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Wermelskirchen: Auf digitalem Weg zur Preisverleihung

Deutscher Jugendliteraturpreis : Auf digitalem Weg zur Preisverleihung

Im Haus Eifgen verfolgten rund 25 Interessierte die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises per Live-Stream aus Berlin. Spontanen Applaus gab es für Cornelia Funke, die aus Kalifornien zugeschaltet wurde.

Weil Corona auch vor der Buchmesse nicht Halt machte, konnte die Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreis nicht in gewohnter Manier vor Publikum ausgetragen werden. „Wir haben uns im Vorstand des Arbeitskreises für Jugendliteratur bereits früh dazu entschieden, nicht nach Frankfurt zu fahren, sondern in Berlin zu bleiben“, sagte Marie-Louise Lichtenberg, die stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises. Zugleich boten die Umstände aber auch die Gelegenheit, hier die digitale Technik einzuspannen. Denn per Live-Schaltung aus dem Grips-Theater in Berlin waren Bundeskultusministerin Franziska Giffey, verschiedene Mitglieder der Jury und Moderatorin Vivian Perkovic zugeschaltet.

In Wermelskirchen wiederum hatte Marie-Louise Lichtenberg rund 25 Interessierte ins Haus Eifgen eingeladen, um die Preisverleihung zu verfolgen. „Ich komme ja aus Wermelskirchen und mir ist es seit jeher ein großes Anliegen, dass die Jugendliteratur ein Publikum findet“, sagte sie. Aber nicht nur aus Berlin wurde gesendet, auch dort war man wiederum mit den unterschiedlichen Preisträgern in verschiedenen Teilen der Welt via Internet verbunden. Etwa mit Rieke Patwardhan, der Preisträgerin für den Sonderpreis Neue Talente für ihr Buch „Forschungsgruppe Erbsensuppe oder Wie wir Omas großem Geheimnis auf die Spur kamen“.

Dabei zeigten sich die Tücken der Technik bisweilen in einer etwas hakeligen Bild-Verbindung. Dafür aber funktionierte der Ton einwandfrei. Und das auch über den großen Teich, denn ebenfalls zugeschaltet war die Sonderpreisträgerin für ihr Gesamtwerk, Cornelia Funke. Die Schriftstellerin, deren Auszeichnung für spontanen Applaus im Publikum im Haus Eifgen sorgte, war dabei aus Kalifornien zugeschaltet, was die internationale Ausrichtung der Veranstaltung noch einmal besonders deutlich machte.

Insgesamt wurden mit dem seit 1956 jährlich verliehenen Jugendliteraturpreis sieben Autoren in ebensovielen Kategorien ausgezeichnet. „Vorgeschlagen waren 33 Bücher. Ich habe sie alle gelesen und habe in diesem Jahr tatsächlich einmal keinen eindeutigen Kandidaten entdecken können“, sagte Marie-Louise Lichtenberg schmunzelnd. Sie sei zudem positiv davon überrascht, wie vielfältig die Jugendliteratur in diesem Jahr sei.

Die achtjährige Emilia, die ja zur Zielgruppe gehörte, hatte sich ebenfalls bereits durch eine ganze Menge an nominierten Büchern gelesen. „Ich habe 15 Bücher gelesen. Darunter auch die ‚Forschungsgruppe Erbsensuppe’. Das Buch fand ich ziemlich toll“, sagte das Mädchen und ergänzte: „Ich lese eigentlich alle Arten von Büchern gerne.“

Karin Röser war in der Klasse von Marie-Louise Lichtenberg, die 2003 den Leseclub gegründet hatte. „Die Liebe zum Lesen ist nach wie vor da, auch wenn ich wegen meiner kleinen Kinder im Moment nicht so sehr dazu komme“, sagte die junge Frau lachend. Sie war zur Veranstaltung gekommen, um sich ein wenig inspirieren zu lassen. „Wichtig sind für mich bei einem guten Kinder- und Jugendbuch drei Sachen: Die Illustrationen müssen gut sein, und die Texte dürfen nicht zu lang sein. Außerdem sollte das Buch schön aufgemacht sein, denn die Haptik spielt hier auch eine Rolle, wie ich finde.“

Marie-Louise Lichtenberg zeigte sich am Ende der anderthalbstündigen Veranstaltung zufrieden. „Zwar hat die Technik nicht ganz funktioniert, aber trotzdem war es sehr schön“, sagte sie. Sie hoffe, durch das Streaming-Angebot auch eine größere Zahl von Menschen erreicht zu haben. „In Frankfurt waren immer um die 1800 Menschen. Im Internet könnten es wesentlich mehr sein. Außerdem ist es schön, dass so auch die Menschen in Wermelskirchen daran teilnehmen konnten“, sagte Marie-Louise Lichtenberg.