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Wermelskirchen: Demski zur Kritik an Seenotrettung von Flüchtlingen

In Wermelskirchen : Seenotrettung polarisiert auch im Bergischen

Auch nach den Morddrohungen gegen Bedford-Strohm unterstützt Superintendent Hartmut Demski die Seenotrettung. Damit stößt er im Kirchenkreis Lennep nicht nur auf Zuspruch. Er setzt auf Dialog.

Die Evangelische Kirche im Bergischen Land will den  Aufruf zur Seenotrettung von Geflüchteten auf dem Mittelmeer unterstützen – daran würden auch die Drohungen gegen Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche (EKD), nichts ändern, sagt Hartmut Demski, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep.

Demski teilte im Dezember mit, dass sein Kirchenkreis eine Mitgliedschaft in dem bundesweiten Aktionsbündnis „United4Rescue“ anstrebe. Im Rahmen dieser von der Kirche initiierten Aktion werden Spenden für ein zusätzliches Rettungsschiff auf dem Mittelmeer gesammelt. Vergangene Woche wurde bekannt, dass Bedford-Strohm in Zusammenhang mit seinem Einsatz für dieses Bündnis Morddrohungen erhalten hatte.

„Das unterstreicht die Bedrohung, die vorhanden ist“, sagt Demski, auch im Hinblick auf den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt hatte. Einknicken dürfe man deswegen jedoch nicht. Und er weiß, wovon er spricht: Vor sechs Jahren hatte er wegen einer Kollekte für den Bau einer Moschee in Remscheid zahlreiche Hassmails bekommen. „In solchen Situationen braucht man Menschen, die einem den Rücken stärken“, berichtet Demski. Für ihn sei es wichtig gewesen, sich in Gesprächen mit Familie und Freunden, aber auch durch die Auseinandersetzung mit Grundsatzfragen, seiner Überzeugung zu vergewissern.

Auch für sein jüngstes Engagement in der Seenotrettung gebe es in den 17 Gemeinden seines Kirchenkreises neben einem großen positiven Zuspruch ebenfalls Kritik. „Es ist so zerrissen, wie es auch in der Gesellschaft ist“, fasst er zusammen. Immer wieder höre er den Vorwurf, die Kirche mische sich in die Politik ein. „Eigentlich ist die Seenotrettung auch Aufgabe des Staates“, sagt Demski. Seit die EU jedoch die Mission „Sophia“ gestoppt hat, liege diese Aufgabe bei privaten Initiativen. Für ihn stehe die Rettung von Menschen, die um ihr Leben kämpfen, im Vordergrund. Und dass ihnen ein ordentliches Asylverfahren gewährleistet werde.

Er sei bereit, Menschen zuzuhören, die glauben, dass Seenotrettung nicht der richtige Weg ist. „Aber was wir dafür brauchen, ist ein offener Dialog.“ Der finde momentan in den Gemeinden viel zu selten statt. In den vergangenen beiden Jahren sei die Zahl der Kirchenaustritte angestiegen – ob das im Zusammenhang mit dem Engagement für Geflüchtete steht, sei unklar. Fest stehe jedoch, dass es Menschen gibt, denen die Seenotrettung und die verstärkte Migration Sorgen bereitet. Auch Demski sei sich bewusst, dass der verstärkte Zuzug von Geflüchteten eine Herausforderung an unser Miteinander sei. „Das Fatale ist, dass mit diesen Ängsten ein politisches Geschäft gemacht wird.“ Er sehe die Politik in der Pflicht, der Polarisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Hartmut Demski. Foto: Demski

Drohungen wie die gegen Bedford-Strohm und Hasskommentare in sozialen Netzwerken würden ihn zum Appell an jeden einzelnen veranlassen, seine Sprache zu überprüfen. „Wie rede ich, wie grenze ich mich ab – und an welchem Punkt sollte man ein Gespräch lieber an anderer Stelle fortsetzen.“ Um den Dialog in den Gemeinden zu fördern, setzt sich Ende Januar ein theologischer Ausschuss mit dem Für und Wider der Seenotrettung auseinander. Die darin vertretenen zehn Personen aus verschiedenen Gemeinden des Kirchenkreises ständen dem Thema mit unterschiedlichen Auffassungen gegenüber. „Es geht darum, einander zuzuhören und die jeweiligen Argumente abzuklopfen: An welchen Stellen gehen wir auseinander?“ Er erhoffe sich eine sachliche Diskussion, die sich auch in die einzelnen Gemeinden überträgt – und damit das Niveau von Totschlagargumenten überwindet.