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Wermelskirchen: Das bietet die Partnerstadt Loches in Frankreich

Partnerstadt : Loches, die Stadt der Kunst und Geschichte

Wermelskirchens französische Partnerstadt bietet nicht nur viel Geschichte, sondern auch aktuell eine lebendiges Angebot an Kultur, Musik und mehr.

Seit mehr als 50 Jahren sind Wermelskirchen und die französische Gemeinde Loches miteinander verbunden, im Jahr 1974 wurden sie offiziell Städtepartner. Ab und an kann man im Bergischen Land eine Ahnung von der französischen Atmosphäre bekommen, etwa auf einer Weinprobe oder einer Ausstellung französischer Malerei. Doch wer den Lochoises noch keinen Besuch abgestattet hat, sollte darüber nachdenken – denn mit ihren rund 6000 Einwohnern ist die mittelalterliche Stadt zwar klein, dafür aber reich an Geschichte und Kultur.

Durch das Porte Royale zu 1000 Jahren Geschichte und Architektur

In Loches ist nicht nur der Geist der Vergangenheit spürbar, die Stadt ist durch ihre vielen kulturellen Veranstaltungen auch heute sehr lebendig. Foto: RP/Frankrone

Die Schlossanlage, die sich auf einem Felsplateau am linken Ufer der Indre befindet und von einer zwei Kilometer langen Ringmauer umgeben ist, zählt zu den besterhaltenen Architekturensembles des Mittelalters. Durch das Eingangstor, das Porte Royale, gelangt man zu einem der ältesten Donjons Europas, der noch bis 1926 als Gefängnis diente. Ein prominenter Gefangener war der mailändische Herzog Ludovico Sforza, der seine acht langen Jahre in Haft unter anderem damit verbrachte, seine Zellwände mit Malereien und Inschriften zu versehen. Neben dem Donjon gehören auch die königliche Residenz Logis Royale und die Stiftskirche Saint-Ours zur Schlossanlage.

Es werden regelmäßig Führungen angeboten, aber seit vergangenem Jahr können auch auf eigene Faust unternommene Touren sehr aufschlussreich sein: Mit dem sogenannten Histopad kann man auf multimediale Weise erfahren, was sich früher hier abgespielt hat. „Der Besucher soll sich ins Geschehen hingezogen fühlen“, sagt Jean-François Thull, Leiter der Schlossanlage. „Der Besuch wird um eine Dimension erweitert.“

Eine starke Frau am Königshof und eine ungeklärte Vergiftung

Agnès Sorel war die erste offizielle Geliebte des Königs Karl VII. von Frankreich. Er schenkte ihr das Schloss von Loches, auf dem sie einige Jahre lebte. Als eine der ersten Frauen, die sich freizügig kleidete und dabei nicht immer ihre Brüste bedeckte, soll sie mit ihrem Einfluss am französischen Königshof die Mode der unbedeckten Brust eingeführt haben.

Sie und Karl VII. hatten drei gemeinsame Kinder. Während sie mit dem vierten schwanger war, erkrankte sie an Würmern. Sie starb mit 28 Jahren, wenige Tage nach der Frühgeburt ihrer Tochter, die ebenfalls verstarb. Um die Todesursache ranken sich bis heute Gerüchte, ihr Grab in der Stiftskirche in Loches wurde zuletzt im Jahr 2004 für eine kriminalistische Untersuchung geöffnet. Dabei kam heraus, dass sie in Folge einer Quecksilbervergiftung starb, die vermutlich durch die Behandlung gegen den Wurmbefall hervorgerufen wurde. Strittig ist, ob ihr absichtlich eine zu hohe Dosis verabreicht wurde.

Bis Ende Februar ist eine Foto-Ausstellung von Francine Poirier im Rathaus zu sehen, die sich mit Agnès Sorel befasst.

Ein Ort, um Kinogeschichte zurückzuspulen: Das Royal Vigny

Schon seit 1946 gibt es das Programmkino im Herzen von Loches. Der damalige kleine Saal mit 114 Plätzen wurde 1977 um einen zweiten Saal erweitert. Seit 1989 in den Händen von Marc Nagot, trotzt es der Krise des Kinos: 30.000 Besucher im Jahr zählt das unabhängige Kino. Welche Filme auf die Leinwand kommen, bestimmt Nagot, der dazu regelmäßig nach Paris fährt und sich Vorpremieren anschaut. Er arbeitet auch mit Filmhochschulen zusammen und einmal im Monat organisiert der „Ciné Club Loches Baulieu“ eine Vorstellung mit anschließender Diskussion über den Film. Nagot teilt seine Leidenschaft für den Film mit den Lochoises. „Das Kino ist Kunst, aber es ist auch ein Teil unseres Erbes. Loches ist eine Stadt der Filmliebhaber“, sagt er in einem Interview mit der französischen Tageszeitung La Nouvelle Republique.

Ein reisefreudiger Maler erbt ein Haus in Loches

Dem französischen Maler Emmanuel Lansyer, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit seinen realistischen Landschaftsmalereien bekannt wurde, gehörte ein Haus in Loches. Einen festen Wohnsitz hatte er jedoch nicht, da er als sehr reisefreudig galt. Er erbte das dortige Haus seiner Mutter, in dem er sich regelmäßig aufgehalten haben und gemalt haben soll. 1893 vermachte er das Haus der Stadt, die es in ein Museum umgewandelt hat. Geheimtipp: Von der Terrasse aus hat man einen Panoramablick über die Stadt.

Nicht nur Kino und Kunst, auch Theater und Musik

Die Leidenschaft der Lochoises für Kultur schlägt sich auch im Musik- und Theaterangebot nieder. Auf dem Veranstaltungsplan der Stadt stehen immer wieder zahlreiche Theaterstücke und Konzerte, meistens im Kulturzentrum Espace Agnès Sorel oder im Théâtre du Rossignolet. Außerdem findet jeden letzten Freitag im Monat in Kooperation mit dem Kino ein Karaoke-Abend in der Bar Le Caravage statt, die direkt am Ufer der Indre gelegen ist.

Ein untypischer Nugat als typische Spezialität

In vielen Geschäften und Restaurants findet man Spezialitäten der historischen Provinz Touraine, zu der Loches gehört. Ein Klassiker ist der Nougat de Tours, der nichts mit dem hiesigen Nugat gemein hat: Es handelt sich um eine Art Kuchen mit Aprikosenmarmelade, kandierten Fruchtwürfeln und Mandeln. Er soll im 15. Jahrhundert, zu Lebzeiten von Leonardo da Vinci als großem Liebhaber von Mandeln und kandierten Früchten, erfunden worden sein. Unter www.terroirdetouraine.fr (auch auf Englisch verfügbar) werden weitere Spezialitäten erklärt. Welche Geschäfte und Restaurants sie anbieten, kann man dort mittels einer interaktiven Karte ebenfalls einfach herausfinden.