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Wermelskirchen: Am Stand der Mobilen Redaktion wurde lebhaft diskutiert, ob die Loches-Platz-Bebauung die Zukunft der Kirmes gefährdet. Tenor: Sie verkraftet Veränderungen

Rege Diskussion am Stand der Mobilen Redaktion : „Kirmes wird Veränderungen überleben“

Am Stand der Mobilen Redaktion auf dem Loches-Platz diskutierten am Dienstag Gäste mit Vertretern der Politik und Verwaltung.

Die große Herbstkirmes ist eine so tief im Bewusstsein der Wermelskirchener verankerte Veranstaltung, dass sie auch größere Veränderungen bisher verkraftete und auch künftig verkraften wird – sowie die Neubebauung auf dem Loches-Platz mit geringerem Platzangebot für die Fahrgeschäfte. Selbst die Bauphase, der noch weniger Aufstellfläche bescheren wird, werde sie nicht erschüttern. Bürger und auswärtige Besucher halten dem Event die Treue. Der Mix aus Kirmes, Krammarkt und Rahmenprogramm mache den Charme aus: Dieser Überzeugung waren die meisten Gesprächsteilnehmer, die Dienstagmittag am Stand der Mobilen Redaktion der Bergischen Morgenpost auf dem Loches-Platz über das Thema „Zukunft der Kirmes“ diskutierten.

Dankmar Stolz, Vorsitzender der WiW, meinte zu den anstehenden Veränderungen durch die Loches-Platz-Bebauung: „Die Kirmes wird das überleben. Ich sehe das alles sehr entspannt.“ Die Diskussion, dass der Fortbestand der Kirmes gefährdet ist, weil Schaustellern weniger Fläche zur Verfügung stehe, halte er für übertrieben.

Zuvor bescheinigte Frank Schmidt, Sprecher der Schausteller und selbst mit einem Fahrgeschäft auf der Kirmes vertreten, der Wermelskirchener Herbstkirmes die Note „sehr gut“. In seinen Kreisen genieße sie einen guten Ruf, weil Besucherzahlen und Umsatz stimmen und nicht zuletzt, weil die Kooperation mit der Stadtverwaltung sehr gut und reibungslos laufe. „Das ist in anderen Städten oft nicht der Fall.“

Dennoch sehe man die Veränderungen skeptisch. Schmidt: „Es darf nicht zu viel Platz wegfallen.“ Vor allem größere Fahrgeschäfte machten den Reiz der Kirmes aus und die brauchten eine Mindest-Aufstellungsfläche.

„Denken Sie bei den Planungen daran, dass die Elemente auf dem Loches-Platz beweglich sind: Bäume in Kübeln, Bänke und Spielgeräte, die man versetzen kann“, appellierte er an die Stadtverwaltung. Fest eingepflanzte Bäume oder ungünstig platzierte Lichtmasten könnten die Nutzungsmöglichkeit für die Kirmes noch mehr einschränken. Bürgermeister Rainer Bleek sicherte zu, dass die Schausteller bei diesem Punkt in die Gespräche mit eingezogen werden.

Zuvor hatte Henning Rehse (WNKUWG) anhand von Grundrissplänen zur Loches-Platz-Neubebauung aufgezeigt, dass „Fläche für die Schausteller auf ein Drittel schrumpft“. Das wäre bei der anderen, von der WNKUWG favorisierten Variante der Direktvergabe an einen örtlichen Investor nicht der Fall gewesen, weil die Bebauung in Richtung Eich „gerutscht“ wäre und Raum für einen größeren Loches-Platz geboten hätte.

Die anderen Fraktionsvorsitzenden glauben an eine positive Zukunft der Kirmes – so der Tenor. Christian Klicki (CDU), Jochen Bilstein (SPD), Stefan Janosi (Grüne) und Oliver Platt (Bürgerforum) erinnerten daran, dass sich die Politik mehrheitlich für die Neubebauung des Platzes entschieden hatte, um die Nahversorgung endlich zu verbessern, nachdem in der Vergangenheit Planungsfehler gemacht und Märkte an den Stadtrand platziert wurden. Bilstein: „An 360 Tagen im Jahr steht der Platz leer. Wir dürfen uns nicht nur nach den Bedürfnissen bezüglich einer Kirmes richten.“

Die Kirmes lebe gerade von der Innenstadt, „sie wird ein anderes Flair haben, wenn Fahrschäfte vor schönen, modernen Gebäuden stehen“, ergänzte Klicki. Derzeit sei das Areal „der hässlichste Platz in der Stadt“. Und Janosi rechnete vor, dass der Kirmes 10.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, der Loches-Platz nur 0,8 Prozent ausmache.

