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Wermelskirchen: „Acoustic Guitar Meeting“ in der Kattwinkelschen Fabrik

Kultur in Wermelskirchen : Wellness-Ausflug für gestresste Ohren

Zwei Mal musste das „Acoustic Guitar Meeting“ in der Katt pandemiebedingt verschoben werden. Nun aber bescherten fünf hochtalentierte Musiker aus der Region den nach Kultur schmachtenden Besuchern am Samstag endlich ein wunderbares Hörvergnügen. Balsam für Seele und Geist, natürlich unter 2G.

Es gibt Dinge, die sich nicht greifen, nur erfühlen lassen. Musik ist eins dieser Phänomene: Entweder man spürt sie oder nicht. Doch wenn sie einen erreicht, ist man glückselig.

So auch am Samstagabend beim langersehnten „Acoustic Guitar Meeting“ in der Kattwinkelschen Fabrik, das zuletzt pandemiebedingt mehrfach verschoben werden musste. Umso größer schien daher die Freude auf einen kurzweiligen Abend zu sein, ein Wellness-Ausflug für die von schlechten Nachrichten geplagten Ohren. Auch Achim Stollberg, als Kulturmanager zuständig für die Katt, kann das Gejammer nicht mehr hören und forderte bei seiner Begrüßung am Abend den Einzelhandel öffentlich auf, die Klagen über die neuen Regeln aufzugeben: „2G machen wir schon seit August letzten Jahres. Die sollten das Weinen aufhören.“ Ob bei einer Umsetzung der 2G-plus-Regelung noch immer Besucher in die Katt kommen würden, wollte er vom durchgeimpften Publikum wissen. Eine große Mehrheit hob die Finger. Ein gutes Zeichen für die Kultur, aber auch für die Künstler, die hinter der Bühne auf ihren Auftritt warteten.

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Florian Riedel trat als erster ins Rampenlicht. Wortkarg, fast schon schüchtern, griff der 24-Jährige nach seiner Gitarre, setzte sich auf einen der Stühle und legte los. Seine Fingerfertigkeit stach schon nach wenigen Sekunden ins Auge. Mit einer scheinbaren Leichtigkeit glitten sie über die Saiten und kitzelten aus seiner Gitarren die schönsten, vollmundigen Melodien heraus. Den ersten Gänsehautmoment des Abends erzeugte er mit den ersten Akkorden des „Dire Straits“-Klassikers „Sultans of Swing“. Eine grandiose Performance, bei der er sich selbst als Percussionist begleitete und der sich mittendrin auch Peter Nica anschloss, dem Bergischen Publikum bestens als Musiker der erfolgreichen Coverband „Jokebox“ bekannt. Gemeinsam beschenkten sie das Publikum noch mit wunderbaren Akustikversionen von Frank Zappa und Deep Purple.

Stephan Leo brachte Eigenkompositionen mit, deutschsprachige Stücke, in denen melodisch eine Fusion aus Jazz, Blues, Pop und Country schlummert und die inhaltlich zum Schmunzeln, Nachdenken und Mitfühlen anregen. Leo, der zuletzt vor 20 Jahren auf der Katt-Bühne stand, überzeugte mit einer satten, gereiften Stimme, aber klar und lieblich zugleich. Auch er erntete verdientermaßen den anerkennenden Beifall des Publikums.

Ein völlig anderes Genre bediente dagegen das Duo Uwe Sandfort (E-Gitarre) und André Enthöfer (Bassklarinette, Saxofon): Experimentell, eine Mischung aus Blues, Smooth Jazz und sphärischer Musik präsentierten diese beiden Musiker und entführten damit die Zuhörer gedanklich in völlig andere Welten. Ein grandioses erstes Set eines wunderbaren Meetings, das wahrlich keine Wünsche offen ließ.