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Wermelskirchen: Abschlussfeier der Abiturienten mit Festivalcharakter

Zeugnisvergabe am Gymnasium Wermelskirchen : Abschlussfeier mit Festival-Charakter

Picknickdecken, Flip-Flops und Sonnenbrillen: 132 Abiturienten des Gymnasiums bekamen ihre Zeugnisse am Freitag im Eifgen-Stadion und feierten einen ungewöhnlichen Abschluss vom Schulleben

Die Abendsonne schien auf den Kunstrasenplatz im Eigen. Eltern breiteten Picknickdecken aus, während andere noch Ausschau hielten nach den Kohlrabiköpfen auf der Wiese. „Wir haben uns an das Motto der Abiturienten gehalten“, erklärte Oberstufenkoordinatorin Ulrike Gerber. „Kohlr-Abi – Wir machen uns vom Acker“: Stilecht hatte die Jahrgangsstufenleitung auf dem großen Rasen Kohlrabi mit Fähnchen versehen, auf denen die die Namen der Abiturienten fanden.

Jede Kohlrabi markierte einen Liegeplatz – um alle Abstandsregeln einzuhalten. Bevor der stellvertretende Schulleiter Martin Burghoff den Startschuss zur ungewöhnlichsten Zeugnisvergabe in der Geschichte des Gymnasiums gab, begutachtete er das eindrucksvolle Bild: Mütter und Abiturientinnen hatten ihre hochhackigen Schuhe ausgezogen. Eltern und Abschluss-Schüler bedienten sich aus Kühltaschen und stießen auf den den Tag an. Luftballons, von denen viele die Hitze nicht überstanden hatten, wehten an den Pfosten. „Jetzt fühlt sich alles wie ein Schulabschluss an“, befand Jahrgangsstufenleiter Timo Stallmann, „es hat ein bisschen Festivalcharakter.“ Wichtig sei an diesem Abend, dass die Abiturienten sich in großer Runde treffen können. „Alle sind da“, stellte Stallmann bewegt fest, „das ist einer Abschlussfeier würdig.“

Jeder der Abiturienten hatte zwei Gäste mitbringen dürfen, die meisten setzten auf ihre Eltern. Und die feierten ihre Kinder stolz. „Wir waren wirklich angespannt, ob das hier klappt“, räumte Burghoff dann während der Begrüßung ein. Die Technik spielte mit, das Wetter auch und die Stadt hatte sich ordentlich ins Zeug gelegt, um die Großveranstaltung mit rund 400 Besuchern zu ermöglichen. „Stolz, Erleichterung und Enttäuschung: Ihre Gefühlslage ist verständlich“, sagte Bürgermeister Rainer Bleek. „Sie haben diesen Gipfel gestürmt und können noch Ihren Enkelkindern davon erzählen.“ Er ermutigte die Abiturienten, nun andere gesellschaftliche Bereiche zu entdecken. „Stürmen Sie nicht gleich den nächsten Gipfel, gönnen sie sich eine Verschnaufpause. Das ist keine Zeitverschwendung“, befand Bleek.

Abschlussfeier 2020 vom Gymnasium im Eifgen-Stadion. Rede von Martin Burghoff (stellv. Schulleiter) Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Schulleiterin Elvira Persian erinnerte an die stürmischen Pfade, die die Schüler auf dem Weg zum Gipfel hatten gehen müssen: „Ganz entgegen Ihres Mottos haben Sie sich nicht vom Acker gemacht, sondern durchgehalten und die Herausforderung angenommen“, lobte sie. Die besonderen Bedingungen hätten die Schüler wohl ebenso gefordert und geschult wie mancher Unterrichtsstoff.

Die Schüler selbst wollten dem Coronavirus keinen Platz in ihrer Rede einräumen: Sie erinnerten an gemeinsame Erlebnisse, an Diskussionen und komische Ereignisse. Am Ende riefen Mira Böse und Lena Fischer ihren Mitschülern zu: „Nicht dieses Virus prägt unsere Schulzeit, sondern wir – alle zusammen.“

Dass dieser Abiturjahrgang viele Individualisten zu bieten hat, bestätigte nicht nur Jahrgangsstufenleiterin Stephanie Keitel („Ihr seid alles andere als Mainstream“), sondern auch die Zeugnisvergabe. 132 Abiturienten hatten sich für 131 verschiedene Lieder auf dem Weg zum Podest entschieden – einer wollte keine Musik. Die einen kamen im Abendkleid und Smoking, die anderen mit offenem Hemd und ohne Schuhe. Am Ende stand der Abiturjahrgang 2020 – mit dem gebotenen Abstand – vor jubelnden Eltern und blickte zu einer Drohne in die Luft, die das Abschiedsfoto machte. „Gar nicht schlecht“, befand Abiturient John Baetke dann leise, „das beste Trostpflaster, das man sich vorstellen kann.“