Wermelskirchen: 3D-Druck rückt immer stärker in den Fokus

Blickpunkt Wirtschaft in Wermelskirchen : Größter Dienstleister im 3D-Druck

Die Firma Klaus Stöcker Metallverarbeitung ist in der additiven Fertigungsbranche inzwischen zu einem der großen Anbieter aufgestiegen. Metall- und Kunststoffverfahren werden eingesetzt, um Kundenwünsche gezielt zu erfüllen.

Die neue Technologie steht im Souterraingeschoss der neuen Produktionsstätte von Klaus Stöcker Metallverarbeitung an der Wustbacher Straße. Keine CNC-Maschinen, sondern Drucker. Hightec-Drucker, die Kunststoff und Metall drucken. Nicht nur einen, sondern nunmehr seinen zehnten Drucker hat sich der innovative Unternehmer aus Emminghausen angeschafft. Inzwischen nehmen die Drucker drei Räume in Beschlag, 1,7 Millionen Euro hat Klaus Stöcker seit 2016 investiert. Er ist mit dieser Technologie, der additiven Fertigung mit Materialkombination, deutschlandweit inzwischen der größte Dienstleister.

Dass ein Coaching seiner Führungsriege vor etwa fünf Jahren in Agadir einmal dazu führen wird, dass er in die additive Fertigung einsteigt, ist für ihn heute eigentlich immer noch das Unglaubliche. „Eigentlich diskutierten wir zum Abschluss mit unserem Coach, wo wir uns als Unternehmen in zehn oder 20 Jahren sehen. Da fiel dann das Stichwort additive Fertigung“, sagt Klaus Stöcker. Zurück im Bergischen, machte er sich auf die Suche nach Fachleuten, holte Arnd Meller wieder in seine Firma und investierte in den ersten Drucker. „Das war damals die richtige Entscheidung.“

Ein Schmuckstück aus Metall – auch das ist möglich. Foto: Udo Teifel

Wo die mechanische Fertigung von Teilen an ihre Grenzen stößt, kommt dieses Fertigungsverfahren zum Einsatz. Hauchdünne Schichten von Metallpulver werden durch Laserstrahl zum Schmelzen gebracht und so Bauteile gefertigt. Die Stärke dieses Verfahrens ist, dass sich komplexeste Geometrien schnell und präzise fertigen lassen. Es wird eine hohe Materialdichte bei Stahl und Kunststoff erzielt, Bögen können produziert, Innenräume gestaltet werden.

Eine Auswahl von Werkstücken aus Metall. Foto: Udo Teifel

Der 3D-Druck mit Metall und Kunststoff ist nicht für die Massenfertigung wie CNC-Maschinen geschaffen; eher für Funktionsprototypen. Hier hat Stöcker neue Kunden gewonnen, die die additive Fertigung bei Produktentwicklung nutzen. „Wer ein neues Werkzeug für die Massenproduktion entwickelt und baut, braucht bis zu fünf Wochen – oder auch schon mal länger. Mit den Druckern geht das in zwei bis fünf Tagen. Und die Werkstücke sind dann genauso nutzbar und belastbar wie ein Werkstück aus der CNC-Fertigung“, berichtet Meller. Der gelernte Industriemechaniker und Diplom-Kaufmann hat die Abteilung aufgebaut und ist Projektleiter; inzwischen wurde ein junger Mann eingestellt, um Meller zu unterstützen.

Additive Fertigung in der Firma Stöcker, hier Arnd Meller und Klaus Stöcker (r.). Foto: Udo Teifel

Die Fertigung im 3D-Verfahren ist sehr teuer und daher für die Massenproduktion noch nicht geeignet. Die Kundschaft, sagt Meller, muss überzeugt werden von den Möglichkeiten. Und Beratung ist deshalb das Aushängeschild des Wermelskirchener Unternehmens. „Damit heben wir uns von Mitbewerbern ab. Wir sprechen mit den Kunden, wir frühstücken keine Aufträge ab. So überzeugen wir Kunden, und dann kommen sie wieder“, sagt Stöcker. Sein Unternehmen kann inzwischen die ganze Bandbreite der additiven Fertigung anbieten. „Wir beraten, was der Kunde wirklich braucht und bieten das günstigste, sinnvollste Verfahren für sein Produkt an, denn wir können verschiedene Verfahren anbieten.“ Als der Unternehmer die ersten Drucker aufstellte und Aufträge abarbeitete, wurde die Belegschaft unruhig. „Sie hatten Angst um ihren Job. Dass die 3D-Drucker ihnen Arbeit wegnimmt.“ Doch genau das Gegenteil ist eingetreten. Klaus Stöcker: „Es gibt zusätzliche Aufträge für unsere CNC-Fertigung. Neukunden, die uns mit der mechanischen Fertigung von Werkstücken nach unseren Prototypen erteilen. So haben wir Zugang zu Kunden bekommen, an die wir früher nicht rangekommen sind“, ist der Firmeninhaber zufrieden.

Die fertige Laufrolle mit Achse (r.); links direkt aus dem Drucker. Foto: Udo Teifel

Für den Emminghausener war immer klar, dass er sich mit seiner Metallverarbeitung nie an einen Großkunden bindet. Seine Firmenphilosophie hat sich heute mit der additiven Fertigung nicht geändert. Für ihn ist wichtig, sich von der Automobilbranche weiter zu lösen; Neukunden kommen aus der Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaindustrie.

Der Druckkopf eines 3D-Druckers produziert ein neues Werkstück. Foto: Udo Teifel

„Wir wollen unabhängig werden von den Schwankungen in der Automobilindustrie“, erklärt Stöcker. Neben einem Stahl- bietet seine Firma drei Kunststoffverfahren an. Inzwischen auch so günstig, dass es bei Kunden auf eine immer höhere Akzeptanz stößt. Das neueste: die Verarbeitung von Carbonfasern oder Kevlar. Die werden mit einem weiteren Druckkopf in das geschmolzene Material reingelegt. Damit wird das Bauteil weiter verfestigt.

„Wir bewegen uns in einem sehr dynamischen Markt. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir betriebswirtschaftlich auf dem richtigen Weg sind“, sagt Unternehmer Klaus Stöcker.

Und so wird Arnd Meller am Dienstag im Vorfeld der „Formtext“, der führenden Fachmesse mit mehr als 630 Ausstellern aus 32 Nationen im November in Frankfurt, für einen US-Hersteller, dessen Druckverfahren einem Fachpublikum im Gründer- und Technologiezentrum in Solingen vorstellen.

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