1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: „Das Standing wieder sichtbar machen“

Mädchenberatung in Wermelskirchen : Hier finden Mädchen Unterstützung

Die Beratungsstelle im Kreis besteht seit zehn Jahren und kommt jetzt auch regelmäßig für Außensprechstunden nach Wermelskirchen. Die Institution steht auf sicheren Beinen, nachdem im vergangenen Jahr das finanzielle Aus drohte.

Seit die Kommunen mit im Boot sind, geht es besser: Zumindest bis Ende Februar 2022 ist die Finanzierung der Mädchenberatungsstelle im Rheinisch-Bergischen Kreis gesichert. „Im vergangenen Jahr standen wir kurz vor dem finanziellen Aus“, blickt Michaela Fahner zurück. Sie ist Vorstandsfrau vom Bergisch Gladbacher Verein „Frauen helfen Frauen“, zu dessen vier Einrichtungen die Mädchenberatungsstelle gehört.

Bis 2019 erfolgte die Finanzierung über Projektmittel von Stiftungen sowie über den Rheinisch-Bergischen Kreis und die Stadt Bergisch Gladbach. Seit März diesen Jahres übernehmen 80 Prozent der Kosten die Jugend- und Gesundheitshilfe des Kreises mit allen dazugehörigen Kommunen außer Leichlingen und Rösrath. 20 Prozent muss der Verein aus Eigenmitteln stemmen – in erster Linie aus Spenden.

Der Einstieg der meisten rheinisch-bergischen Kommunen habe den Fortbestand der Mädchenberatungsstelle glücklicherweise ermöglicht, betont Michaela Fahner. Im „Jubel-Jahr“ der Mädchenberatung, die aktuell auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblickt, senden die Verantwortlichen ein „Danke-Schön“: Ab sofort gibt es Außensprechstunden – neben Burscheid auch in Wermelskirchen.
„Damit wollen wir die Wege verkürzen. Außensprechstunden in Kürten und Overath sind in Planung“, sagt Judith Wiedenhöft, die seit März 2020 mit 28-Wochenstunden für die Mädchenberatung arbeitet. Aber, so betont sie: „Es ist immer eine Terminabsprache nötig.“ Dieses Vorgehen habe sich bewährt, berichtet die Leiterin der Mädchenberatungsstelle, Magdalene Holthausen: „Wir haben früher einmal Sprechstunden angeboten, zu denen man einfach kommen konnte – da ist niemand gekommen.“

Die Mädchenberatungsstelle als „Schwester“-Einrichtung der Frauenberatungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ wendet sich an die Zielgruppe der Zwölf- bis 25-Jährigen. Ess-Störungen, Mobbing, sexualisierte, häusliche und in den vergangenen Jahren verstärkt digitale Gewalt sind häufige Problemfelder. „Dazu kommen Schwierigkeiten mit Schule oder Eltern – oft hängen diese Punkte ja miteinander zusammen“, sagt Judith Wiedenhöft. Etwa ein Drittel der Klientinnen käme über eine Vertrauensperson im Umfeld zur Mädchenberatung. „Das können Verwandte oder Lehrer sein“, erläutert Judith Wiedenhöft: „Zwei Drittel melden sich selbst bei uns.“ Das sei altersabhängig: „Ab 15, 16 Jahren melden sich die Mädchen selbst.“

Generell gebe es keinen Zwang zu einem Gespräch, sagt Judith Wiedenhöft: „Auch die Vertrauenspersonen sprechen mit uns und fragen dann das Mädchen, ob ein Termin gemacht werden soll.“ Ungern sprechen Judith Wiedenhöft und Magdalene Holthausen von „Hilfe“: „Wir unterstützen die Mädchen beim Finden ihres Weges. Alleine Stehen können die, ohne dass wir ihnen unter die Arme greifen.“ Und weiter: „Die betroffenen Mädchen haben ein Standing, das wir wieder sichtbar machen und für die Klientin wieder fühlbar machen wollen.“

In der Regel geht die Mädchenberatungsstelle von fünf Beratungsgesprächen mit je rund 50 Minuten pro Klientin aus. „Das ist ein Richtwert und stets sehr individuell. Gegebenenfalls erfolgt eine weitergehende Therapie. Oder auch eine Vermittlung an andere Behörden oder Institutionen, die bei einem Thema fachspezifischer beraten können“, beschreibt Judith Wiedenhöft die Arbeit.

Derzeit käme die Präventions-Arbeit aufgrund der Corona-Pandemie leider zu kurz, bedauern die beiden Beraterinnen Judith Wiedenhöft und Magdalene Holthausen: „Die Teilnahmen an Info-Veranstaltungen, Ausstellungen, Projektwochen oder auch Fortbildungen für Lehrer fallen gerade alle flach.“

Zum zehnten Geburtstag der Mädchenberatungsstelle wünscht sich Magdalene Holthausen eine gesicherte Finanzierung der Einrichtung über die bislang vereinbarte Frist bis Februar 2022 hinaus: „Dann am besten mit einer Vollfinanzierung.“ Für den Verein sei es immer sehr mühevoll, den Eigenanteil von 20 Prozent über Spenden zu aquirieren – der mache immerhin etwa 25.000 Euro pro Jahr aus.