Wermelskirchen: Anwohner retten durstige Kühe und bringen ihnen Wasser

Hilfsaktion in Wermelskirchen : Anwohner retten Kühe bei Hitze vor dem Verdursten

Die extreme Trockenheit und Hitze lassen Quellen versiegen und Bachläufe austrocknen. Wermelskirchener beobachteten, dass durstige Kühe nach Wasser scharrten und reagierten mit einer Hilfsaktion.

Aufmerksame Anwohner der Frohntaler Straße haben in Eigeninitiative eine Gruppe Kühe vor drohendem Verdursten gerettet und ihnen so Qualen erspart.  Die Tiere stehen auf einer Weide ganz in der Nähe ihrer Wohnhäuser, unweit der Kläranlage im Bereich des Eifgentales. „Wir haben einfach aufgepasst, was mit den Kühen ist und beobachtet, dass sie mit den Klauen in dem Bachlauf nach Wasser scharrten“, schildert Jörg Schröder, der am Lindenweg wohnt, auf Nachfrage unserer Redaktion die Situation am Samstag Abend. Eine Viehtränke stehe der kleinen Herde dort nicht zur Verfügung. „Und der Bachlauf ist nur noch ein Rinnsal, er ist fast versiegt.“ Schröder informierte seine Nachbarn. Es folgte ruckzuck eine nachbarschaftliche Hilfsaktion. „Das ging hier wie ein Lauffeuer ’rum“, sagt Schröder, der sich über die Tatkraft in seiner Nachbarschaft freut.

Rund zehn Helfer – inklusive Kinder  – waren zur Stelle, um die durstigen Kühe zu versorgen. Weil sie nicht wie die Feuerwehr einfach nur einen langen Wasserschlauch legen konnten, um für kühles Nass zu sorgen, ließen sich die findigen Retter etwas anderes einfallen. Eimerweise wollten sie das Trinkgut allerdings auch nicht zur Wiese schleppen. „Wir haben eine ganz saubere Mülltonne mit 80 Litern Wasser gefüllt, haben diese bis zur Wiese gerollt, große Baueimer auf die Wiese zu den Kühen gestellt und diese dann über den Zaun mit kleineren Wassereimern befüllt“, berichtet Schröder.

Die Kühe waren sofort zur Stelle und stürzten sich auf das Trinkwasser. Schröder: „Die 80 Liter waren sofort weg.“ Weil die Retter nicht wussten, wem die Kühe gehören oder von wem sie ansonsten versorgt werden, wandten sie sich an den Jagdpächter Ingo Feustel. Er kennt den Landwirt und vermittelte den Kontakt. „Wir wollten ihn darauf aufmerksam machen, dass die Kühe im Bach kein Wasser mehr finden und dass sie bei dieser Trockenheit und Hitze dringend eine Viehtränke brauchen“, sagt Schröder.

Als das Vieh am Sonntagvormittag noch kein Frischwasser hatte, wiederholten die Nachbarn die Aktion und riefen nochmals den Landwirt an. Denn am Montag müssen die Helfer wieder anderen Verpflichtungen nachgehen.

Die Spuren im Schlamm zeigen: Die Tiere hatten im ausgetrockneten Bachbett verzweifelt nach Wasser gescharrt. Foto: Jörg Schröder

Landwirte müssen den Wasserbedarf der Kühe bei Hitze besonders im Blick behalten. Die Landwirtschaftskammer von Nordrhein-Westfalen rät Viehhaltern, mehrere Tränkestellen für Kühe einzuplanen. „Daher ist es sehr wichtig, den Tieren aller Altersgruppen ständig Zugang zu Wasser in optimaler Menge und Qualität zu bieten. Unabhängig von der Anzahl der Tiere müssen in jedem Haltungssystem mindestens zwei Tränkestellen eingeplant werden“, so die Kammer. Wassermangel könne zu Schmerzen, Leiden und Vergiftungserscheinungen führen und sei somit tierschutzrelevant.

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