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Wermelskirchen: Ausnahmegenehmigung für die „Zero-Residual-Spritzen“

Corona-Impfung im Rheinisch-Bergischen Kreis : Ausnahmegenehmigung für die „Zero-Residual-Spritzen“

„Machen! Wenn es vertretbar ist, macht es!“ Ministerpräsident Armin Laschet ebnet Weg für die speziellen Spritzen. „Das ist der Durchbruch“, heißt es.

Wäre Wermelskirchen das gallische Dorf aus den „Asterix und Obelix“-Comics, „würden wir heute ein Wildschwein grillen und ein Fest feiern“, sagt Dr. Hans-Christian Meyer gutgelaunt. Denn: Ab sofort darf der Impfarzt sieben Dosen aus einem Vial mit Biontech-Impfstoff ziehen und dafür auch die speziellen „Zero-Residual-Spritzen“ nutzen, wegen denen seit Wochen ein Streit mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) tobte (wir berichteten). Jetzt sprang Ministerpräsident Armin Laschet dem Wermelskirchener Arzt zur Seite, verkündete in der ARD-Sendung „Maischberger – die Woche“: „Bei der Frage, wie viele Spritzen darf man ziehen? Es gibt ja einen in Bergisch Gladbach, der sieben aus einer Ampulle zieht. Da haben wir gesagt: Machen! Wenn Ihr es könnt, wenn es verantwortbar ist, macht es. Nicht immer rückfragen, nicht die ganze Bürokratie immer.“ Im Zweifel könne ein Arzt, mit dem Eid des Hippokrates ausgestattet, das besser beurteilen als ein Beamter, so Meinung des Ministerpräsidenten, der damit offenbar den Einsatz der Spritzen gutgeheißen hatte. Zumindest wurde es im Kreis so verstanden. Und tatsächlich: „Wir haben ein Schreiben vom MAGS bekommen, das uns die Ausnahmegenehmigung für den Einsatz der Spritzen im Impfzentrum in Bergisch Gladbach gestattet“, sagt Kreissprecherin Birgit Bär. 

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„Das ist ein toller Erfolg. Und ich bin so unfassbar dankbar für unseren Dr. Meyer und sein wahnsinniges Engagement, das er jeden Tag zeigt“, sagt Bürgermeisterin Marion Lück begeistert. Auch Landtagsabgeordneter Rainer Deppe ist voll des Lobes über den Arzt: „Wenn er die Spritzen nicht aufgetan und uns überzeugt hätte, hätten wir gar nichts von der Möglichkeit gewusst und der Kreis hätte die Spritzen gar nicht bestellen können“, sagt er auf Nachfrage dieser Redaktion.

Sowohl er als auch Landrat Stephan Santelmann und Bundestagsabgeordneter Dr. Hermann-Josef Tebroke hatten die Aussagen des Ministerpräsidenten als positives Signal für den Einsatz der Null-Rest-Spritzen gewertet: „Wir denken: der Durchbruch ist geschafft“, freuten sich alle drei. „Wir danken Armin Laschet für diese klare Äußerung und für das Vertrauen in die Menschen vor Ort. Fast vier Wochen nahezu tägliches Bemühen, Gespräche, Argumentation haben heute zum Erfolg geführt. Wir sind erleichtert“, schreiben die Politiker in einem gemeinsamen Statement.

Das Ministerium, das den Einsatz der Zero-Residual-Spritzen am 20. Februar untersagt hatte, reagierte hingegen deutlich verschnupfter: „Die Einhaltung gesetzlicher Regelungen, die dem Schutz der Bevölkerung dienen, ist bei der Durchführung der Impfungen unabdingbar“, heißt es aus dem Ministerium. Es würden Zertifikate fehlen, die Spritzen hätten nicht erworben werden dürfen, aber da Spritzen gleicher Art des EU-Bevollmächtigten rechtmäßig im Verkehr seien und zwar „nicht formal, aber hinsichtlich der Beschaffenheit eine Übertragbarkeit vermutet werden kann, hat das MAGS keine Bedenken gegen die eigenverantwortliche Verwendung der vom Rheinisch-Bergischen Kreis bereits erworbenen Spritzen. Das hat das MAGS dem Rheinisch-Bergischen Kreis heute mitgeteilt“, schreibt Pressesprecher Carsten Duif auf Anfrage.

Sprich: Impfarzt Dr. Hans-Christian Meyer darf die Spritzen nutzen – auf eigene Verantwortung. Dass das Ministerium so in Deckung geht, macht den Arzt wütend: „Da würde es mich mal brennend interessieren, was Ministerpräsident Laschet dazu sagt“, so Dr. Meyer, der sich bis dahin an Laschets Appell hält: „Machen! Wenn es vertretbar ist, macht es!“ Juristisch sei die Angelegenheit in der Prüfung, aber noch wichtiger sei, dass mehr Menschen geimpft werden können, als bisher möglich war. „Deshalb impfen wir“, sagt er Nachfrage. „Schwanz einziehen gibt es nicht.“