Wermelskirchen: Als Kind schon mit Tafel und Kreide ‚unterrichtet‘

Montagsinterview in Wermelskirchen mit Lena Klein : Als Kind schon mit Tafel und Kreide ‚unterrichtet‘

Lena Klein war als Schülerin am Gymnasium. Im BM-Interview spricht die junge Lehrerin auch darüber, wie es ist, nun Kollegin zu sein.

Lena Klein war als Schülerin am Gymnasium in Wermelskirchen. Nach ihrem Lehramtsstudium tritt die 33-Jährige nun ihre erste feste Stelle an ihrer alten Schule an.

Frau Klein, können Sie sich noch an Ihren ersten Schultag erinnern?

Lena Klein Ja, sehr genau sogar. Ich bin in der achten Klasse mit meiner Familie aus Belgien nach Wermelskirchen gezogen. Das war eine sehr aufregende Situation, weil alles sehr neu war. Ich bin zwar zweisprachig aufgewachsen, hatte zu der Zeit aber noch einen flämischen Akzent. Man hat mich hier jedoch sehr gut aufgenommen – und das obwohl ich neu in eine bestehende Klasse dazugekommen bin.

Wie ist es, als Lehrerin an die ehemalige Schule zurückzukehren?

Klein Ich habe tatsächlich etwas länger darüber nachgedacht, ob das für mich in Frage kommt. Nach mehreren Gesprächen mit der Schulleitung und Fachkollegen habe ich sehr schnell festgestellt, wie sich die Schule in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Ich habe zwar vor noch nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2006, dort mein Abitur gemacht, aber es gibt kaum noch bekannte Gesichter von damals im Kollegium. Trotzdem ist es immer noch „meine“ Schule und dass fühlt sich ein bisschen so an, wie nach Hause zu kommen.

Ist es ein komisches Gefühl, wenn aus ehemaligen Lehrern plötzlich Kollegen werden?

Klein Ja, zumindest theoretisch. Denn es gibt nur eine Lehrerin, die ich seinerzeit als Klassenlehrerin hatte, Frau Gerber. Mit ihr habe ich auch schon ein gutes, kollegiales Gespräch geführt. Bei meinen bisherigen Besuchen in der Schule habe ich außerdem festgestellt, dass ich dort nicht mehr die „Schülerin“ bin, sondern die „Lehrerin“ oder die „Kollegin“. Es ist eine andere Rolle und die wird mir von den Kollegen auch gespiegelt. Und das ist ein sehr gutes Gefühl.

Haben Sie sich beworben oder war der Einsatzort Zufall?

Klein Es war eine ausgeschriebene Stelle, auf die ich mich konkret beworben habe.

Wie war Ihre Schulzeit am Gymnasium Wermelskirchen?

Klein Am meisten Erinnerung habe ich an meinen Bio-Leistungskurs. Wir waren eine gute Truppe mit viel Zusammenhalt. Und auch fachlich habe ich da die meisten Erinnerungen – was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich jetzt selbst Biologie unterrichte. Eine andere schöne Erinnerung ist die Ski-Klassenfahrt nach Obertauern. Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Abi-Phase ist toll gewesen, als klar wurde, dass die Jahrgangsstufe gut zusammengewachsen ist.

Wann ist Ihnen klargeworden, dass Sie Lehrerin werden wollen?

Klein Ich habe als Kind schon mit Tafel und Kreide „unterrichtet“. Aber ich habe in meinem Leben dann doch ein paar berufliche Spiralen gedreht. Ich habe sowohl eine Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte abgeschlossen, als auch ein Tiermedizinstudium begonnen. In den ersten zwei Semestern musste ich mich dann durchkämpfen, vor allem in Chemie. Nachdem ich mich da so richtig eingearbeitet hatte, war ich so fit, dass ich Studentengruppen auf die Prüfung vorbereiten konnte. Dabei habe ich dann immer mehr festgestellt, dass das Lehramt besser zu mir passt als Tiermedizin. So studierte ich dann Biologie und Chemie auf Lehramt, zunächst in Münster, danach in Wuppertal.

Fühlen Sie sich durch das Studium gut auf die Arbeit vorbereitet?

Klein Ja, das würde ich schon sagen, insbesondere durch das Referendariat. Aber natürlich gibt es Dinge, bei denen man sagen muss: Darauf kann einen das Studium nicht vorbereiten. Zudem gibt es viele Praktika, die einem zeigen, ob man dem Beruf gewachsen ist. Es ist aber letztlich in der Praxis meine Aufgabe, eigene Schwächen zu erkennen und mich entsprechend weiterzubilden.

Wissen Sie schon, welche Klassen sie im kommenden Schuljahr unterrichten werden?

Klein Ich habe meine Unterrichtsverteilung bereits bekommen – und von der Klasse fünf bis zur Q1 ist fast alles mit dabei. Eine Klassenleitung habe ich noch nicht. Das finde ich auch in Ordnung und ist von der Schulleitung gut bedacht worden für eine neue Lehrerin. Denn so kann man erst einmal ankommen und sich zurechtfinden im beruflichen Alltag.

Welche Fächer unterrichten Sie?

Klein Meine Fächer sind Biologie und Chemie.

Will man als neue, junge Lehrerin viele Dinge anders machen, als es die eigenen Lehrer getan haben?

Klein Die Erinnerung an die eigene Schulzeit schwingt unbewusst ein Stück weit mit, sodass man gewisse Dinge anders oder besser machen möchte. Ich kann mich zum Beispiel nicht daran erinnern, im Chemieunterricht viel experimentiert zu haben. Heutzutage ist der naturwissenschaftliche Unterricht wesentlich handlungs- und schülerorientierter. Wenn man mit Freude und Leidenschaft unterrichtet, dann versucht man es automatisch so gut wie möglich zu machen. Und dann konzentriert man sich nicht mehr darauf, was man selbst als nicht so gut in Erinnerung hat. Der eigene Stil entwickelt sich einfach über die Zeit, glaube ich. Jeder Lehrer versucht, guten Unterricht mit seiner eigenen Handschrift zu entwickeln.

Finden Sie unser Bildungssystem, so wie es ist, auch im internationalen Vergleich gut aufgestellt?

Klein Ich habe ja tatsächlich selbst zwei Bildungssysteme erlebt, zumindest als Schülerin. In anderen Ländern findet etwa ein Berufsorientierung früher statt als bei uns. Da könnte ich mir vorstellen, dass sich da hierzulande künftig auch noch etwas tut. Damit könnte man verhindern, dass Schüler ihr Abitur – einen sehr guten, aber auch arbeitsintensiven Bildungsabschluss – machen, ohne dann zu wissen, was sie damit anfangen sollen. Ich habe aber den Eindruck, dass das Gymnasium Wermelskirchen hier schon eine stark aufgestellte Beratungsstruktur hat.

Haben Sie sich einen Plan für den ersten Schultag zurechtgelegt?

Klein Ich werde mit Sicherheit aufgeregt sein, weiß aber bereits , dass ich sehr willkommen geheißen werde. Der Tag ist nicht im Detail durchgeplant, aber ich werde auf jeden Fall gut vorbereitet sein. Ich freue mich schon sehr und hoffe, dass ich diese Freude auch auf die Schüler übertragen kann.

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