Brückensanierung in Wermelskirchen Umleitung um Hünger bleibt bestehen

Wermelskirchen · Die Reaktionen bei der Bürgerinformation mit rund 160 Interessierten zur Sanierung der Autobahnbrücke zeigen Unverständnis, Ernüchterung und leises Lob.

Die Bewehrungsarbeiten zur Ausbetonierung auf einer Brückenseite sind erfolgt. Der Fußgänger- und Radweg (vorne / l.) soll beleuchtet werden.

Die Bewehrungsarbeiten zur Ausbetonierung auf einer Brückenseite sind erfolgt. Der Fußgänger- und Radweg (vorne / l.) soll beleuchtet werden.

Foto: Guido Radtke

Als Bewohner im Wermelskirchener Westen findet Heinz Köhler im Bürgerzentrum harsche Worte: „Warum gibt es keine Zwei-Schicht-Baustelle ? Warum wird nicht Tag und Nacht gearbeitet ? Für diese Baustelle wird eine Zeit gebraucht, das ist völlig unverständlich.“ Köhler ist einer der rund 160 Interessierten, die für eine große Resonanz bei der Bürgerinformation zur Baustelle an der Autobahnbrücke in Hünger, die die L 157 über die A 1 führt, sorgen. Eingeladen hatte die Autobahn GmbH als Bauherr der Brückensanierung in Kooperation mit der Stadt Wermelskirchen. Der Tenor der Menschen schwankt dabei zwischen anhaltendem Unverständnis, Ernüchterung und leisem Lob.

Vor allem geht es um eine Ampelanlage, die die Anwesenden fordern, damit eine Verkehrsführung durch die Baustelle in beide Fahrtrichtung ermöglicht wird und die leidige Umleitungsstrecke nicht mehr nötig ist. „Eine Ampelanlage ist die einzige sinnvolle Lösung“, betont Heinz Köhler seine Sicht der Dinge und setzt in Richtung der anwesenden Autobahn GmbH-Vertreter heftig nach: „Dass Bürger pro Monat 250 Kilometer mehr fahren müssen, weil sie der Umleitung folgen müssen, interessiert sie gar nicht. Stattdessen stehen zwei Hansels auf der Baustelle herum und spielen mit irgendwelchem Eisen – der staatliche Verein pennt da herum.“

Nicht ganz so drastisch drückt sich Ralf Goos aus, der in Sellscheid lebt. Dennoch hat auch er eine Ampelanlage für die Dauer der Baustelle im Blick: „Induktionsschleifen bieten doch die Möglichkeit, dass eine solche Ampel auf Bedarf schaltet.“ Goos erinnert an die Zeit im vergangenen Herbst als die Baustelle ruhte: „Fast vier Monate wurden gebraucht, damit wieder Bauarbeiter kommen und es weitergeht – das finde ich schwach, das kann besser funktionieren.“

Etwa 160 Interessierte fanden sich im Bürgerzentrum ein und sorgten so für eine große Resonanz bei dem Informationsabend.

Etwa 160 Interessierte fanden sich im Bürgerzentrum ein und sorgten so für eine große Resonanz bei dem Informationsabend.

Foto: Stephan Singer

Für die Außenstelle Köln der Niederlassung Rheinland der Autobahn GmbH informieren Andreas Zenz, Geschäftsbereichsleiter Bau und Erhaltung, sowie Georg Hruschka, Teamleiter Verkehrssicherheit im Geschäftsbereich Betrieb und Verkehr. Die beiden Autobahn GmbH-Vertreter erläutern, warum eine Ampelanlage nicht installiert werden kann und argumentieren im Wesentlichen mit den Umlaufzeiten und dem Problem, dass ein Rückstau vor einer roten Ampel bis auf die Autobahn reichen könnte.

„In Spitzenzeiten mit dem höchsten Verkehrsaufkommen am Tag sind Rückstau-Lagen nicht mehr beherrschbar. Wir können keinen Unfall an einem Stau-Ende provozieren“, betont Andreas Zenz und erläutert: „Als Autobahn GmbH sehen wir eine solche Baustelle immer von der Autobahn aus.“ Außerdem müsste selbst die Tankstelle in der Nachbarschaft der Brückenbaustelle in eine Lichtsignal-Anlage einbezogen werden. Diese zahlreichen Verkehrsbeziehungen, die eine Ampel an der Baustelle regeln müsste, führten zu Umlaufzeiten (Je höher die Umlaufzeit, desto höher die Wartezeiten für die Verkehrsteilnehmer) von mehr als 400 Sekunden. „Die bundesweiten Richtlinien schreiben jedoch 90 bis 120 Sekunden vor, an Engstellen in Ausnahmefällen bis 300 Sekunden“, stellten die Autobahn GmbH-Vertreter dar.

 Andreas Zenz (l.) und Georg Hruschka von der Autobahn GmbH erläuterten die Sicht als Vertreter des Bauherrn.   Fotos: Singer

Andreas Zenz (l.) und Georg Hruschka von der Autobahn GmbH erläuterten die Sicht als Vertreter des Bauherrn. Fotos: Singer

Foto: Stephan Singer

Auch dem erneut aus den Reihen der Bürger vorgebrachten Vorschlag, die Autobahnraststätte als „Abfahrt“ zu nutzen, um besagte Ampellösung zu entlasten, erteilten Zenz und Georg Hroschka eine Absage: „Die Rastanlage dient dem reisenden Verkehr, hat ein Motel. Und dort stehen viele Lkw, deren Fahrer die Ruhezeiten einhalten. Da gehören keine 350 Fahrzeuge hin, die in Spitzentageszeiten Wermelskirchen erreichen wollen – und das erwarten Reisende an einer Raststätte auch nicht.“

Obendrein dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass der Betriebsweg, der für eine „Abfahrt“ befahren werden müsste, mit „Durchfahrt verboten“ versehen sei, sagte Andreas Zenz: „Das können wir nicht freigeben. Es gibt Menschen, die das als ‚Abfahrt‘ nutzen, es ist aber nicht zulässig.“ Georg Hruschka ergänzte, dass die „Abfahrt“ nach Wermelskirchen über die Raststätte gar nicht für die Traglast von Schwerlastverkehr zugelassen ist.

Die Autobahn GmbH-Vertreter gestanden ein, dass die Arbeiten zur Sanierung der Gewölbebrücke – wobei ein Bauwerk in ein vorhandenes Bauwerk gesetzt wird, wie Georg Hruschka beschreibt – im August 2022 eingestellt und Ende November wieder aufgenommen wurden: „Beim Freilegen des Gewölbes hat sich ergeben, dass das Gewölbe höher ist, als die Bestandsunterlagen hatten vermuten lassen.“ Deshalb habe eine Umplanung und neue statische Berechnung erfolgen müssen, um die Straße eben über die auf die Brücke aufzubringende Betonplatte als Träger der neuen Fahrbahn zu führen.

Im Ergebnis kann laut Autobahn GmbH der jetzige Zustand für die Dauer der Brückenbaustelle nicht verändert werden. Aber eine Beleuchtung des provisorischen Fußgänger- und Radweges durch die Baustelle soll eingerichtet werden, kündigen die Verantwortlichen von Bauträger und Stadtverwaltung an. Über Lob kann sich die Autobahn GmbH auch freuen, denn viele der Anwesenden meinen: „Gut, dass endlich mit uns geredet wurde.“