Pläne in Wermelskirchen Bürger bringen Ideen für Hüpp-Park ein

Wermelskirchen · Fast 50 Wermelskirchener diskutierten mit als Stadtverwaltung und Landschaftsplaner am Samstag ihre Pläne für den Hüpp-Park vorstellten. Die Anregungen der Bürger fließen nun in den politischen Prozess ein.

 Landschaftsarchitekt Johannes Böttger (r.) führte die Teilnehmer der Ortsbegehung im strömenden Regen durch die Hüppanlage.

Landschaftsarchitekt Johannes Böttger (r.) führte die Teilnehmer der Ortsbegehung im strömenden Regen durch die Hüppanlage.

Foto: Theresa Demski

Karlheinz Holzendorf hat sich die Jacke etwas enger um die Schultern gezogen. „Natürlich interessiert es mich, was aus diesem Ort wird“, sagt er, „schließlich sind wir direkte Anwohner.“ Holzendorf wohnt mit seiner Familie an der Dhünner Straße. Am Samstag gehört er zur großen Gruppe der Bürger, die sich mit Vertretern von Verwaltung und Landschaftsplanung bei strömendem Regen auf den Weg durch die Hüppanlagen machen – um Eindrücke zu sammeln und über die Vorentwürfe zu diskutieren, für die eine Jury aller Fraktionen grünes Licht gegeben hat. „Ich möchte mich informieren“, sagt Holzendorf, „und ich möchte auch mitreden.“

Genau diese Möglichkeit will die Verwaltung den Bürgern an diesem Punkt des Planungsprozesses einräumen: Noch sei nichts in Stein gemeißelt, jede Perspektive sei wertvoll, sagt Marion Lück. Der Streit um die Situation am alten Freibad sei schmerzvoll gewesen, erinnert die Bürgermeisterin. „Auch für uns“, sagt sie, „wir wollten es nun besser machen.“ Und das bedeutet: Alle Bürger sollen mitreden dürfen. Die Resonanz ist gut: Rund 50 Bürger kommen zum Rundgang im Nieselregen am Morgen, fast alle bleiben zum Workshop im Bürgerzentrum. „Ich hätte mir gewünscht, dass auch mehr junge Leute hier sind“, sagt Lück. Der Altersdurchschnitt liegt aber eher bei 50 Jahren, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind Zuhause geblieben – bis auf die zwölfjährige Louisa Drexhage, die sich mit ihren Ideen einbringt.

 Bürgermeisterin Marion Lück und Technischer Beigeordneter Thomas Marner diskutierten am Rande des Workshops neue Ideen für den Park.

Bürgermeisterin Marion Lück und Technischer Beigeordneter Thomas Marner diskutierten am Rande des Workshops neue Ideen für den Park.

Foto: Theresa Demski

Mitreden ist schließlich ausdrücklich erwünscht. Das gilt schon für den Spaziergang, der am Spielplatz im Hüpp-Park beginnt. Landschaftsarchitekt Johannes Böttger von „urbanegestalt“ nimmt die Bürger mit auf einen Rundgang und versucht, Bilder zu malen – von Spielplatz und Brunnen, von einem neuen, offenen Zugang zum Park, von Anbindungen an die Stadt. Er erzählt von einem Park, der allen Generationen Erholung bieten will – Menschen mit Behinderung und ohne, Kindern, Erwachsenen und Senioren. Böttger hat kleine Wege vor Augen und einen Rundweg, der den Wald mit einbezieht.

Die Bürgerinnen und Bürger lassen sich mitnehmen – Martin Burghoff als Vertreter des Gymnasiums genauso wie Volker Ernst vom Geschichtsverein, Mitglieder von Parteien, Anwohner und Wermelskirchener, die einfach mitgestalten wollen. Was aus dem Gefallenen-Denkmal werde, fragt Claus Füllhase. „Dazu ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Böttger. Er persönlich empfinde den dichten Rhododendron um den Stein nicht als bereichernd für den Park. Ob man auch an die Wildtiere gedacht habe, fragt Louisa und denkt an die Rehe, die sich gelegentlich in die Hüppanlagen verirren. Wertvolle Biotope seien vor allem dort gefragt, wo man dem Wald nahe komme, sagt der Landschaftsarchitekt. Je näher die Hüppanlagen aber der Stadt kämen, desto stärker würden die Interessen der Menschen ins Gewicht fallen.

Bevor es Richtung Bürgerzentrum geht, appelliert Johannes Böttger noch an Institutionen und Privatleute. Ob Gymnasium oder evangelisches Gemeindehaus, ob Anwohner, benachbarte Institutionen oder die Sterngolfanlage: „Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihre Türen öffnen und Teil dieses Parks werden“, sagt er, „statt Zäune und Hecken zu bauen“. Zumindest Martin Burghoff, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums, reagiert prompt: Man sei sehr interessiert, sich einzubringen. Im Laufe des Vormittags werden die Ideen konkret: Es wäre doch schön, wenn am Gymnasium eine Streuobstwiese entstünde, auf der Abiturjahrgänge jedes Jahr einen neuen Baum pflanzen, sagt einer. Es sei ihm aber wichtig, dass der Baumbestand im Park erhalten bleibe, sagt ein anderer. Statt die Bewegungsplätze für Senioren und Kinder zu trennen, sei doch ein gemeinsamer „Spielplatz“ denkbar, schlägt jemand vor. Insektenhotels müssten installiert werden, wünscht sich ein Bürger. Beim Spielplatz müsse bitte auf die Barrierefreiheit geachtet werden, erinnert Petra Sprenger vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Ob der Untergrund der Spielfläche denn naturverträglich sei, gibt ein anderer zu bedenken.

„Wir dürfen bei allen Planungen die Pflege und die Nachhaltigkeit nicht aus den Augen verlieren“, sagt schließlich Volker Ernst am Rande des Workshops und erhält nickend Zustimmung von Martin Burghoff. Die Anlage müsse gepflegt und in Schuss gehalten werden. Probleme wie Sachbeschädigung müssten ein Ende haben. Die Stadt zählt bei diesem Thema auf die Bürger: „Jeder Bürger ist aufgerufen, mitzumachen“, sagt die Bürgermeisterin. Natürlich sei die Pflege der Anlage auch ein finanzielles Thema. Die positiven Signale aus der Runde der Bürger, die Initiativen und Einsatzmöglichkeiten ins Spiel bringen, um sich an der Pflege zu beteiligen, würden sie optimistisch stimmen.

Nach vier Stunden machen sich die Bürger wieder auf den Heimweg. „Wir werden sehen, was aus der Bürgerbeteiligung wird“, sagt Martin Burghoff, „das war aber ein vielversprechender Start.“