1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Buchhändler geben Lesetipps zu Weihnachten

Lieblingsgeschichten zum Weihnachtsfest : Es wird Weihnachten im Lesesessel

Warmer Kakao und eine gute Geschichte: Die heimischen Buchexperten verraten pünktlich zum Fest ihre liebsten Weihnachtsgeschichten – von Astrid Lindgren bis Charles Dickens.

Manchmal sind sie so lustig, dass die ganze Familie laut losprusten muss. Und manchmal wischen sich vor allem die Erwachsenen eine Träne aus dem Augenwinkel, weil sie so berührt sind. Weihnachtsgeschichten haben eine besondere Magie – vor allem dann, wenn sie von Generation zu Generation weiter erzählt werden.

Bei den heimischen Buchhändlern und Stadtbücherei-Leiterin Kathrin Ludwig liegen in diesen Tagen vor allem die Klassiker neben dem Lesesessel. Die Buchexperten verraten ihre Lieblingsgeschichte zum Fest.

Kathrin Ludwig liest „Hilfe die Herdmanns kommen!“. Seit 47 Jahren findet die Geschichte von Barbara Robinson den Weg in viele Herzen. „Sicher kein Geheimtipp“, sagt Kathrin Ludwig, „aber gefühlt tausend Mal vorgelesen und gehört und sozusagen Pflichtlektüre für Weihnachten“. Denn das Buch vermittle, worum es bei Weihnachten wirklich gehe. Es erzählt die Geschichte der sechs Herdmann-Kinder, die laut der Menschen im Ort die „schlimmsten Kinder aller Zeiten“ sind. Sie rauchen und klauen, mobben und stecken auch schon mal einen alten Geräteschuppen in Brand. Aber irgendwie haben sie es geschafft, beim Krippenspiel sämtliche Hauptrollen zu bekommen. Sicher wird es das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten. Vieles geht schief, aber die Herdmanns bringen die Weihnachtsgeschichte und ihre eigene Erfahrungswelt zusammen. Das Ende wird nicht verraten. Nur so viel: „Die Geschichte ist gleichermaßen witzig wie sentimental“, sagt Kathrin Ludwig, „Lachtränen und solche der Rührung wechseln einander ab.“ Die Geschichte eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab sechs und Selberlesen für Kinder ab acht. „Auch Erwachsene haben daran viel Spaß“, sagt die Leiterin der Stadtbücherei.

Gabriele van Wahden hat gleich ganz viele Lieblingsgeschichten zu Weihnachten. Ganz oben rangiert für die Buchhändlerin „Lotta kann fast alles“ von Astrid Lindgren. „Diese Geschichte berührt und beseelt mich“, sagt die Buchhändlerin. Das Bilderbuch erzählt von der kleinen Lotta, die Jüngste im Bunde der drei Geschwister. Eigentlich ist Lotta der Meinung, dass sie alles kann – nur glauben Mia Maria und Jonas ihrer kleinen Schwester nicht. Dann herrscht plötzlich kurz vor dem Fest eine Weihnachtsbaum-Not in der Stadt. Es sind keine Bäume mehr zu bekommen. Jetzt will Lotta beweisen, dass sie wirklich alles kann. Es beginnt eine abenteuerliche Reise mit Happy End. „Es rührt mich jedes Mal sehr an, wie dieses Mädchen dafür sorgt, dass die Familie einen Tannenbaum bekommt“, sagt Gabriele van Wahden. Das Bilderbuch habe viel Text und könne deswegen auch gut eine Pause überbrücken, bis es am Heiligabend weitergeht – mit der Bescherung, dem Essen oder den Weihnachtsliedern.

Bei Alexander Schuster von der Buchhandlung Marabu darf die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens von 1843 zum Fest nicht fehlen. „Die gehört einfach dazu“, sagt er, „viele Menschen sind mit der Geschichte aufgewachsen. Es ist der Klassiker unter den Klassikern.“ Es ist die Geschichte von Ebenezer Scrooge, einem harten und geizigen Geschäftsmann in London. Er begegnet am Vorabend des Weihnachtsfestes im Traum plötzlich den Geistern der Weihnacht – der vergangenen, der gegenwärtigen und zukünftigen. „Es ist die Lehre dieses Buches, die es so wertvoll macht“, sagt der Buchhändler, „Ebenezer Scrooge wird geläutert.“ Und gleichzeitig strahle die Geschichte von Dickens so viel Weihnachtsglitzer und -glanz aus, dass eine ganz besondere Atmosphäre entstehe. „Erst recht, wenn man auch den Film dazu schaut“, sagt Alexander Schuster, „dann wird plötzlich Weihnachten.“

Währenddessen setzt Janna Kassel von der Alpha Buchhandlung auf den echten Klassiker unter den Klassikern: die biblische Weihnachtsgeschichte – erzählt von Selma Lagerlöf mit dem Titel „Die Heilige Nacht“. „Bei uns liegt das Bilderbuch an den Weihnachtstagen immer griffbereit“, sagt die Buchhändlerin. Unzählige Male habe sie die Geschichte den Kindern vorgelesen, heute greife sie selbst noch oft danach. Es sind die vertrauten Motive der Weihnachtsgeschichte, die auf das Gespür der schwedischen Schriftstellerin treffen. „Sie hat eine besonders schöne Sprache“, sagt Janna Kassel, „und ganz verschiedene Künstler haben zu der Geschichte bereits Bilder gemalt.“ Sie führen in eine kalte Winternacht, in der ein Mann in der eisigen Kälte Feuerholz sammelt, denn seine Frau hat gerade ein Kind geboren. Er trifft auf einen mürrischen Hirten, der sein Holz nicht teilen will – bis der erkennt, welcher Zauber in dieser besonderen Nacht liegt.