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Wermelskirchen: Der Nikolaus legt eine Zwangspause ein

Nikolaustag in Wermelskirchen im Corona-Jahr : Der Nikolaus in der Zwangspause

Statt Nikolauszug und Engelchentreffen am Weihnachtsbaum hat der Nikolaus heute frei. Das ist für ihn und Hans Muff eine Premiere. Die freie Zeit hat der Nikolaus für einen Besuch in der Redaktion genutzt.

Es beginnt mit einem lauten Poltern an der Redaktionstüre. Dann taucht ein freundliches Gesicht auf: „Hallo, jemand da? Hier ist der Nikolaus.“ Das Lachen wird ein bisschen breiter. Der Nikolaus ist gut gelaunt – trotz des Corona-Jahres und trotz der Absage seines großen Umzugs am Samstagnachmittag. „So viel Zeit hatte ich rund um den 6. Dezember noch nie“, sagt er, „aber wir müssen uns jetzt alle an die Spielregeln halten.“ Und weil sein Terminplan in diesem Jahr deutlich leerer ist als in anderen, nimmt er sich Zeit für ein Interview.

„Ich kann mich kaum an ein Jahr erinnern, als ich nicht beim Zug durch Wermelskirchen dabei war“, sagt er, „das hat immer dazu gehört.“ Und dann beginnt er zu erzählen, von dem schneereichen Winter vor zwei Jahren. Freitagsabends habe es plötzlich zu schneien begonnen. Dicke Flocken, die direkt liegen blieben. Da habe er sich noch in der Nacht mit Hans Muff, Henning Conrads und André Frowein beraten – dem Team rund um den Nikolauszug. Es sollte eines der schneereichsten Wochenenden der vergangenen Jahre werden, und schließlich stand fest: Hans Muff und der Nikolaus würden ihre Pferde im Stall lassen müssen, die Kutsche würde nicht angespannt und stattdessen würden sich alle zu Fuß auf den Weg machen. „Das war ein ungewöhnliches Jahr“, sagt er, „aber wir waren unterwegs.“

Am Wegesrand standen wie immer Eltern und lachende Kinder. „Das ist das allerschönste an meiner Aufgabe“, sagt der Nikolaus, „wenn die Augen der Kinder strahlen und diese Magie in der Luft liegt.“ Dann sieht er den Engelchen in der Kutsche ihre Aufregung an, dann nimmt er dankbar die gemalten Bilder der Kinder entgegen und dann verständigt er sich wortlos mit den Einsatzkräften, die den Zug begleiten. „Die Feuerwehrleute und ich, wir kennen uns schon ein halbes Leben“, sagt er, „wir können uns wortlos aufeinander verlassen.“ Auch, wenn es brenzlig wird – wenn Kinder den Pferden zu nahe kommen zum Beispiel. Da sei viel Vorsicht geboten.

Aber auch das Pony des Nikolauses, Lady Lillifee, muss in diesem Jahr im Stall bleiben. „Ich erinnere mich noch an das erste Jahr, als Lady Lillifee den Zug mit mir gemeinsam gemacht hat“, erzählt der Nikolaus. Für das Pony waren Musik und lachende Kinder eine ganz neue Erfahrung. Und als ob es geahnt habe, dass Veränderungen anstehen, zierte es sich, den Weg vom Stall in Eipringhausen Richtung Stadt anzusteuern. „Am Ende sind wir durchs Eifgental spaziert, Lady Lillifee ist immer ruhiger geworden und macht seit dem einen guten Job“, erzählt der Nikolaus. Um den Pferden nach dem Weg vom Schwanen zum Weihnachtsbaum ihre verdiente Ruhe zu gönnen, fahren der Nikolaus und Hans Muff inzwischen mit den Engelchen in der Kutsche zurück. „Die Pferde machen sich dann schon zu Fuß auf den Weg zurück in den Stall“, erzählt der Nikolaus. Aber auch Lady Lillifee muss im Corona-Jahr pausieren und am Nikolaustag zuhause bleiben. „Das wird uns dieses Jahr fehlen“, sagt der Nikolaus, „uns fehlt damit ein Stück Tradition in der Stadt.“

Was man in seinem Job unbedingt brauche? „Gelassenheit“, sagt er, „und ein Nikolaus darf nicht so schüchtern sein.“ Es helfe auch, mit Wind und Wetter umgehen zu können. Denn wenn es regne oder richtig schneie, dann sauge sein roter Mantel das Wasser auf und werde sehr schwer. „Allerdings hält er mich immer warm“, erzählt der Nikolaus, „ich habe noch nie gefroren.“

Die Hände legt er übrigens auch im Corona-Jahr nicht in den Schoß. „In meinem Kalender habe ich dieses Wochenende einen großen, roten Kringel“, erzählt er, „der Nikolaustag fällt ja nicht einfach aus.“ Mit vielen engagierten Helfern hat er in den vergangenen Tagen Tüten für die Kinder gepackt – mit allerlei Süßigkeiten für das Nikolauswochenende (siehe Infokasten).

Nach dem Interview in der Redaktion packt der Nikolaus seine sieben Sachen, er kämmt sich vorsichtig durch den langen Bart, schultert dann die volle Tasche und winkt gut gelaunt mit seinen großen Händen, die in weißen Handschuhen stecken. Als er die Tür hinter sich zuzieht, scheint es fast als würde der Klang eines Glöckchens in der Luft liegen.