Einen neuen Aufstellungsplan gibt es noch nicht, sagte Rainer Bleek. Der Rahmen wird durch Bebauungs- und Ausführungspläne gesteckt, erst danach könne die Feinplanung für die Kirmes beginnen: „Die Gespräche zwischen Investor und Stadt laufen.“ Nach Aussage von Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann laufen die Planungen für die Kirmes 2019 bald an, die Verträge werden aber erst im nächsten Frühjahr abgeschlossen.

Unterm Strich zweifelt also kaum jemand am erfolgreichen, generellen Fortbestand der Herbstkirmes. Wie es allerdings nach der Loches- Platz-Bebauung konkret weiter geht oder auch nur die Bauphase zu überbrücken ist, kann im Moment niemand eindeutig sagen. Als Ausweichmöglichkeit für die Zeit der Bauphase schickte Stefan Janosi den Heinrich-Heine-Platz am Gymnasium ins Rennen, Dankmar Stolz benannte den ehemaligen Aldi-Parkplatz an der Eich (heutiger „Clever fit“-Standort) als Alternative.

Wie lange die Bauzeit genau dauern wird, konnten Bleek und Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann als Marktleiter der Kirmes nicht vorhersagen. Demnach könne die Bauzeit ein- oder zweimal die Herbstkirmes betreffen. Theoretisch sei es sogar denkbar, dass eintritt, womit bis dato niemand rechnet: Dass die Herbstkirmes 2019 noch in bisheriger Form stattfindet und der Loches- Platz-Umbau erst danach beginnt. Die geplante Zeitschiene benannte Bleek: „Der Bebauungsplan muss erstellt und beschlossen werden. Das kann bis zum nächsten Frühjahr erfolgen.“ Und Arne Feldmann betonte: „Wir reden über ungelegte Eier. Erst wenn es eine Ausführungsplanung für die Loches-Platz-Bebauung gibt, können wir uns konkrete Gedanken zur dann folgenden Kirmes machen.“

Der Ordnungsamtsleiter sieht die Nutzung des Heinrich-Heine-Platzes als Kirmesstandort durchaus kritisch: „Früher war der Platz am inzwischen erweiterten Gymnasium doppelt so groß wie heute. Eine Zersplitterung der Kirmes ist obendrein nicht attraktiv für die Besucher.“ Als Problem sieht er auch die optische Trennung durch Bepflanzung sowie Stockhauser Straße zwischen Katt-Bereich und Heinrich-Heine-Platz. Zusätzlich sei die dazwischenliegende Verbindungstreppe bei den Publikumsmassen ein Sicherheitsrisiko.

Schausteller Frank Schmidt ergänzte: „Die Zufahrt zu dem ehemaligen Aldi-Parkplatz auf der Eich ist für größere Fahrzeuge sehr eng. Außerdem könnten sie wegen der Erhebung im Boden der Zufahrt aufsetzen.“ Feldmann gab zu bedenken, dass der Ex-Aldi-Parkplatz in Privatbesitz sei und gemietet werden müsste sowie Strom- und Wasserversorgung installiert werden müssten. Letzteres summiere sich schnell auf einen „mittleren, fünfstelligen Betrag“.

„Die Kirmes ist ja eine Veranstaltung, die sich selbst trägt. Die Kosten der Stadt kommen durch die Standgebühren wieder herein“, erläuterte der Ordnungsamtsleiter. Dagegen konterte Dankmar Stolz: „Eine Überbrückungsphase für die Kirmes während des Loches-Platz-Umbaus kann sich die Stadt durchaus etwas kosten lassen, der Verkauf der Grundstücks spült ja auch Geld in die Kassen.“ Willi Schmitz, als interessierter Bürger zu Gast bei der Mobilen Redaktion, unterstützte diese Meinung: „Die Stadt muss das kulturelle Interesse an der Kirmes erkennen und nicht nur die Kosten im Blick haben.“

Die Verlagerung des Weindorfs vom Parkplatz der Kattwinkelschen Fabrik auf den Markt und in den Bereich der unteren Carl-Leverkus-Straße an den Naturweihnachtsbaum regte Henning Rehse (WNKUWG) an: „Diesen Wunsch höre ich auch von Bürgern. Das würde die Lage an der Katt entzerren.“

Mobile Redaktion 2018 - Die Zukunft zur Kirmes Wermelskirchen Mobile Redaktion am Loches Platz mit Solveig Pudelski und Stefan Singer von der BM und Vertreter der Politik und Stadt Wermelskirchen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Klar ist: Solange kein Bagger auf dem Loches-Platz rollt, sind alle Vorschläge „fixe Ideen“, die nicht geplant sind. Feldmann sagte: „Das ist alles Kaffee-Satz-Leserei.“