Wermelskirchen: "Wermelskirchen" bleibt ein Jet-Name

Wermelskirchen : "Wermelskirchen" bleibt ein Jet-Name

Der Flugzeug-Name "Wermelskirchen" wird auch nach dem Ausscheiden des 2009 getauften Jets aus der Eurowings-Flotte bestehen bleiben. Welches Flugzeug den Namen von nun an tragen wird, ist aber noch offen.

Der Schreck war groß in Wermelskirchen. Weil das nach der Stadt benannte Flugzeug zu der Flotte der Lufthansa-Tochter Eurowings gehört, die durch größere Flieger ersetzt werden sollen, schien seit Mitte des Monats klar: Künftig gibt es keinen Wermelskirchen-Jet mehr am Himmel über Europa.

Am 9. Juni 2009 war der Jet vom Typ Bombardier CRJ900 in Düsseldorf auf den Namen "Wermelskirchen" getauft worden - und war damit seitdem als fliegender Botschafter der Stadt in ganz Europa unterwegs. Manfred Maus, Obi-Gründer und Ehrenbürger von Wermelskirchen, hatte sich seinerzeit für die Taufpatenschaft stark gemacht. Maus erinnert sich: "Ich bin schon früh sehr viel um die Welt geflogen, daher hatte ich recht gute Kontakte zur Lufthansa." Der damalige Konzernchef wollte seine Wahl-Heimatstadt und den Obi-Sitz mit der Taufpatenschaft unterstützen. "Die ganze Sache lief dann insgesamt recht flott ab, zwei oder drei Jahre gingen die Verhandlungen hin und her - denn natürlich musste auch der Bürgermeister zustimmen." Da war es sicherlich nicht verkehrt, dass mit Maus ein guter Kunde Fürsprecher bei der Fluggesellschaft war. Und so dauerte es nicht mehr lange bis zur großen Taufparty in Düsseldorf. Schade wäre es also, wenn die "Wermelskirchen" vom Himmel verschwinden würde.

Florian Gränzdörffer, Pressesprecher des Flugunternehmens mit dem Kranich-Logo kann jedoch Entwarnung geben: "Es ist richtig, dass sich die Eurowings-Flotte neu aufstellt und im Zuge dieser Umstrukturierung ab dem kommenden Jahr alle 23 Maschinen der CRJ900-Flotte durch größere Maschinen vom Typ Airbus A320 ersetzt werden. Die alten Maschinen werden verkauft, da sie ja noch völlig intakt und flugfähig sind." Dadurch solle der Plan der Lufthansa umgesetzt werden, mit Eurowings als Start-Plattform ein wettbewerbsfähiges europäisches Angebot für den Kontinentalverkehr zu entwickeln. Schließlich kann ein A320 nahezu die doppelte Zahl von Passagieren transportieren.

Da Taufpatenschaften mit der Lufthansa aber nicht an die Einsatzzeit des jeweilig getauften Flugzeugs gebunden seien, gelte hier der Grundsatz: einmal Lufthansa, immer Lufthansa. "Das heißt, wenn immer einmal ein Flugzeug aus der Flotte ausscheidet, bleibt die Patenschaft zur Stadt bestehen und geht auf ein anderes Flugzeug über." Dabei gebe es durchaus einmal sogenannte "blechlose Übergangszeiten", bis eine neue Maschine gefunden ist. Das wird wohl auch bei der "Wermelskirchen" der Fall sein: "Wie sich eine Übertragung auf ein neues Flugzeug verhält, ist derzeit noch nicht absehbar", sagt Gränzdörffer.

Die Taufpatenschaften der Lufthansa sind keine neue Erfindung: Bereits 1960 taufte der damalige regierende Bürgermeister Berlins, der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, erstmals ein Flugzeug auf den Namen einer deutschen Stadt. Seitdem wurden rund 300 Flugzeuge der Kranich-Flotte auf die Namen deutscher Städte und Gemeinden getauft, dazu kommen noch alle Bundesländer sowie einige ausländische Städte. Dabei sind Metropolen wie Tokyo oder Peking, aber etwa auch die kanadischen Gemeinden Gander und Halifax, wohin nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 viele umgeleitete Flüge ausweichen mussten. Die Namensgebung war ein Dank der Lufthansa für die unkomplizierte Gastfreundschaft, wie Gränzdörffer ausführt: "Der Flughafen in Halifax war nämlich für den damaligen Ansturm überhaupt nicht ausgelegt."

Auch wenn für den Wermelskirchen-Jet also noch kein Nachfolger feststeht, ist eines sicher: Das Stadtwappen und der Städtename werden schon bald wieder auf einem Flugzeugbauch prangen. Wenn es nach Manfred Maus ginge, sollte der einem Airbus gehören: "Das wäre schön, weil der Airbus ja ein europäisches Produkt ist."

(wow)
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