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Wermelskirchen: Ausstellung im Rathaus mit alten Stadtplänen

Neue Ausstellung im Rathaus : Wermelskirchen in alten Karten

Das Rathaus stellt alte Stadtpläne aus. Sie stammen aus der Sammlung von Klaus Breidenbach und verraten interessante Details über die Stadtgeschichte.

Klaus Breidenbach hebt den Zeigefinger, seine Augen leuchten. „Ich erzähle Ihnen jetzt etwas, davon haben Sie sich noch nicht gehört“, sagt er und blickt in die kleine Runde, die sich am Donnerstagnachmittag im Rathaus versammelt hat. Und dann erzählt der 78-Jährige Geschichten, bei denen selbst der Bürgermeister staunt. Die handeln etwa von Henke Joks, dem letzten Gehängten der Stadt. Religiös wie ein italienischer Bandit sei der gewesen, sagt Breidenbach, und zeigt auf einen Punkt auf einer alten Stadtkarte aus dem Jahre 1780, in etwa dort, wo heute die Gaststätte Höller ist. „1731 hat Joks hier am Galgen gebaumelt, am Gerichtsplatz, den es noch bis um 1800 gab“, sagt er.

In der ersten Etage des Rathauses ist noch bis Ende des Jahres eine kleine Ausstellung von historischen Stadtkarten zu sehen. Zugegeben, wer sie besucht und die alten Pläne betrachtet, dem werden die Annekdoten und Erläuterungen von Breidenbach fehlen. Die Pläne stammen zum Teil aus dem späten 18. Jahrhundert und sind aus der Privatsammlung des Wermelskircheners, der sein Herz der Geschichte des Bergischen verschrieben hat. In seiner neuesten Publikation mit dem Titel „Herrschaft Wermelskirchen“ wurden sie zum Teil gedruckt.

 Klaus Breidenbach (Mitte) mit seiner Frau Gisela Breidenbach und Bürgermeister Rainer Bleek bei der Eröffnung seiner Ausstellung.
Klaus Breidenbach (Mitte) mit seiner Frau Gisela Breidenbach und Bürgermeister Rainer Bleek bei der Eröffnung seiner Ausstellung. Foto: Lea Hensen
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Jetzt werden sie zum ersten Mal ausgestellt. Breidenbach ist eigentlich gelernter Schriftsetzer und war lange Zeit Betriebsleiter einer Druckerei in Köln. Vor allem aber ist er Historiker und widmet sich seit nunmehr 40 Jahren der Geschichte der Stadt. Ein Hobby kann man das schlecht nennen. „Acht Stunden am Tag arbeite ich im Schnitt an meiner Forschung“, sagt er. Lange Zeit habe er einen Arbeitsplatz im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Duisburg gehabt. Seine Werke veröffentlicht er im Verlag seiner Frau Gisela als Nicolaus J. Breidenbach.

Es sind die Querverbindungen und neuen Erkenntnisse, die Breidenbach interessieren. So kommt er mit seinen Forschungen auf Informationen, die bisherige Annahmen infrage stellen. Da wäre zum Beispiel der Name der Tente. Immer wieder sei in Wermelskirchen die Rede von französischen Truppen gewesen, die um 1790 in der Gegend um die heutige A1 lagerten, sagt er. Auch Albert Schulte soll seine Firma „Tente-Rollen“ nach dem französischen Wort für „Zelt“ – „tente“ – benannt haben. Breidenbach zeigt auf eine Karte von 1874: Die Unterstraße ist dort zu sehen, ein Haus mit der Nummer 162, heute 42. Eine Gastronomie sei in dem Haus gewesen, sagt er, und zeigt auf einen Anbau.  In dünner Schreibschrift ist  „Zelt“ darauf zu lesen. „Solche Zelte waren damals wohl als Anbauten für Gaststätten üblich.“ Sie erklären vielleicht den Namen des Ortsteils.

Die alten Stadtpläne sind natürlich Kopien, Breidenbach hat nach eigenen Aussagen 850 Stück derart in seinem Besitz. Der Bürgermeister ist begeistert. „Solche Schätze sollten der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden“, sagt er. Historische Forschung sei in Wermelskirchen unterrepräsentiert. Als Ausstellungsort könne er sich die Bürgerhäuser vorstellen, als älteste Gebäude und sozusagen „als gute Stube der Stadt“. Mit Breidenbach muss er jetzt wohl verhandeln.