußballplatzes im Eifgen-Stadion. Für das Projekt und „seine“ Nullneuner hat der Vorsitzende des SV 09/35-Fördervereins und Elektromeister im Ruhestand eine Menge „Strippen gezogen“: Als Spenden-Aquisiteur in erster Reihe kämpft Weber teils auch den ermüdenden Kampf des berühmte Don Quichotte gegen die Windmühlen – nicht immer geht es locker flockig von der Hand, wie der 74-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion frank und frei eingesteht. Nach den ersten Spielen auf dem neuen Eifgen-Grün zog sich Henning Weber vorerst ein wenig zurück, krankheitsbedingte Gründe und die Sorge seiner Frau um seine Gesundheit machten das nötig. Seit dem Jahreswechsel startet Henning Weber allerdings wieder durch, sein Ziel: Bis zu seinem 75. Geburtstag Anfang März will er die 30.000 Euro-Marke bei der SV 09/35-Spenden-Sammel-Aktion „Herz-Rasen“ knacken.

Wie auf der Spenden-Homepage   zu sehen ist, sind inzwischen 26.850 Euro zusammengekommen. Auf der Internetseite können Spendenwillige für eine oder mehrere Kunstrasenplatz-Parzellen oder Werbebanden rings um den Platz virtuell für ein Jahr eine Patenschaft übernehmen: Alles unter dem Motto „Herz-Rasen – für immer grün“. Im ersten Jahr muss der Sportverein 50.000 Euro für den neuen Platz aufbringen, wobei Eigenleistungen der Nullneuner angerechnet werden. 30.000 Euro muss der SV 09/35 in den 15 folgenden Jahren aufbringen: Dieser Betrag taxiert die jährlichen Pflege- und Unterhaltskosten des Platzes, die der Verein laut Vertrag mit der Stadt übernehmen muss (vergleichbar mit dem DTV am Dabringhausener Höferhof oder Tura Pohlhausen mit der sogenannten „Grünen Asche“ in Unterpohlhausen). Mit 900.000 Euro trug die Stadt das Gros der Kosten des Stadionumbaus.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wäre „fair“ gewesen, kommentiert  Weber: „Was wir in Eigenleistung gearbeitet haben, wird wie eine Gutschrift angerechnet und reduziert unsere finanzielle Belastung.“ Einige Pflasterarbeiten, die der Verein eigenständig machen will, stünden noch aus: Das werde im Frühjahr erledigt.

„Ehrgeizig war ich immer schon, auch als junger Mann auf dem Fußballplatz“, sagt Henning Weber mit einem Lachen. Und gesteht ein, dass das Sammeln von Spenden eine „mühselige“ Arbeit sei: „Etwa 90 Prozent der bisher eingegangenen Spenden habe ich geholt. Manchmal ist man für 200 Euro mehr als einen Vormittag beschäftigt.“ Bekäme man am Morgen gleich zwei Absagen von den ersten beiden Gesprächspartner, könne sich jeder vorstellen, dass man dann für den Rest des Tages „auch nicht mehr so gut drauf ist“.

Rückblickend erinnert Weber an den Spätherbst 2018 als die ersten ehrenamtlichen Arbeiten zur Vorbereitung des Stadionumbaus starteten. „Von März bis September im vergangenen Jahr bin ich mindestens drei Mal pro Woche nach Wermelskirchen in das Eifgen-Stadion gefahren“, berichtet Henning Weber, der inzwischen in Bad Godesberg lebt: „Ich habe ja kein anderes Hobby als den Nullneun.“

Weber selbst baute unter anderem die Beschallungsanlage neu auf, die Firma seines Nachfolgers im eigenen Betrieb die Flutlicht-Anlage. „Ich habe natürlich meine alten Freunde angerufen und um Spenden gebeten. Außerdem haben Edgar Müller vom Förderverein und ich eine Liste mit 300 Adressen bzw. Ansprechpartner zusammengestellt – die habe ich noch nicht alle abgearbeitet“, hat sich Henning Weber für die nächsten Wochen selbst eine „sportliche“ Aufgabe gestellt.

Aus Sicht des Nullneun-Fördervereinsvorsitzenden und Nullneun-Ehrenvorsitzenden ist der Kunstrasenplatz unabdingbar gewesen: „Viele Kinder sind uns weggelaufen und zu benachbarten Vereinen mit besseren Plätzen gewechselt.“ Diese Entwicklung scheine sich zur Zeit bereits zu egalisieren: „Wir rechnen damit, in der Saison 2020/2021 mit viel mehr Jugendmannschaften als jetzt antreten zu können.“ Genauso wie ein Förderverein wäre ein Kunstrasenplatz eine Voraussetzung für einen florierenden Sport- und Fußballverein, meint Henning Weber: „Es ist eine harte, anstrengende Aufgabe, die unheimlichen Idealismus von den Aktiven verlangt. Alle Funktionäre müssen sich auch darüber Gedanken machen, was neben dem Platz angeboten wird – nur so lässt sich Nachwuchs gewinnen, fördern und halten.“

Der Sport-Verein 09/35 als Hauptverein habe die Aufgabe, die Umkleidekabinen im unteren Vereinsheim zu sanieren und sauber zu halten – da liege noch einiges im Argen. „Aber an den anderen Umkleiden ist ja schon etwas gemacht worden – genauso wie am Imbiss oder im Vereinsheim selbst.“

Der Arbeitskreis „Kunstrasen“, den die Nullneuner zum Platzumbau gründeten und dem der Ehrenvorsitzende Henning Weber angehört, werde im Laufe diesen Jahres „Geschichte“: „Da habe ich mit wunderbaren Leuten und feinen Kerlen zusammengearbeitet – ich bin stolz darauf, dabei gewesen zu sein.“