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Wermelsirchen: Jede Menge Stunk in der Kattwinkelschen Fabrik​

Kultur in Wermelskirchen : Jede Menge Stunk in der Kattwinkelschen Fabrik

Bitterböses Kabarett gab es beim Auftritt des Ensembles „Stunk Unplugged“. Nicht nur die die acht Mitglieder der legendären Stunksitzung aus Köln hatten jede Menge Spaß.

Die Kampfansage kam direkt am Anfang von „Stunk Unplugged“ am Mittwochabend in der sehr gut besuchten Katt: „Wenn wir uns Abende wie heute verkneifen würden, dann hätte Putin gewonnen.“ Und das könne keiner wollen, am wenigsten das bestens gelaunte Publikum. Die acht Ensemble-Mitglieder der legendären Stunksitzung aus Köln hatten ebenfalls jede Menge Spaß in den Humormuskeln – und weil Stunk nun mal Stunk war, ging es auch böse bis bitterböse zu. Beim Anblick des aktuellen Zustands der Welt – nicht zuletzt auch wegen des russischen Kriegstreibers Putin – stellte Moderatorin Biggi die Frage aller Fragen: „Wo sind eigentlich die Attentäter, wenn man sie mal braucht?“ 

Kölner Frohsinn außerhalb Kölns und noch dazu außerhalb des Karnevals? Das funktionierte tatsächlich bestens. Nicht einmal so sehr, weil das Ensemble mit typisch kölscher Wurstigkeit die Gags und Kalauer gleich im Dutzend abfeuerte, sondern weil auch das Publikum so gut mitspielte. Wenn es etwa um eine WDR2-Live-Übertragung vom geplanten FC-Fan-Friedhof ging. „Tot! Tot! Der Fan ist tot! Und jetzt zurück ins Funkhaus am Wallraff-Platz!“ Und dann der lapidare Kommentar: „Ja, eine schöne Idee - aber ist natürlich Quatsch.“ Oder wenn ein Baulöwe sich darüber echauffierte, dass das Anrecht auf eine eigene Wohnung scheinbar „embryonal angelegt“ sei. Weiter wetterte er über die „Mietdeckel-Nazis“ aus Berlin, die er austricksen wolle, indem er nur noch „möbliert vermietet“ –- und sei es nur ein Desinfektionsspender. „Karl Lauterbach würde die Wohnung mit Kusshand nehmen.“ Na, Prost!

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Karneval, das waren eben nicht nur Albernheiten und Kostümzwang. Das waren auch ganz scharfsinnige und eben sehr böse Beobachtungen aus dem politischen und gesellschaftlichen Alltag. Wenn etwa „Klaus & Klaus aus der Bruder-Klaus-Siedlung“ zu den Melodien von Simon & Garfunkel über ihr „Veedel“ sinnierten, dann funktionierte das nicht nur diesseits des Aschermittwochs. Das sah auch das Publikum so, das begeistert applaudierte. Und das auch über Sätze wie diese: „Das Erzbistum Köln plant, eine Mauer um das Amtsgericht zu bauen. Damit keiner mehr austreten kann. Wobei, eigentlich kann man als gläubiger Mensch nur aus der Kirche austreten.“

Überhaupt Kirche: Die „echte“ Maria kommentierte bissig die Bewegung „Maria 2.0“, die viel zu zahm ihre Wünsche geäußert habe. Und damit auch nur eine erwartbar lasche Antwort des Papstes bekommen habe. „Das ist ein Propagandastück, das hätte auch der Goebbels nicht besser hinbekommen. Von Pontius bis Pilatus, von Paulus bis Franziskus, heißt es: Die Weiber sind unser Unglück!“ Es war herzerfrischend, endlich wieder einmal eine derart freche Art des Kabaretts zu hören. Eine, die völlig respektlos an Gott und die Welt heranging, Eine, der nichts heilig war, keine falsche Zurückhaltung zeigte. Wie einst die heilige Dreifaltigkeit des Politkabaretts, der selige Dieter Hildebrandt und die zurückgetretenen Volker Pispers und Georg Schramm.