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Wermelskirchen: Bäume kappen Stromleitungen und schalten Ampeln aus

Wermelskirchen : Dauereinsatz im Orkantief "Friederike"

Der Sturm knickte Bäume um, die Straßen versperrten, er sorgte in einigen Ortschaften für Stromausfälle. Die Polizei sperrte die Telegrafenstraße, weil ein Werbeschild abzustürzen drohte. Schulen behielten ihre Schüler im Gebäude.

Das Sturmtief "Friederike" fegte über Wermelskirchen hinweg und richtete einige Schäden an. Feuerwehr und Polizei waren pausenlos im Einsatz. Wer konnte, blieb zu Hause, denn Gefahr drohte durch herumwirbelnde Äste und Gegenstände. Umgestürzte Bäume sorgten auf Straßen für Barrieren. Einige Schulen schickten die Kinder nach Hause, andere behielten sie in den Gebäuden, bis der Sturm vorüber war. In Wermelskirchen gab es mehrere örtliche Stromausfälle - am Schlimmsten erwischte es Eipringhausen. Im Stadtgebiet gab es keine Verletzten.

Die Telegrafenstraße riegelte die Polizei um 11 Uhr mit Pylonen ab, weil ein mehrteiliges Werbeschild über dem Eingang der Telegrafenpassage abzustürzen drohte. Es flatterte bedrohlich im Sturm. Wer in dem "Windkanal" stand, musste sich gegen die Böen stemmen und bekam teilweise kaum Luft.

Auch den Bürgersteig sperrte die Feuerwehr im Bereich der Passage aus Sicherheitsgründen mit Flatterband ab - nicht jeder Passant hielt sich daran. Auf der Drehleiter entfernten die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die Schutzhelme trugen, das obere Element der Werbung, der Strom wurde abgestellt. "Wir informieren den Hausmeister des Gebäudes. Er soll eine Fachfirma beauftragen, die Schilder zu entfernen", sagte Ingo Müller, stellvertretender Stadtbrandmeister, am Einsatzort.

In der Preyersmühle waren nach Angaben der Polizei Bäume auf die die Straße gestürzt, sie wurde gesperrt. Ebenso war auf der Remscheider Straße in Nähe der Autobahnbrücke kein Durchkommen mehr. "Ich habe hier 80 Einsätze auf meinem Bildschirm", sagte Richard Barz von der Kreispolizeibehörde um 11.45 Uhr. Um 15.30 Uhr waren es 150 Einsätze und 20 Unfälle.

Die Feuerwehr fuhr gestern 49 Einsätze im Stadtgebiet. "Alle Löschzüge sind alarmiert, alle Einheiten in Bereitschaft", sagte Feuerwehrchef Holger Stubenrauch, als sich der Sturm etwas gelegt hatte. Alle Einsätze in Wermelskirchen wurden von der hiesigen Leitstelle koordiniert. Neben der Preyersmühle war die Kreisstraße im Bereich Finkenholl wegen umgestürzter Bäume komplett bis zum späten Mittag gesperrt. Das THW Wermelskirchen kümmerte sich um die Beseitigung der Bäume.

Auto- und Lkw-Fahrer mussten besondere Vorsicht walten lassen und Vorfahrtsregeln beachten. Denn einige Ampeln waren ausgefallen - wie etwa an der Kreuzung Schwanen, an der Eich und an der B 51. Der Parkplatz Stadt-Karre war ab 12.25 Uhr nicht mehr zu befahren, weil sich die Höhenbegrenzung an der Schranke Brückenweg im Sturm gelockert hatte.

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Aus Sicherheitsgründen orderte Betriebshofleiter Volker Niemz seine Mitarbeiter im Außendienst zurück, die am Morgen noch Sinkkästen gereinigt und Bäume im Bereich des Autobahnanschlusses gestutzt hatten.

Auch wer zuhause blieb, hatte es nicht unbedingt angenehm. Denn die BEW berichtete von 15 bis 20 kleineren Störungen sowie vier größeren Vorfällen. In Wermelskirchen waren neben Eipringhausen auch Haarhausen, Kolfhausen, Buchholzen und das Gewerbegebiet Ost zeitweise nicht mehr am Netz. "Oft konnten wir die Stromversorgung durch Umschaltmaßnahmen wieder herstellen", sagte BEW-Geschäftsführer Jens Langner. Ursache waren umgestürzte Bäume, die in den Stromleitungen hingen und teilweise sogar zu gerissenen Kabeln führten.

Um die Sicherheit der Schüler waren die Schulleitungen besorgt. "Die Schüler bleiben in der Pause in den Gebäuden, wir behalten sie bis 14 Uhr hier", sagte Elvira Persian, stellvertretende Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums. Die Realschule entließ ihre Schüler nach der dritten Stunde, "wer wollte, konnte auch in der Schule bleiben", sagte Schulleiterin Birgit Sköries. Doch die meisten Neunt- und Zehntklässler gingen nach Hause.

Anders sah es in Grundschulen aus. "Wir dürfen die Kinder grundsätzlich bei besonderen Wetterlagen nicht nach Hause schicken", erklärte Katrin Wagner, Rektorin der Schwanenschule. Es stand den Eltern in Anbetracht der Sturmwarnung jedoch frei, ihre Kinder erst gar nicht zur Schule zu schicken.

Schon am Mittwoch hatte das Regionalforstamt dringend davor gewarnt, den Wald zu betreten. Es drohe Lebensgefahr. Das Orkantief "Friederike" fegte mit Böen von bis zu 120 Stundenkilometern übers Bergische Land. Ab 100 Stundenkilometern müsse im Wald mit einem erhöhten Windwurfrisiko gerechnet. Auch in den nächsten Tagen solle man deshalb auf den Waldspaziergang verzichten. Denn durch "Burglind" stehen schon viele Bäume schief, deren Wurzelteller aus der Erde gehebelt sind. Welche neuen Gefahrenstellen "Friederike" verursacht hat, ist noch offen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sturm wütet im Bergischen

(RP)