Wermelskirchen: Bei der Europawahl werden die grünen die zweitstärkste Kraft

Europawahl in Wermelskirchen : Grüne werden zweitstärkste Kraft

Die Überraschung: Bei der Europawahl avancieren die Grünen zur zweitstärksten Partei. Große Verliererin ist die SPD. Die Wahlbeteiligung ist mit 65,51 Prozent deutlich höher als beim letzten Mal. Lokalpolitiker bewerten das Ergebnis.

Der Wahlvorstand im Wahllokal „Werkstatt Lebenshilfe“ war bei der Auszählung besonders schnell. Um 18.35 Uhr war das Ergebnis der Stimmenauszählung bereits online. Damit lieferte es einen ersten Eindruck vom Wahlverhalten zur Europawahl 2019: Wermelskirchen wird „grüner“. Im Verlaufe des Abends sollte sich dieser Trend bestätigen, vor allem dass die Grünen die meisten Stimmenzuwächse erzielten. Sie sind die Gewinner, was Wahlprognosen zwar vorher ergaben, was viele aber in dieser Deutlichkeit wohl nicht erwartet hatten.

Stärkste Kraft bleibt in Wermelskirchen die CDU mit 31,62 Prozent (vorläufiges Endergebnis). Die SPD sackt auf 14,84 Prozent ab. Den Sprung auf 23,99 Prozent schaffen die Grünen. 8,55 Prozent erzielt die FDP. Die AfD hat 7,79 Prozent erreicht, die Linke 3,34. Nicht klar war am Wahlsonntag, ob CDU-Kandidat Uwe Pakendorf den Sprung ins Europaparlament schafft.

„Nach derzeitigen Stand leider eher nicht“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Klicki. Insgesamt sei die CDU bei der Europawahl mit einem blauen Auge davongekommen, wobei erfreulich sei, „dass wir in Wermelskirchen mit unserem Ergebnis über dem Bundesdurchschnitt liegen“, so Klicki. Auf Kreisebene haben sich CDU und Grüne ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Mit über 30 Prozent sei die CDU noch eine Volkspartei, aber „bei Kommunal- und Bundestagswahl sollten doch 35 bis 40 Prozent drin sein“. Allerdings müsse man den Menschen mehr auf Augenhöhe begegnen, sie mit ihren Sorgen ernst nehmen, kritisiert Klicki auch seine eigene Partei. Themen und Ziele müssten klarer und verständlicher vermittelt werden.

„Ein tolles Ergebnis, aber ich bleibe auf dem Teppich“, sagte Stefan Janosi, Fraktionsvorsitzender der Grünen, auf die Frage, ob er angesichts dieses guten Abschneidens einen Luftsprung gemacht hätte. Erwartet hatte er zwischen 15 und 20 Prozent, das tatsächliche liege deutlich darüber. „Weil wir die richtigen Themen wie Klima- und Umweltschutz und Mobilität ansprechen und eine Politik der Zukunft machen“, sagte Janosi. Das Wahlergebnis gebe Rückenwind für die Kommunalpolitik. „Wir werden unsere Anträge mit mehr Nachdruck nach vorne bringen, stärker interkommunal zusammenarbeiten und uns weiter um den Partei-Nachwuchs kümmern“, kündigte er an.

„Die Entwicklung war zu erwarten, daher war der Schock nicht so groß“, kommentierte SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein das miserable Abschneiden seiner Partei. „Unsere traditionelle Wählerschaft gibt der SPD nicht mehr ihre Stimme.“ Bilstein führt dies auch auf innerparteiliche Konflikte zurück, man sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt. „Das musste zwangsläufig Folgen für die Europawahl haben“, bedauert Bilstein. Dabei hätte die SPD in der Groko gute Arbeit geleistet. Die SPD in Wermelskirchen werde sich nicht irritieren lassen. Auf Bundesebene müsse sich die Partei inhaltlich und personell besser entwickeln. Er sei jedoch froh, dass die Grünen die Profiteure der Wahlen sind, nicht die Rechten.

„Wir unterscheiden uns deutlich vom Bundesdurchschnitt – im positiven Sinne“, verglich FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Manderla die Bundeszaheln (5,5 Prozent) mit dem Wermelskirchener Ergebnis von 8,5 Prozent. Er sei nicht so sehr enttäuscht, wolle nichts schön reden. „Wir werden uns fragen müssen, woran es gelegen hat“. Am Montag werde im Kreisvorstand darüber Klartext gesprochen. Dass die Pro-Europäer die klare Mehrheit unter den Wählern ausmachen, beruhige ihn.

Eher nüchtern betrachtet Hans-Joachim Lietzmann, Sprecher der AfD in Wermelskirchen, das Ergebnis seiner Partei von 7,79 Prozent. Gerechnet hatte er mit 12 bis 15 Prozent. Dass deutlich weniger Menschen in Wermelskirchen und auch im Rheinisch-Bergischen Kreis die AfD wählten, hänge auch mit den derzeit dominierenden Themen Klima- und Umweltschutz zusammen.

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