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Wermelskirchen: Berührende Chansons und dazu ein gutes Glas Rotwein

Französische Musik im Haus Eifgen in Wermelskirchen : Berührende Chansons und dazu ein gutes Glas Rotwein

Die Gruppe „Moi et les autres“ begeisterte am Sonntagabend viele Frankreichfans im Eifgen.

(resa) Es ist eine Kunst. Der erste Ton, dann eine heitere Melodie auf dem Akkordeon, ein fröhliches Lachen auf roten Lippen, ein schwingendes Sommerkleid: Und schon vergisst der Zuhörer, wo er sitzt. Er führt sein Glas Wein zum Mund, schließt die Augen und verreist – an die Seine, zum Eiffelturm, ins Künstlerviertel über den Dächern der französischen Hauptstadt. Der Zauber der Musik wirkt mit dem ersten Takt. Das ist selten und deswegen ist es ein umso größeres Geschenk, das Juliette Brousset und das Ensemble „Moi et les autres“ dem Publikum im Haus Eifgen machen. Die französische Musikerin aus Mannheim und ihre Band, die viel mehr ist als nur ein musikalisches Gefolge, sind nicht zum ersten Mal im Haus Eifgen zu Gast. Sie haben hier ihr Publikum bereits verzaubert, Juliette Brousset hat hier schon mit diesem schönen, klingenden Akzent das eckige Wort „Wermelskirchen“ in den Raum gerufen.

Wohl auch deswegen wirkt es am Sonntagabend manchmal so, als würden sich hier Freunde treffen. Viele Mitglieder des Partnerschaftsvereins sind gekommen und wiegen sich zu den sanften Chanson-Melodien, lassen sich ein Glas dunklen Rotwein schmecken und schmunzeln zuweilen über die Textzeilen, die anderen Zuhörer verschlossen bleiben. Manchmal raunen sie wissend, wenn die Sängerin von französischen Filmen und Pariser Phänomenen erzählt. Aber auch jene Zuhörer, die Stammgäste im Haus Eifgen sind und mit französischen Zeilen vielleicht weniger Lebensgeschichte verbinden, können mit „Moi et les autres“ schwingen und flanieren. Denn die Sängerin und die vier Musiker machen Musik fühlbar.

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Das gilt für die vielen eigenen Stücke, die an diesem Abend auf dem Programm stehen – für Lieder, die der ausgesprochen talentierte Gitarrist David Heintz der Gruppe auf den Leib geschrieben hat, für Stücke von Akkordeonspieler Eric Dann, die er seinen Kindern widmet und von Liedern der Sängerin selbst. Aber das gilt auch für jene Chansons, die aus der Feder anderer, großer französischer Musiker stammen. „Moi et les autres“ – was so viel bedeutet wie „Ich und die anderen“ – verwandeln die Lieder in Magie. Sie witzeln und lachen, sie ziehen die Stecker aus ihren Instrumenten – Bio-Chanson nennen sie ihre Musik dann – und tänzeln ohne elektrische Unterstützung durch das Publikum.

Sie werden mal flotter und lauter, dann spüren die Zuschauer den Rhythmus des Schlagzeugs von Simon Tobias Ostheim bis in die Knochen und dann wieder klingen sie romantisch und nachdenklich, mit dem tiefen Summen, das Bassist Andreas Büschelberger durch den Raum schickt. Und sie schonen das Publikum nicht: Denn auch dieses Mal stimmt Juliette Brousset ihr Stück „Sel“ an. Salz. Schon 2018 erklärte die Sängerin: „Solange Menschen im Mittelmeer ertrinken, singen wir dieses Lied.“ Zwei Jahre später singt sie es wieder. Doch die Zuhörer wollen nur träumen.