Wermelskirchen: „Damit es einem besser geht“

Fit mit Vereinen : „Das Miteinander ist gut für die Psyche“

Der TuS Wermelskirchen hat mit dem Rehabilitationssport ein Angebot entwickelt, das eine Sonderstellung sichert.

In Sachen Rehabilitationssport hat sich der TuS 07 unter den Vereinen einen führenden Ruf erarbeitet. Für den Sportverein, der in Niederwermelskirchen seine Wurzeln hat, ist dieser Bereich auch eine wichtige Einnahmequelle, denn für die meisten Teilnehmer übernehmen deren Krankenkassen auf ärztliche Verordnung die Teilnahmekosten.

Diese Möglichkeit zu erschließen, das verdankt der TuS unter anderem Brigitta Walpuski, die sich über Jahre in die speziellen Anforderungen des Reha-Sports „hineingefuchst“ hat. „Ich habe einst Krankengymnastin gelernt, bin Sportlehrerin. Und inzwischen seit 1990 Übungsleiterin“, erzählt die 53-Jährige. Dazu kommen Ausbildungen und Lehrgänge beim Behindertensportbund Deutschland und beim nordrhein-westfälischen Landessportbund.

Unter anderem in den Bereichen COPD („Lunge“), Neurologie, Krebsnachsorge, Orthopädie und Diabetiker-Gymnastik bietet der TuS eigenständige Kurse an. Teilweise überschneiden sich die speziellen Anforderungen, die die Erkrankungen der Teilnehmer an das Angebot stellen.

Das weiß auch Brigitta Walpuski: „Die Zeiten einer Gruppe ausschließlich mit Parkinson-Erkrankten sind vorbei. So richtet sich die Neurologie-Gruppe auch an Menschen nach einem Schlaganfall, mit Multipler Sklerose oder Parkinson. Einst besuchte die an COPD erkrankte Erika F. (Name von der Redaktion geändert) die Lungen-Sportgruppe des TuS, heute die sogenannte Neurologie-Gruppe: „Ich bin seit dreieinhalb Jahren erkrankt und sehr froh, dass ich diesen Sport habe.“ Es ginge darum die richtige Körperhaltung zu wahren, nicht zu schnell zu atmen, ein wenig an der Leistung „zu spielen“, ohne sich zu überanstrengen. „Durch den regelmäßigen Sport haben sich meine Werte sogar verbesser“, ist die 74-Jährige überzeugt: „Ich richte meinen Zeitplan nach den Kursangeboten aus. Man macht das ja, damit es einem besser geht.“

Brigitta Walpuski beschreibt die Ziele: „Die Schulung des Ganges, die Stärkung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination.“ 120 Übungseinheiten bekämen die Patienten bei einer chronischen Erkrankung in der Regel „verschrieben“. Dazu gehöre eine Beochachtung der Entwicklung bei den Teilnehmern und zum Beispiel in der COPD-Gruppe eine Dokumentation der Werte der Teilnehmer: Puls und Sauerstoffgehalt würden bei jedem Termin gemessen und notiert, damit die behandelnden Ärzte davon erfahren. Nach einem Hirninfarkt (Schlaganfall) im März 2016 nimmt der 84-jährige Friedrich M. (Name von der Redaktion geändert) am Neurologie-Reha-Sport teil: „Bewegung ist ganz wichtig, ist das halbe Leben. Ich habe in der Klinik genug Elend gesehen, deshalb mache ich beim Reha-Sport gerne mit.“

Die Teilnehmer müssten dabei nichts, außer bei Bedarf Pause machen: „Wir sind bei Brigitta Walpuski in guten Händen, erzielen mit geringem Aufwand einen höchstmöglichen Effekt“, sagt er. Einig zeigen sich die Teilnehmer der Reha-Sport-Kurse in einem Punkt deutlich: „Der Austausch untereinander hilft im Umgang mit den Erkrankungen. Das Miteinander in den Kursen ist für die unsere Psyche gut.“ Die Übungsleiterin betont gut gelaunt ihren Leitsatz: „Lächeln und atmen.“ Sie zieht ein Bein mit gebeugtem Knie in die Höhe und ruft den Teilnehmern als Erläuterung der Übung zu: „Die Kniescheibe zeigt nach oben, und wir lassen das Knie in der Luft kreisen.“

Mit einem Lachen fügt Brigitta Walpuski im Gespräch mit unserer Redaktion zu: „Ich gebe den Teilnehmern immer Hausaufgaben auf, ich kontrolliere die allerdings nicht.“ Dieses Mal ist eine der Übungen, die die Teilnehmer zwischendurch einmal auch zu Hause absolvieren sollen: Beide Arme gleichzeitig kreisend über die Schulterhöhe zu schwingen und gleichzeitig in die Kniebeuge zu gehen.

Mehr von RP ONLINE