Wermelskirchen: Antiquitäten kaufen bei "Anno 1900"

Antiquitätengeschäft „Anno 1900“ : Reise in eine möblierte Vergangenheit

Marcel und Simone Kaminsky haben auf dem alten Rhombus-Gelände ein Kleinod geschaffen: Auf 700 Quadratmetern stellen sie Antiquitäten aus – die sie bei Haushaltsauflösungen entdeckt haben oder für ihre Kunden verkaufen. Das Geschäft wächst.

Wer die Schwelle übertritt, landet in einer anderen Welt. Die alten, schweren Tische sind gedeckt mit feinem Porzellan. Ein Ruhesessel, der um 1860 gebaut wurde und in dem einst der Konsul von Ceylon seine Mittagspause verbrachte, steht neben einem alten Schrank.

„Das ist unser ältestes Stück“, verrät Marcel Kaminsky und streicht über das Holz des Barockschranks von 1780. Der schmale Schrank könnte die Hauptrolle in einem Märchen spielen, die Schranktüre wirkt wie ein Tor in eine andere Zeit. „Da ist Leben drin“, sagt Kaminsky, „und Geschichte.“ Und genau deswegen haben er und Ehefrau Simone damals die Entscheidung für Antiquitäten getroffen. „Wer sich mit diesen Dingen beschäftigt, der entdeckt, dass die Menschen damals schon Schönheit und Funktionalität unter einen Hut bekommen haben“, sagt Kaminsky.

Bevor das Paar sein Leben auf den Kopf stellte, arbeitete er als Speditionskaufmann und sie in der Verwaltung einer Pflegeeinrichtung. „Dort begegnete meine Frau vielen Angehörigen, die aufgeschmissen waren, weil sie den Haushalt ihrer Eltern auflösen mussten“, erzählt der Antiquitätenhändler. Die beiden schlossen die Lücke schließlich selbst. Vor acht Jahren kündigten sie ihre Jobs und boten Haushalts- und Nachlassauflösungen an. „Die Nachfrage ist groß“, sagt er. Auch deswegen, weil die Kaminskys eine eigene Philosophie haben: Nicht alles landet auf dem Sperrmüll, stattdessen machen sich die beiden auf die Suche nach kleinen Kostbarkeiten, nehmen sie in Zahlung, bereiten sie auf und verkaufen sie dann in ihrem Geschäft. „In 90 Prozent der Haushalte finden wir etwas Schönes und Besonderes“, sagt Marcel Kaminsky. Und manchmal entdeckt er dann auch Antiquitäten – also Dinge, die vor 1920 entstanden sind.

Um Möbel, Porzellan, Lampen und andere Kostbarkeiten ausstellen zu können, mieteten sie damals einen kleinen Ladenraum an der Remscheider Straße an. „Aber der Besuch eines Antiquitätengeschäfts sollte mehr als ein Fünf-Minuten-Erlebnis sein“, findet Kaminsky. Und deswegen zogen sie kurz darauf auf das Rhombus-Gelände um. Als der Eigentümer die Fläche selbst brauchte, stand 2016 ein erneuter Umzug an – dieses Mal nach Hünger. „Die Räume waren kleiner und wir nicht so richtig zufrieden“, sagt er. Und deswegen nutzte das Paar die Gelegenheit, als ihm nach der Schließung des Fitnessstudios eine neue Fläche auf dem Rhombus-Gelände angeboten wurde. Das Geschäft liegt ein bisschen versteckt, aber wer den Weg um die Ecke findet, trifft auf 700 Quadratmeter Geschichte. Antiquitäten, aber auch kleine Besonderheiten, viel Porzellan, Dinge mit Geschichte finden Kunden hier. „Und mit der Zeit ergaben sich dann einfach logische Schritte Richtung Zukunft“, sagt Kaminsky.

Und deswegen hat das Paar das Konzept nun noch mal deutlich erweitert: Inzwischen verkauft „Anno 1900“ als Handelsagentur auch Antiquitäten für ihre Kunden. „Wir stellen sie aus, fotografieren sie und bieten sie auch im Internet an“, erklärt der Antiquitätenhändler, der am Ende von der Verkaufsprovision lebt. Das Internetgeschäft hat schon viele Kunden von weither nach Wermelskirchen geführt. „Die Menschen entdecken ein Möbelstück und besuchen dann die Ausstellung“, erzählt er, „andere bestellen aber auch direkt online.“ Inzwischen hat er ein breites Netzwerk, Unterstützer und Freunde in der Antiquitätenszene.

Weil Kaminsky – auch dank seines ursprünglichen Berufs – inzwischen Meister im Verpacken und Versenden ist, bietet er diesen Service inzwischen auch als Dienstleistung an und hat eine Packstube eingerichtet. Seiner Leidenschaft für altes Holz und schöne Möbel verleiht er immer schon auch handwerklich Ausdruck und bietet inzwischen auch Restaurationen und Ausbesserungen an. „Schritt für Schritt“, sagt er.

Die Ideen gehen ihnen nicht aus: Simone und Marcel Kaminsky wollen in ihrem Geschäft das Café „Anno 1900“ eröffnen und damit nicht nur einen Ort der Begegnung für Interessenten, Liebhaber und Sammler von Antiquitäten aufbauen. „Wir wollen auch eine gemütliche Atmosphäre für Gäste schaffen, die einfach mal die Seele baumeln lassen und ein Buch lesen wollen“, sagt Kaminsky. Zeitreise inklusive.

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