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Wermelskirchen: Arbeiten in den Sommerferien – Ferienjobber erzählen von ihren Erfahrungen

Arbeiten statt Urlaub in Wermelskirchen : Ferienjobber schnuppern ins Berufsleben

Sommerferien heißt für viele Schüler und Studenten nicht gleich Urlaub. Dunja Karbe, Ruben Lederle und Laura Koch wollen ihr Taschengeld aufbessern und erzählen von ihren ersten Erfahrungen im Ferienjob.

Es sind Ferien. Aber nicht für jeden bedeutet das gleich Erholung und Urlaub. Mit sechs Wochen Sommerferien bei Schülern und mehr als doppelt so langen Semesterferien bei den Studenten nutzen manche von ihnen die Auszeit, um etwas Geld zu verdienen. Einige planen damit ihren nächsten Urlaub, wiederum andere möchten sich einen neuen Laptop oder Smartphone kaufen. Aber auch an künftige Ausgaben wie Führerschein, Semestergebühren und mögliche Kosten bei einem Umzug werden mitbedacht.

Dunja Karbe aus Wermelskirchen möchte bereits seit ihrem 13. Lebensjahr ihr eigenes Geld verdienen – auf das Taschengeld ihrer Eltern möchte sie nicht mehr angewiesen sein. Sie besucht die zehnte Klasse des Gymnasiums und hat sich nun mit 15 Jahren entschieden, sich auf eine Stelle zu bewerben. Es ist ihr erster Ferienjob.

 Verdienen sich bei der Firma Steinco ihr Feriengeld: Ruben Lederle (19) und Laura Koch (25).
Verdienen sich bei der Firma Steinco ihr Feriengeld: Ruben Lederle (19) und Laura Koch (25). Foto: Moll, Jürgen (jumo)

In den Osterferien durfte die Zehntklässlerin bereits in der Firma Steintex reinschnuppern und hatte daher schon etwas an Erfahrung sammeln können. Auch ihre Sommerferien möchte sie dafür nutzen. „Ich wollte in den Ferien nicht rumsitzen und meine Zeit verschwenden“, sagt Dunja Karbe. Über die Internetseite der Firma habe sie sich auf ganz normalen Wege bewerben müssen: Anschreiben und Lebenslauf. Anschließend kam das Bewerbungsgespräch. „Zu Beginn war ich schon ziemlich nervös, aber man muss in so einer Situation versuchen, die Ruhe zu bewahren“, sagt Dunja Karbe. Dennoch empfiehlt sie jedem, sich auf die entsprechende Stelle gut vorzubereiten, denn Hintergrundwissen schade nie, so sagt sie. Vorbereitet hat sich die 15-Jährige mit ihren Schulunterlagen rundum um das Thema Bewerbung und erstes Vorstellungsgespräch sowie Eigenrecherche aus dem Internet.

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Nicht nur der finanzielle Aspekt war Dunja Karbe wichtig, sondern auch die Erfahrung im Arbeitsleben. Während der Schulzeit bot ihr nur das Praktikum die Möglichkeit, einen Einblick in die Berufswelt zu bekommen. Doch das reichte ihr nicht. In der Firma Steintex arbeitet sie in verschieden Bereichen. Neben der Beschäftigung im Versand, in der sie Rohprodukte von guter und schlechter Ware aussortiert und prüft, ist sie auch in der Spritzerei tätig. Darüber hinaus hängt sie beispielsweise Litzen auf, sogenannte Metallstäbe, die für die Weberei genutzt werden. Da sie ein Studium in Maschinenbau anstrebt, sei dies eine gute Möglichkeit, wie sie sagt, um zu verstehen, wie Maschinen funktionieren und wie einzelne Teile hergestellt werden. „Ich habe festgestellt, wie viel Aufwand eigentlich hinter einer Produktion steckt“, sagt Dunja Karbe. Außerdem habe sie gelernt, auf fremde Menschen zuzugehen und sie anzusprechen. Mit dem Geld möchte sie sich ein neues Sofa kaufen. Auch für den Führerschein soll gespart werden. „Seit ich mein eigenes Geld hinzuverdiene, schätze ich es viel mehr. Es ist ein ganz anderes Gefühl, als nur das Geld der Eltern zu bekommen – jetzt weiß ich wie viel das eigentlich Wert ist“, sagt Dunja Karbe.

Ruben Lederle hat sich ebenfalls in den Ferien für eine Firma entschieden, die Produkte herstellt. Es ist sein erster Ferienjob. Bewerben musste er sich hierfür nicht. Geholfen hat ihm sein Vater, der in der Firma Steinco arbeitet. Vier Wochen lang steht der 19-Jährige nun um 4.30 Uhr auf, während seine Mitschüler und Freunde die freie Zeit genießen können. „Ich bin in meinem Leben noch nie so früh aufgestanden. Wahrscheinlich hätte ich sonst bis 11 Uhr geschlafen. So kann ich sagen, ich habe etwas geschafft. Und Freizeit habe ich trotzdem noch“, sagt Ruben Lederle. Zurzeit macht er im Bergischen Berufskolleg sein Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung.

Den Job in der Montage kann der Schüler sich für die Zukunft nicht vorstellen. Aber um seinen Wunsch – ein Auto und ein Laptop zu kaufen – ein Stück näher zu kommen, sei die Nebenbeschäftigung ein guter Anfang. Handwerklich tätig zu sein, wäre als Job Okay, wie er sagt, aber künftig solle es eher in Richtung Büro- und Industriekaufmann gehen. Dennoch ist er der Meinung, dass solch kurzfristige Tätigkeiten, egal in welchem Bereich, einem weiter bringen. „Irgendetwas sollte man schon tun in seiner freien Zeit. Man wächst aus sich heraus und lernt außerdem nie aus“, sagt Lederle.

Auch Laura Koch arbeitet in der Firma Steinco, doch für sie ist es nicht das erste Mal. Die 25-Jährige hat schon des Öfteren bei der Firma ausgeholfen. Meistens in derselben Abteilung: in der Produktion. Dort montiert sie mit einer Maschine einzelne Bauteile zusammen – ein kleiner Arbeitsschritt auf dem Weg zu einem fertigen Rad oder Roller, die beispielsweise für Krankenbettrollen oder für Bürostühle genutzt werden. Viel Abwechslung würde der Job nicht mit sich bringen, aber um Geld zu verdienen sei es in Ordnung, sagt Laura Koch im Gespräch mit dieser Redaktion. Mit 14 Jahren hat die angehende Lehrerin angefangen zu arbeiten. Durch die verschiedenen Tätigkeiten wie zum Beispiel Zeitung austragen, Kellner-Jobs und im Versand habe sie einen guten Eindruck ins Berufsleben bekommen. „Es ist ein gutes Gefühl, am Tag etwas zu erledigen und dabei Geld zu verdienen. So kann man zufrieden nach Hause gehen“, sagt die 25-Jährige.