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Wermelskirchen: 48-Jährige muss sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten

Amtsgericht : Unglückliche Umstände bringen 48-Jährige vors Gericht

Eine Reihe von unglücklichen Umständen, zu denen dann auch noch eine persönliche Tragödie kam, führte dazu, dass sich eine 48-jährige Frau wegen Betrugs vor dem Amtsgericht zu verantworten hatte.

Die Angeklagte hatte bis in den Februar des Vorjahres einen Online-Shop für EDV-Zubehör mit dazugehörigem Ladenlokal in Wermelskirchen geführt. Ihr Lebenspartner, der ein EDV-Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern in Remscheid hatte, war im Juli 2018 verstorben. Damit nahm das Unglück für die heute 48-Jährige seinen Anfang.

Die Remscheider Firma habe von der Tochter der Angeklagten, die vom Verstorbenen noch adoptiert worden sei, fortgeführt werden sollen. Und die Angeklagte habe mit ihrem Mitarbeiter aus Wermelskirchen dann im Februar dort mitanfangen sollen. Und so habe sie sich plötzlich mit der Abwicklung des Online-Shops und des Ladenlokals beschäftigen müssen. In diesem Zusammenhang sei es zu zwei Anzeigen von Kunden des Online-Shops gekommen, die ihre bestellte Ware nicht erhalten hätten. „Einmal handelte es sich dabei um zwei HDMI-Kabel im Wert von rund 52 Euro, im anderen Fall um eine Telefonanlage nebst dazugehörigen Systemtelefons im Wert von rund 860 Euro“, las die Staatsanwältin aus der Anklage vor.

Die Angeklagte stritt die Vorwürfe auch nicht ab, sie war sichtlich bewegt und brach mehrfach in Tränen aus, als sie von ihrem verstorbenen Lebenspartner sprach. Sie habe sich, sobald klar war, dass sie den Online-Shop nicht würde weiterführen können, um die noch offenen Kundenbestellungen gekümmert. Außerdem habe sie im Januar Insolvenz angemeldet, weil zu den privaten Schwierigkeiten auch noch Schulden bei Lieferanten und Herstellern in fünfstelliger Höhe gekommen seien.

„Ich habe Anfang Januar Mails an die Kunden verschickt, dass die Auslieferung länger dauern könnte, sie aber ihr Geld auch zurückbekommen könnten“, sagte die Angeklagte. Scheinbar habe sie den Überblick verloren, dass noch jene beiden Bestellungen offen gewesen seien. „Ich habe aber keine bösen Absichten gehabt und wollte niemanden betrügen“, betonte die 48-Jährige. Gänzlich durcheinander sei die Situation dann geworden, als ihre Tochter ihr plötzlich Anfang Februar mitgeteilt habe, dass sie nun doch nicht in der Remscheider Firma anfangen könne. „Dem Unternehmen geht es prima, aber ich war dort nicht mehr erwünscht. Seitdem habe ich auch keinen Kontakt mehr zu meiner Tochter“, sagte die Angeklagte.

Die Staatsanwältin sah die Kombination der ungünstigen Umstände als deutlich strafmildernd und erkannte im Verhalten der Angeklagten „keine besondere kriminelle Energie“. Dazu habe sie keinerlei Vorstrafen und sei zusätzlich durch die ungünstigen Familienverhältnisse aus der Bahn geworfen worden. Sie forderte eine niedrige Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro. „Ich schließe mich der Forderung der Staatsanwaltschaft an, möchte aber noch einmal betonen, dass Ihr Verhalten strafrechtlich gesehen einen Betrug darstellt, den sie zumindest billigend in Kauf genommen haben“, sagte der Richter in seiner Begründung.