Wermelskirchen: "Bergische Hörner" - Thorsten Steinhaus kehrt zurück.

Bläsergruppe „Bergische Hörner“ : Ein Horn, keine Ventile und fünf Töne

Die Bläsergruppe „Bergische Hörner“ hat einen neuen musikalischen Leiter: Thorsten Steinhaus kehrt zurück.

„Und auf, bitte!“ Thorsten Steinhaus blickt in die Runde. Und die kommt in Bewegung. Die Jagdhornbläser beziehen Aufstellung, führen die Instrumente zum Mund und die linke Hand in die Hüfte. Dann gibt es das Zeichen zum Start und laute Hornklänge füllen den großen Probenraum hinter der Gaststätte Centrale. Das Ständchen, das die Bläsergruppe anstimmt, entpuppt sich schnell als vielstimmiger Hinhörer. Echo und Glockenklang: Die 16 Musiker zwischen 13 und 82 Jahren holen alles aus ihren Hörnern raus.

„Das Horn ist das Handy des Jägers“, wird Thorsten Steinhaus später erklären. Denn jede Melodie ist ein Signal, eine Art Jägercode. Mit ihnen beginnt und endet die Jagd und jedes einzelne Tier der Strecke wird schließlich mit einem Signal gewürdigt. „Unsere Musik hat sogar rechtliche Bedeutung“, sagt Hans Bohle, der eines der großen Parforcehörner spielt. Denn wer die wichtigen Signaltöne ignoriert und sich nicht an ihre Botschaft hält, der kann belangt werden. Deswegen gehören die Hauptsignale der Jagdhornbläser auch zur Ausbildung eines Jägers. Alle verstehen sie also, aber die wenigsten können sie auch blasen. Dafür gibt es beim Hegering in Wermelskirchen und der Kreisjägerschaft Remscheid die Bläsergruppe „Bergische Hörner“. Thorsten Steinhaus hat im Oktober nach einer zehnjährigen Pause wieder die musikalische Leitung übernommen. Montagsabends wird geprobt.

 „Es gibt keine Ventile an den Hörnern“, erklärt Steinhaus die besondere Herausforderung und führt eines der kleinen Jagdhörner vor. Fünf Töne schaffen geübte Musiker auf dem Horn – gesteuert lediglich durch die eigene Luft. Die größeren Parforcehörner ermöglichen bis zu 25 Töne. „Aber auch nur, wenn ich einen richtig guten Tag habe“, sagt Steinhaus. Gemeinsam allerdings schafft die Bläsergruppe unzählige Töne und Melodien, Signale und Klänge. Die meisten der Bläser sind auch Jäger. „Aber es geht auch um Brauchtum und Tradition“, erklären die Mitglieder. Und um Respekt: Denn mit den Signalen würden sie den Tieren eben auch eine Würdigung verschaffen, sagt Obmann Ralf Zulauf.

Viele der Jagdhornbläser treten in die Spuren ihrer Eltern. Gerade setzen sie zum nächsten Signal an, Thorsten Steinhaus gibt noch Tipps zur Haltung, um genug Luft zur Verfügung zu haben. Und Dackeldame Ronja, die untrennbar zur Gruppe gehört, saust zwischen den Füßen umher und bereichert den Klang zuweilen mit einem entschiedenen Bellen. „Das Gänsehautgefühl, wenn wir alle zusammenspielen, ist für uns auch nach den vielen Jahren geblieben“, sagen die Musiker. Vor allem wenn sie im November die Messe im Altenberger Dom bereichern, spüren sie diesen Schauder des besonderen Klangs.

Für Thorsten Steinhaus waren Brauchtum und Tradition der Jäger fremd, als 1996 bei dem Musiker das Telefon klingelte und er um Unterstützung gebeten wurde. Damals hatten die Jungjäger zuerst in eigener Regie versucht, sich die Hornklänge beizubringen, bevor sie den versierten Musiker um Hilfe baten. Der reagierte erst zurückhaltend, sprang dann ein und entdeckte: „Die Kunst ist, aus dem Wenigen, was einem das Naturhorn bietet, viel zu machen“. Elf Jahre blieb er, machte dann eine Pause und kehrte im Oktober zurück – nachdem er erneut um Unterstützung gebeten worden war.

Nein, den Jagdschein habe er nicht, sagt er. Aber er bewundere es, wenn die Bläser einen umgeknickten Grashalm sähen und ohne weiteres wüssten, welches Tier unterwegs gewesen sei. Und: „Wir spielen auch mal fünfstimmig“, sagt er, „das macht Spaß.“ Inzwischen bläst das große Ensemble vor allem zu Veranstaltungen der Kreisjägerschaften Rhein-Berg und Remscheid und des Hegerings, zu privaten Feiern, zu Hubertusmessen und großen Festen. Zur Jagd sind dann einzelne Hornbläser im Einsatz.

Nach rund einer Stunde spüren die Jagdhornbläser die Probe in den Lippen und den Muskeln. Steinhaus ist zufrieden: „Und ab, danke!“