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Wermelskirchen: Amtsgericht wird 20 Jahre alt - ein Blick hinter die Kulissen

Hinter den Kulissen : Modernes Amtsgericht wird 20 Jahre alt

Sibille Kozina steht als Direktorin zusammen mit Geschäftsleiter Gregor Schmitz dem Amtsgericht Wermelskirchen vor. Gemeinsam gewähren sie einen Blick hinter die Kulissen und auf die Aufgaben vor Ort.

Im September gibt es das neue Amtsgericht 20 Jahre. Der Neubau am Brückenweg war nötig geworden, weil es am alten Standort an der Telegrafenstraße zum einen endgültig zu eng geworden war. Zum anderen war die Substanz des Altbaus in die Jahre gekommen.

Das neue Gebäude wurde in nur 16 Monaten gebaut. Das Amtsgericht befindet sich seit dem 18. September 2000 zur Miete darin, die Finanzierung war als letzte Hürde zwei Jahre zuvor gesichert worden. Der damalige Justizminister Nordrhein-Westfalens, Jochen Dieckmann, fand zur Einweihung nur lobende Worte: „Es ist ein modernes und bedarfsgerechtes Gerichtsgebäude, das die besondere Bedeutung der dritten Säule unseres demokratischen Rechtsstaates auch architektonisch zum Ausdruck bringt.“

Die Geschichte des Amtsgerichts in Wermelskirchen

Die lokale Gerichtsbarkeit in der Stadt reicht bis ins Jahr 1878 zurück. Damals hat der Preußenkönig Wilhelm per Verordnung die Amtsgerichte in den Preußischen Staaten, darunter auch im Bezirk des „Landgerichts zu Elberfeld“ in Wermelskirchen, installiert. In diesen Jahren wurde das Amtsgericht in einem Gebäude an der Telegrafenstraße untergebracht, wo es bis zum Jahr 2000 auch blieb.

Verschiedene Versuche, es zu sanieren oder zu erweitern, scheiterten. In den 1990er Jahren wurden die Planungen zum Neubau konkretisiert und schließlich zur Jahrtausendwende hin umgesetzt. Der Neubau befindet sich auf einem Erbbaugrundstück der Stadt Wermelskirchen.

Wer steht dem Gericht vor?

Die Leitungsaufgaben werden von Direktorin Sibille Kozina und Geschäftsleiter Gregor Schmitz übernommen. „Ich bin seit Juni 2018 Direktorin und grundsätzlich für die Behörde insgesamt verantwortlich. Zu meinen Hauptaufgaben in der Verwaltung gehören vor allem die Belange der Richter“, sagt sie. Zudem sei sie als Richterin derzeit für Familien- und Betreuungssachen zuständig.

Der Geschäftsleiter wiederum ist für den nichtrichterlichen Dienst zuständig. Dieser Bereich umfasst beispielsweise die Tätigkeiten der Beamten, des gehobenen und mittleren Dienstes sowie der Wachtmeister.

Was sind die Aufgaben des Gerichts?

„Das Amtsgericht in Wermelskirchen ist relativ klein. So haben wir etwa weder Insolvenzsachen noch das Handelsregister, was beides in Köln angesiedelt ist. Die Zwangsversteigerungen wiederum finden in Bergisch Gladbach statt“, sagt Schmitz. Abgesehen von Schöffensachen, die auch in der Kreisstadt verhandelt werden, werden am Brückenweg Zivil- und Familiensachen ebenso verhandelt wie Strafsachen. Zudem gehören Nachlassangelegenheiten, Grundbuch-, Zwangsvollstreckungs- und Betreuungssachen zu den Aufgabenbereichen des Gerichts. „Auch kleinere Angelegenheiten, wie Erklärungen zu Kirchenaustritten, werden hier aufgenommen“, sagt Sibille Kozina.

Die Gründe für die Berufswahl

Für Geschäftsleiter Schmitz ist es besonders die Gestaltungsmöglichkeit im Rahmen der Gesetze, die ihn an seinem Beruf reizen. „Als Rechtspfleger ist man nur dem Gesetz und seinem Gewissen unterworfen“, sagt er.

Direktorin Sibille Kozina stimmt zu. „Das ist bei Richtern ebenfalls so. Man ist unabhängig und kann frei entscheiden und gestalten – im Rahmen des Gesetzes.“ Sie schätze die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, einigen und schlichten zu können. „Mich reizt die Arbeit mit den Menschen – sowohl im Gerichtssaal als auch im Rahmen der Mitarbeiterverwaltung“, sagt die Direktorin.