Wermelskirchen: Bienen geben auch Licht

100 Jahre Bienenzuchtverein Wermelskirchen : Bienen geben auch Licht

100 Jahre Bienenzuchtverein Wermelskirchen: Ein Gespräch über das gelbe Gold mit dem Vorsitzenden.

Bei dem Wort Bienen denkt jeder gleich an Honig, doch das ist nicht das einzige Produkt fleißigen Imker-Freunde. Das Bienenwachs war und ist ein begehrter Rohstoff für die Produktion von Salben, Lotionen, und Lippenstiften. Das Wachs wird bei der Biene über die körpereigenen Wachsdrüsen hergestellt. Gewonnen wird es von Imkern durch Einschmelzen des bei der Honigernte anfallenden Wabenmaterials. Die Redaktion sprach darüber im Jubiläumsjah des Wermelskirchener Bienenzuchtvereins mit dessen Vorsitzenden, Erhard Scheidler.

Herr Scheidler, Sie haben viele Jahre Erfahrung mit der Anwendung und Gewinnung von Bienenwachs. Wozu eignet es sich am besten?

Erhard Scheidler, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Wermelskirchen, arbeitet auch mit Bienenwachs. Foto: Scheidler

Erhard Scheidler Natürlich gieße ich aus meinen Wachsresten auch Kerzen für Freunde oder den Eigengebrauch. Allein der Duft von Bienenwachs ist etwas Wunderbares. Aber hier ist Vorsicht geboten. Ich habe mir vor Jahren heißes flüssiges Wachs über die Hand gegossen. Durch das Abkühlen unter dem Wasserstrahl wurde das Wachs fest und man konnte es anschließend mit samt der Haut abziehen. Das war nicht angenehm und endete im Krankenhaus. Eigentlich ist Wachs extrem hautverträglich und viel zu schade zum Verbrennen.

Das heißt aus Bienenwachs werden Salben hergestellt?

Scheidler Es gibt empfindliche Menschen die auf Bienenwachssalbe schwören, weil bei der Anwendung selten Probleme mit Rötungen oder Reizungen vorkommen. Für die eigene Herstellung empfiehlt sich Pflanzenöl und Bienenwachs in einem bestimmten Verhältnis zu vermischen. Doch mein persönlicher Favorit sind die Wärmepackungen aus Wachs.

Wozu eignen sich diese Wärmepackungen?

Scheidler Für viele Beschwerden, beispielsweise für die Entspannung von Gelenken oder für die Behandlung von Entzündungen. Auch als warmer Wickel auf die Brust ist Wachs ein altes Hausmittel. Durch eine ordentliche Wärmepackung aus Wachs bekommen sie auch noch jeden Muskel aufgelockert. Ich als Skifahrer weiß das besonders zu schätzen.

Kann man mit Wachs noch mehr anstellen?

Scheidler Menschen haben Wachs seit je her mit dem Honig gegessen. Zum Kauen ist besonders das Entdeckelungswachs der Honigwaben geeignet, da es auch Propolis (gilt als natürliches Antibiotika) enthält. Bei Entzündungen im Mund und Rachen oder den Nebenhöhlen hat das Kauen bei vielen Kranken schon Linderung verschafft.

Herr Scheidler, glaube sie, dass man mit Bienenwachs ein großes Geschäft machen kann?

Scheidler Nein, auf keinen Fall. Es bleibt ein Nischenprodukt. Da hätten sie 500 Jahre kommen müssen!

Seit wann wird Wachs genutzt?

Scheidler Im Mittelalter wurde Bienenwachs in erster Linie zur Kerzenherstellung verwendet, sie waren sehr geschätzt, da sie ohne lästigen Qualm und mit angenehmem Geruch verbrannten. Das gemeine Volk hingegen hatte Kerzen aus Hammeltalg oder Ziegenfett. Kerzenlicht war kostbar und wurde nur für die notwendigste Beleuchtung genutzt.

Und sonst?

Scheidler Der Bedarf an Kerzen aus Bienenwachs für die Zwecke der Kirche war immens. Dies ist auch mit ein Grund, warum in vielen mittelalterlichen Klöstern Imkereien zu finden waren. Die Schlosskirche zu Wittenberg verbrauchte zum Ende des 15. Jahrhunderts über 35.750 Pfund Bienenwachs bei 900 gelesenen Messen. An das in der Nähe von Höxter gelegene Kloster Corvey mussten 20 Bauern jährlich je 33,5 kg Bienenwachs abliefern.

Wo wurde früher Wachs noch eingesetzt?

Scheidler Nicht nur die sakrale Beleuchtung war ein großer Verbraucher, auch zum Verschließen von Flaschen, Krügen und Fässern wurde das gelbe Gold verwendet. Stoffe wurden mit Wachs wasserabstoßend gemacht, Fäden, Zwirn, Seile und Leder mit Wachs imprägniert, Briefe mit Wachs versiegelt. Selbst für die Mühlen wurde Wachs benötigt, dort diente es als Schmiermittel. Wen wundert es, dass auf Diebstahl von Wachs, Honig und Bienen hohe Strafen standen (Salisches Gesetz von 510). Heute sind die Strafen sicherlich nicht mehr so drastisch. Aber Vorsicht: Uns Imkern ist das Tragen einer Armbrust von Kaiser Karl IV. erlaubt worden (lacht).

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