Wermelskirchen: Wermelskirchen - 2030 eine Boom-Stadt?

Wermelskirchen: Wermelskirchen - 2030 eine Boom-Stadt?

Die Rheinmetropolen platzen aus allen Nähten, auch die Mittelzentren laufen über - darin stecken Chancen für Städte wie Wermelskirchen, sagte Dr. Reimar Molitor vom Regionalmanagement "Region Köln Bonn" in der StuV-Sitzung.

Wie sieht Wermelskirchen im Jahre 2030 aus? Ist sie eine Stadt, die Menschen anzieht, eine gute Verkehrsinfrastruktur hat, wo sich innovative Firmen oder sogar Denkfabriken ansiedeln, die neue Arbeitsplätze bieten, aber auch traditionelle Branchen überleben? Eine Kommune, die genügend Kitas und gut ausgestattete Schulen vorhält? Für Bürger und Politiker ist es wohl gleichermaßen schwierig, sich vorzustellen, wie Entwicklungen in längeren Zeiträumen verlaufen und wohin die Reise geht.

Aber die sind keineswegs Selbstläufer, sie lassen sich auch initiieren und steuern. Und die Zukunftschancen von Kleinstädten seien gar nicht schlecht, weil die Rheinmetropolen am oder über dem Limit seien. Diese Botschaft stellte Dr. Reimar Molitor in seinem Vortrag über räumliche Entwicklungen und Perspektiven für die Region in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr heraus. "Wir laufen auf ein moderates Wachstum zu. Wollen wir es gestalten oder soll die Entwicklung über uns schwappen?", fragte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Regionalmanagements Region Köln Bonn.

Für ihn war der Vortrag im Bürgerzentrum ein Heimspiel, denn Reimar Molitor ist gebürtiger Wermelskirchener. Er kennt das Bergische und somit die besonderen Herausforderungen, die auf die kleineren Städte jenseits der prosperierenden Rheinmetropolen zukommen. Sein Vortrag war auch ein Appell an Stadt und Politik, die Chancen, die in derzeitigen Trends und in der geografischen Lage stecken, zu erkennen und zu nutzen. Ein Schub für eine Strukturentwicklung stecke im Förderprogramm "Regionale 2025", deren Durchführungsphase begonnen habe. "Die Rheinschiene ist voll. Die Nachfrage schlägt bis hier hoch, was den Wohnungsmarkt anbelangt - das war vor fünf, sechs Jahren noch undenkbar", sagte er.

Weil die Rheinstädte keine Gewerbeflächen mehr haben, suchten sie Kooperationspartner. Auch hier schwappe die Nachfrage bis ins Bergische hoch. Alle, die im Umkreis von "einer Mobilitätsstunde" liegen, könnten vom Boom profitieren. Dazu gehöre auch die rechtsrheinische Mittelgebirgsregion mit ihren immerhin 700.000 Einwohnern. Wermelskirchen kann demnach zum Speckgürtel Kölns und Leverkusens gehören.

Der Haken aber ist die derzeitige Verkehrs-Infrastruktur. Molitor: "In der Mobilität steckt das größte Problem." Die Realität kennt jeder: Baustellen und Staus auf der Autobahn. "Menschen, die es hier schön haben wollen, leiden unter der Situation auf der A1 und den Engstellen rund um Köln", sagte Molitor. In den nächsten zehn Jahren werde es doppelt oder anderthalb mal so viele Lkw auf den Straßen geben. Fakt sei, dass der Transitverkehr über Leverkusen laufe. Molitor folgerte: "Wermelskirchen ist eine Autostadt. Wir brauchen im Straßenverkehr aber Alternativen." Die Schnellbuslinie und RB 25-Ausbau (Meinerzhagen - Köln) seien dabei wichtige Elemente für die Region.

Politiker sollten sich Gedanken machen, wie die Stadt künftig aussehen soll, wohin sie sich entwickeln will, wie die Binneninfrastruktur stabilisiert werden kann, was sich Wermelskirchen leisten kann und welche Konsequenzen das für die Infrastruktur habe.

Einfach ausgedrückt: Wer schnelles Internet dank Breitbandausbau hat, kann zum Beispiel auch in einer Denkfabrik im Grünen arbeiten. "Eine durchgängige Radinfrastruktur fehlt, dabei sind wir von einer E-Bike-Welle überrollt worden", nannte Molitor ein Beispiel, bei Infrastruktur auch über andere Verkehrsformen nachzudenken. Dazu passt auch der Vorstoß des CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Klicki in Sachen Bahntrassen-Reaktivierung und Prüfung alternativer Verkehrsmittel wie Skytrain und selbstfahrende Busse. Der StuV gab für den Prüfauftrag zu diesem Thema in der gleichen Sitzung grünes Licht.

(pd)