Wermelskirchen: Der Bewahrer einer Tradition

Wermelskirchen : Der Bewahrer einer Tradition

Seit 50 Jahren begleitet Henning Conrads den Nikolaus-Umzug als Verantwortlicher durch die Wermelskirchener Innenstadt.

Wenn Henning Conrads am kommenden Samstag ab 15.30 Uhr den Nikolaus-Umzug vom Schwanenplatz zur Carl-Leverkus-Straße unter Deutschlands größten Naturweihnachtsbaum führt, ein besonderer Tag: Der 75-Jährige blickt dann auf ein halbes Jahrhundert zurück, in dem er den Nikolaus-Umzug als hauptverantwortlicher Organisator begleitet. Aus seinen persönlichen mit der Hand geschriebenen Aufzeichnungen geht es hervor: 1969 war Henning Conrads erstmals dabei. „Du kannst mir helfen“, habe sein Vater damals zu ihm gesagt, erinnert sich Conrads, der Ende der 1960er-Jahre nach seinem Dienst bei der Bundeswehr und Lehr-Einsätzen zum Sammeln von Erfahrung bei auswärtigen Schuhfachgeschäften von Aachen nach Wermelskirchen heimkehrte. Conrads Vater Fritz führte als Vorsitzender damals die Wermelskirchener Abteilung des Bergischen Einzelhandelsverbandes und bereitete seinen Sohn darauf vor, in seine Fußstapfen zu treten.

„Seit 1975 bin ich zu 100 Prozent für die Vorbereitung und Durchführung des Nikolaus-Umzuges zuständig. Die offizielle Genehmigung holt zwar unsere Geschäftsstelle ein, aber um den Rest kümmere ich mich“, sagt der Ehrenvorsitzende des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“ im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch wenn die Abläufe in jedem Jahr ähnlich sind, ist es Conrads wichtig, alle Beteiligten wie Polizei, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz und Musiker sowie Martin Rimroth (Nikolaus) und Hans-Georg Lesnick (Hans Muff) kurz vor dem Umzug zum Gespräch an einen Tisch zu holen: „So habe ich die Gewissheit, dass im Vorfeld alles geklärt ist.“

In seinen persönlichen Aufzeichnungen hält Henning Conrads die Erinnerung wach. Foto: Stephan Singer

Dass manchmal Dinge noch kurzfristig entschieden werden müssen, weiß Henning Conrads aus Erfahrung: „In 2017 habe ich kurz vor Beginn des Nikolaus-Umzuges eine geschlagene Stunde nur telefoniert.“ Nennenswerter Schneefall zwang die Beteiligten damals, auf Kutschen und Pferde zu verzichten. „Das Risiko war uns einfach zu hoch“, blickt Conrads zurück. Überhaupt haben Conrads und seine Mitstreiter manch eine Wetterkapriole erlebt. In 1997 waren es Schnee und Eis, zehn Jahre zuvor eine „Wasserschlacht“ angesichts starken Regens und für das Jahr 2000 notierte Conrads „frühlingshafte Temperaturen“ in seinen Unterlagen.

Die Bergischen Engelchen gehören zum Nikolaus-Umzug dazu. Das ist auch für Conrads wichtig und sorgt für Identität. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

„Heutzutage gibt’s die Wettervorhersagen ja per Handy-App. Früher habe ich drei Tage vor dem Nikolaus-Umzug immer das Wetteramt in Essen angerufen und mit das ‚Landwirtschafts-Wetter‘ vorhersagen lassen – das war immer sehr genau“, erinnert Henning Conrads. Obwohl das Wetter damals mitspielte, erlebte der Nikolaus-Umzug in 2005 eine unerwartet schwache Resonanz, denkt Henning Conrads zurück: „Da kamen enttäuschend wenige Besucher. Wir wissen bis heute nicht, woran das gelegen hat. Im Jahr danach war die Beteiligung wieder riesig.“ Seither sei der Zuspruch – wenn auch wetterabhängig – ungebrochen groß: „Das ist auch der Sinn der Sache.“

Mit Warnweste vorweg: Henning Conrads mit dem Nikolaus und seinem getreuen Gefährten Hans Muff. Conrads ist es zu verdanken, dass alles so reibungslos abläuft. Archivfoto: Moll. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Der Organisator schätzt die „vielen treuen Seelen“, die „immer dabei sind“. Er nennt „Hans Muff“ Hans-Georg Lesnick, „Nikolaus“ Martin Rimroth und dessen Vorgänger, den inzwischen verstorbenen Hans-Hermann Jäger, sowie die Musiker, wie die vom Posaunenchor der Stadtkirche. Die sitzen auch in diesem Jahr wieder auf einem Planwagen, der allerdings wegen des Mangels an Pferden erstmals von einem Traktor gezogen wird. „Das müssen wir ausprobieren“, richtet Conrads den Blick auf den kommenden Samstag. Ein „Augenweide“ seien ebenso stets die sechs „Bergischen Engelchen“ im Gefolge des Nikolauses, die ebenso Süßigkeiten an die Kinder verteilen. Henning Conrads Ehefrau Friedericke betreute die Mädchen als „Engelchen-Mutter“ fast 30 Jahre lang, dann folgte Silvia Rojewski, inzwischen kümmert sich Kathi Willumat-Warnke.

Am 7. Dezember zieht der 93. Nikolaus-Umzug durch die Innenstadt. Henning Conrads denkt weiter in die Zukunft: „Wir wollen nicht nur den 100. Umzug erreichen, sondern diese Tradition darüber hinaus wahren.“ Der Umzug zeige den Kindern das Geschehen rund um den Nikolaus – auch denen unter den Neubürgern, die aus anderen Kulturkreisen stammen. Mit einem Lachen fügt Conrads hinzu: „Solange ich gesund bin, bleibt das noch ein paar Tage so. Wenn jemand kommt, der sagt, dass er die Organisation des Nikolaus-Umzuges übernehmen will, dann freue ich mich.“

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