Bergisches Berufskolleg in Wermelskirchen Bei der Energiewende sind alle gefragt

Wermelskirchen · Die bundesweite Bildungsveranstaltung „Energievision 2050 – Unser Klima. Meine Energie. Deine Zukunft“ war am Dienstag zu Gast am bergischen Berufskolleg in Wermelskirchen.

Beim Quiz in der vollen Aula des bergischen Berufskollegs waren alle Schüler gefragt. Bei falschen Antworten wurde sich hingesetzt.

Beim Quiz in der vollen Aula des bergischen Berufskollegs waren alle Schüler gefragt. Bei falschen Antworten wurde sich hingesetzt.

Foto: Frihtjof Bublitz

Seit Tagen ziehen ungewöhnlich heftige Unwetter über Süddeutschland hinweg. In der Gemeinde Bad Bayersoien kam es zu massiven Hagelstürmen, die 80 Prozent der Gebäude im Ort schwer beschädigten. Auch in der Zentral- und Ostschweiz sorgen derzeit heftige Niederschläge mit Regen und Schnee sowie sinkende Temperaturen für Überflutungen in den Tälern und zu gesperrten Straßen und Alpenpässen. Daran ist nicht allein der Klimawandel schuld, aber er spielt dabei eine gewichtige Rolle. Daher ist es wichtig, dass sich etwas ändert.

Und da hakt die bundesweite Bildungsveranstaltung „Energievision 2050 – Unser Klima. Meine Energie. Deine Zukunft“ ein, die für drei Jahre durch die weiterführenden Schulen in Deutschland tourt. Die Kampagne wird an etwa 2000 Schulen Station machen und so etwa 500.000 Schüler erreichen. Am Dienstag war das „Multivision“-Team mit den Referenten Theresa Deeg und Jonas Nichell zu Gast am bergischen Berufskolleg in Wermelskirchen – auch dank der finanziellen Unterstützung durch den Lions Club Wermelskirchen-Wipperfürth, der Volksbank Berg und dem Förderverein der Schule.

„Wir haben eine Mail an die Schule bekommen“, sagte Cathrin Hans, die stellvertretende Schulleiterin des Berufskollegs: „Ich fand das sehr interessant und dachte, dass sollten wir einmal ausprobieren.“ Nachdem die Themen Klima, Energie und Nachhaltigkeit im Unterricht bearbeitet worden sind, waren nun die Referenten von „Multivision“ an der Reihe. Und das Interesse war groß, denn die Aula war voll, und einige Zuhörer saßen sogar auf Stühlen im Gang. Jonas Nichell stellte klar, dass es bei der „Energievision 2050“ darum geht, die Menschen mitzunehmen und sich die Fragen zu stellen: Wo soll es hingehen? Wie wollen wir leben? Außerdem müssten den Menschen die Ängste genommen sowie Lösungen gefunden werden.

Theresa Deeg und Jonas Nichell waren die „Multivision“-Referenten bei dem Thema „Energievision 2050“ am Berufskolleg.

Theresa Deeg und Jonas Nichell waren die „Multivision“-Referenten bei dem Thema „Energievision 2050“ am Berufskolleg.

Foto: Frihtjof Bublitz

„Wir wollen durch das Projekt ‚Energievision 2050‘ der Sache mehr Gehör verschaffen. Wir haben das Gefühl, dass sehr viel Frust und sehr viel Fehlinformationen vorhanden sind“, sagte Theresa Deeg im Gespräch mit unserer Redaktion: „An den Schulen herrscht oft ein Wissensstand von vor zehn Jahren. Wir wollen die Schüler auf den aktuellen Stand bringen und ihnen zeigen, dass wir viel weiter sind, viel mehr Ideen und Möglichkeiten haben. Dadurch verschwindet auch hoffentlich ein wenig die Angst. “

Nach der Einführung folgte ein Quiz, bei dem Fragen rund ums Klima zu beantworten waren. Es ging unter anderem um Energieträger, Pkw-Nutzung, Treibhausgase, Reduzierung von Emissionen, erneuerbare Energien, Erhöhung der Durchschnittstemperatur, die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit und die Sorgen der Menschen. Durch das Quiz war ein Großteil der Schüler schnell bei der Sache. Mit einem Film, der eine Stadt im Jahr 2045 zeigte, sollten die Anwesenden sehen, wie eine klimaneutrale Stadt nur mit E-Mobilität, Fotovoltaik und Wärmepumpen aussehen kann.

„Sehr utopisch, aber vielleicht gar nicht so unrealistisch“, sagte eine Schülerin nach dem Film: „Wichtig ist die Adaption des eigenen Lebensstils.“ Und so startete die Diskussion, in der es sich um den Abbau der Rohstoffe, die Energiewende und Angst vor Veränderungen drehte. „Prozesse fangen immer mit viel Widerstand an, aber dann kommen sie – und einige Zeit später redet keiner mehr davon“, meinte Jonas Nichell, der als Beispiel das Rauchverbot in Zügen und Bussen anführte.

Es wurde nun munter diskutiert: über die Finanzierung der Energiewende, das Autos aus den Städten verbannt werden müssen, den ökologischen Fußabdruck, was die Politik und die Industrie ändern müssen, das Lieferkettengesetz, die Ernährung und die „Letzte Generation“.

„Alle müssen gemeinschaftlich in die Richtung gehen, die funktioniert“, meinte Theresa Deeg. Und Jonas Nichell ergänzte: „Wir in Europa sind in der Verantwortung voranzugehen, weil wir lange Zeit für die meisten Emissionen gesorgt haben.“ Klar stellten die beiden Referenten, dass jeder etwas tun kann und muss, damit es mit dem Klimawandel klappen kann. Nach fast 90 Minuten war die kurzweilige Veranstaltung vorbei – und Cathrin Hans meinte: „Das war eine gute Sache.“

Insgesamt sechs Mal mussten die beiden Referenten am vergangenen Montag und Dienstag ihre Ausführungen im Wermelskirchener Berufskolleg präsentieren – übrigens ist die Aktion am Mittwoch dann am bergischen Berufskolleg in Wipperfürth zu Gast.

„Wenn ich einen Menschen im Raum erreicht habe, der dann weniger Angst hat, dann ist das schön“, sagte Theresa Deeg: „Wir wollen zeigen, dass es einen Weg gibt, dass etwas passiert und wir alle gefragt sind, hinzugucken und mitzugestalten.“

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