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Wermelskirchen: Bürger interessieren sich für das Konzept, das die Innenstadt stärken soll

Infoabend zum Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept : Bürger wollen Innenstadt mitgestalten

Zu einem Informationsabend über das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept hatten Stadt und Planungsbüro eingeladen. Dabei wurde vor allem deutlich: Die Bürger wollen mitreden.

Die Innenstadt soll sich in den nächsten zwölf Jahren verändern. Mehr als 20 Millionen Euro Fördergelder könnten dank des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts in die Stadt fließen. Seit dieser Woche gibt es für die Ideen der Stadt, der Akteure und des Planungsbüros entsprechende Pläne. Darüber wollten Stadt und das Planungsbüro ASS aus Düsseldorf mit den Bürgern ins Gespräch kommen. „Wir sind auf der Zielgeraden, aber wir wollen Anregungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge hören und aufnehmen“, betonte Bürgermeister Rainer Bleek. Die Wermelskirchener schienen Redebedarf zu haben: Rund 40 Interessierte kamen am Donnerstag zur Bürgerinformation in den Ratssaal.

Die Vorstellung begann mit den viel diskutierten und besprochenen Plänen für das Rhombus-Areal. Das Interesse der Bürger schien zurückhaltend. Ob das Projekt den anderen gegenüber Priorität habe, fragte ein Besucher. Und Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, erklärte: „Die Prioritätenliste muss der Stadtrat noch erstellen.“

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Deutlich mehr Diskussionsbedarf meldeten die Besucher beim Thema „Soziokulturelle Begegnungsstätten“ an. Milena Falkenburger vom Planungsbüro stellte die Ideen für Bürgerhäuser, Rathaus und Weyersbusch vor. Letzteres ließ vor allem Marco Lerch, Vorsitzender von Rollrausch, aufhören. Die Planungen sähen an der Stelle der alten Grundschule Ost Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche vor, hatte Milena Falkenburger erklärt. „Es kann doch nicht sein, dass wir einen Jugendfreizeitpark planen und im gleichen Programm ein Konkurrenzangebot schaffen“, beklagte Lerch und warnte: Minimalanlagen für Skater würden schlecht angenommen. „Da versenkt man Geld“, prognostizierte er. Man werde abwarten und sehen, ob sich nach der Verwirklichung des Jugendfreizeitparks eine Ergänzungsfläche in Weyersbusch anböte, lenkte Falkenburger ein. Sonst müsse man umdenken.

Nahtlos schloss die Diskussion an die Pläne für den Jugendfreizeitpark an: „Das erste Projekt, das beantragt und verwirklicht werden soll“, betonte Marner. Bodenbeläge wurden diskutiert und Möglichkeiten, damit auch Senioren am Rande des Parks aktiv werden können.

Die sollen aber vor allem im Hüpptal einen Platz für sich finden: Unter dem Motto „Bewegung für alle Generationen“ soll eine Freizeitfläche entstehen. „Ein Café dazu wäre schön“, wünschte sich eine Besucherin. Das rentiere sich wohl nicht, warf Hans-Joachim Hamerla vom Planungsbüro ein. Aber ein Foodtruck könne an schönen Tagen für Kuchen und Kaffee sorgen. Während Ursula Buhlmann anregte, für die Senioren an der Dhünner Straße einen erleichterten Zugang zu den Hüppanlagen zu schaffen, machte anderen vor allem der Wegfall der Toiletten Sorgen. Marner rechnete vor: Jede Toilettenanlage koste die Stadt im Jahr rund 80.000 Euro Unterhalt. Das sei schwer zu leisten. Zumal die Besucher immer wieder an die Stadt appellierten, auch die Konsequenzen ihrer Entscheidungen im Blick zu haben: „Die Pläne klingen alle toll, aber irgendwer muss das ja auch sauber halten“, betonte Christine Schuy.

Bleek räumte ein: In der Vergangenheit habe man sich zu wenig Gedanken über die Folgen gemacht. „Wir wollen das jetzt besser machen“, betonte er.

Gesprächsbedarf meldeten die Besucher auch beim Thema Innenstadt an. Man solle sich lieber darum kümmern, am Markt der „Betonwüste“ Leben zu verleihen, anstatt am Weihnachtsbaum den nächsten neuen Platz zu planen, regte ein Besucher an. Und: Wenn die Gassen in der Alt-Stadt erneuert würden, käme auch auf die Anwohner eine hohe finanzielle Belastung zu. „Wir müssen dazu gehört werden, bevor die Entscheidungen getroffen werden“, betonte Anwohnerin Sandra Pahl.

Diesen Appell wiederholten auch die Anwohner der Eich. Die hatten am Tag zuvor von den Quartiersplänen in ihren Gärten aus der Zeitung erfahren. Neun Einfamilienhäuser und 40 Wohneinheiten könnten an der Grenze zur Umgehungsstraße entstehen. „Ich will meine Fläche nicht verkaufen und ich möchte vielleicht selbst irgendwann bauen“, erklärte Werner Schuy, der mit Familie und Nachbarn zum Infoabend gekommen war. Habe er dann auch die Chance, dass die Flächen in Bauland umgewandelt würden oder sei das nur in Verbindung mit der Projektplanung möglich? Bleek konnte für Beruhigung sorgen: „Niemand muss verkaufen. Und wir werden nicht für die einen Bauland schaffen und für die anderen nicht.“