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Wermelskirchen: Bürger fordern Bescheinigung für Einkäufe

Einkaufsbeschränkungen : Begrenzte Möglichkeiten für Helfer

Viele Menschen möchten Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko helfen und ihnen Einkäufe abnehmen – das gestaltet sich jedoch angesichts der aktuellen Mengenbeschränkungen im Supermarkt schwierig.

Solidarität ist ein Wort, das im Zuge der Corona-Krise häufig fällt. Von vielen Seiten wird dazu aufgerufen, Einkäufe für ältere und vorerkrankte Menschen zu erledigen und damit deren Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Das Problem dabei: In vielen Supermärkten gibt es jetzt Mengenbeschränkungen – ein Einkauf für zwei Haushalte gleichzeitig ist somit oft schwierig.

Auch ein unserer Redaktion bekannter Leser, der anonym bleiben möchte, kauft derzeit für seine Eltern ein, die über 80 Jahre alt sind – das erfordere jedoch manchmal zwei oder drei Fahrten statt einer. „Man ist einerseits zu Solidarität angehalten, andererseits aber auch dazu, so wenig wie möglich das Haus zu verlassen – beides zusammen funktioniert nicht“, berichtet der Wermelskirchener. Er regt von der Stadtverwaltung ausgestellte Bescheinigungen an, die zum Einkauf von größeren Mengen berechtigen.

Auch die Initiative „Gemeinsam sind wir stark“ würde eine solche Bescheinigung begrüßen. Hier engagieren sich derzeit rund 30 ehrenamtliche Helfer, die für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko einkaufen gehen. „Ich war erst vor ein paar Tagen in genau dieser Situation, als ich für eine ältere Dame und mich eingekauft habe“, schildert Mahmut Egilmez, der die Initiative im März gegründet hat. „Eine Bescheinigung würde die Unterstützung der Risikogruppe einfacher machen.“

Die Wermelskirchener Stadtverwaltung stellt solche Bescheinigungen aktuell nicht aus. „Wir haben den Verkauf von Lebensmitteln nicht eingeschränkt, deswegen können wir die Einschränkung auch nicht durch Bescheinigungen lockern“, sagt Verwaltungsleiter Stefan Görnert. In manchen Städten sei die Verkaufsbeschränkung durch die jeweilige Verwaltung ausgesprochen werden, daher gebe es dort auch Bescheinigungen. „Wir haben eine solche von uns als Stadt auferlegte Beschränkung diskutiert und uns letztlich dagegen entschieden“, so Görnert weiter. Die Entscheidung müsse auf Kreisebene getroffen werden, damit sie in allen Kommunen einheitlich gelte.

Diese Aufgabe weist die Kreisverwaltung jedoch klar von sich. „Wir können im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes Menschen in Quarantäne versetzen – über Verkaufsbeschränkungen in einzelnen Kommunen bestimmen wir aber nicht“, sagt Kreissprecherin Birgit Bär. Die Zuständigkeit hierfür liege bei den lokalen Ordnungsbehörden. „Natürlich macht es Sinn, wenn sich die Kommunen abstimmen“, so Bär weiter. Dazu biete der Kreis eine Plattform zum Austausch, etwa in Form einer Telefonkonferenz, an.