Wermelskirchen: Abschied nach 45 Jahren Lebenshilfe

Seit 1974 in Wermelskirchen aktiv : Abschied nach 45 Jahren Lebenshilfe

Kurt Hedtstück trat bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Lebenshilfe Bergisches Land als Vorsitzender zurück. Im Jahr 1974 war der 72-Jährige in den Verein eingetreten. Seine Nachfolgerin wurde Brigitte Thiel aus Hückeswagen.

Es ging einem der Begriff vom „Ende einer Ära“ durch den Sinn, als Brigitte Thiel, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Lebenshilfe Bergisches Land, am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung noch vor der eigentlichen Tagesordnung das Wort ergriff. „Bevor wir einsteigen, habe ich noch eine besondere Aufgabe. Ich darf unser langjähriges Vorstandsmitglied und derzeitigen Vorsitzenden in den ehrenamtlichen Ruhestand verabschieden – Kurt Hedtstück tritt mit der heutigen Jahreshauptversammlung von seinem Posten als Vorsitzender zurück.“

Thiel wandte sich an ihren Vorstandskollegen und sagte: „Sie sind ein halbes Menschenleben in unserem Verein, das ist wirklich besonders. Eingetreten sind Sie offiziell im Jahr 1974, allerdings waren Sie auch vorher schon der Lebenshilfe verbunden.“ Zehn Jahre später, im Jahr 1984, wurde Hedtstück dann zum Schatzmeister gewählt, ein Amt, das er stolze 39 Jahre innegehabt hatte. „Der Mann kann ganz offensichtlich rechnen“, kam da ein ebenso launiger wie richtiger Einwurf eines Vorstandskollegen.

Thiel habe Hedtstück vor 20 Jahren näher kennengelernt, als sie selbst in den Lebenshilfe-Vorstand gewählt wurde. „Ich habe Kurt Hedtstück als sehr ruhigen und besonnenen Menschen kennengelernt. Er brauchte keinen Taschenrechner, wann immer man ihn etwas Finanzielles gefragt hatte, hat er nur kurz überlegt und im Kopf überschlagen“, sagte Thiel. Und fügte schmunzelnd hinzu: „Bei größeren Ausgaben hat er immer gesagt: ‚Da muss ich mal drüber schlafen...“

Vor sechs Jahren wurde Hedtstück zum Vorsitzenden gewählt. In den vergangenen 45 Jahren habe er so die Lebenshilfe im Bergischen Land entscheiden geprägt. „Es lässt sich nicht in Zahlen und Geschenken bemessen, was Sie für unseren Verein geleistet haben“, sagte Thiel an Hedtstück gewandt.

Auch der Geschäftsführer der beiden Lebenshilfe-Gesellschaften, Axel Pulm, dankte Hedtstück für die „langjährige und hervorragende Zusammenarbeit“. Er habe den scheidenden Vorsitzenden immer als sehr besonnenen und zur Ruhe mahnenden Menschen erlebt. „Sie waren nie zur Unbedacht neigend, das habe ich als sehr wohltuend erlebt“, sagte Pulm und betonte zudem: „Sie haben den Mitarbeitern der beiden GmbHs immer viel Vertrauen und Vertrauensvorschuss entgegengebracht.“

Hedtstück bedankte sich seinerseits bei seinen Vorstandskollegen und allen Mitarbeitern. „Ich habe immer gerne im Vorstand gearbeitet – und wir haben doch immer gewusst, wofür wir das alles hier machen“, sagte der 72-Jährige. Er sei selbst als Vater eines behinderten Sohnes mit der Lebenshilfe in Kontakt gekommen. „Wir haben damals einen Kindergartenplatz gesucht und gefunden – und mit dabei habe ich dann gleich noch einen Vorstandsposten bekommen“, sagte er nach seiner Verabschiedung lachend.

Der Grund für seinen Abschied aus der aktiven Vorstandsarbeit sei ausschließlich der gewesen, jetzt im Alter von 72 Jahren einmal ein bisschen mehr Zeit für sich haben zu wollen. „Ich verbringe auch viel Zeit mit meinem Sohn, der wohnt im Haus Drei Birken in Hückeswagen“, sagte Hedtstück.

Wie sehr ihm die Belange der Menschen mit Behinderung auch nach seinem Rückzug am Herzen lagen, machte Hedtstück in seinen kurzen Abschiedsworten deutlich: „Bitte führen Sie unsere Arbeit auch künftig im Sinne unserer Menschen mit Behinderung fort. Auch wenn ich jetzt aufhöre – davon geht der Verein nicht unter!“

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