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Wermelsirchen: Eine zerrüttete Nachbarschaft bringt Frauen vors Gericht

Verfahren in Wermelskirchen : Eine zerrüttete Nachbarschaft bringt Frauen vors Gericht

Wegen Beleidigung trafen sich jetzt zwei Nachbarinnen vor der Amtsrichtern. Geklärt werden konnte der Vorwurf der Anklage nicht, da sich die Geschädigte nicht mehr erinnern konnte. Die Folge: Freispruch lautete das Urteil.

Es ist wahrlich keine Seltenheit, dass zerrüttete Nachbarschafts-Beziehungen vor dem Kadi landen. Obskurer wird es dann allerdings, wenn die Klägerin, die auch als Zeugin geladen ist, gar nicht mehr genau weiß, wann und was genau am zur Anklage gebrachten Tag eigentlich vorgefallen ist. Dann ist es nur folgerichtig, dass die Verhandlung mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen endet. Konkret ging es in der Verhandlung um einen Vorfall, der am 28. November des Vorjahres gegen 18 Uhr passiert sein soll. Die 33-jährige Angeklagte solle ihre 40-jährige Nachbarin mit dem Wort „Schlampe“ beleidigt haben. Soweit die Anklage. Die 33-Jährige war anwaltlich vertreten, die Anwältin gab zu Beginn der Verhandlung direkt eine Erklärung ab: „Wir bestreiten den Anklagevorwurf vollumfänglich“, sagte sie. Im Gegenteil sei es ihre Mandantin, die von der Zeugin immer wieder beleidigt und bedrängt werde. Und das seit etwa 2018, als aus dem bis dahin guten nachbarschaftlichen Verhältnis plötzlich ein sehr kompliziertes wurde.

Die Hintergründe dafür seien ihrer Ansicht nach in den unterschiedlichen Nationalitäten der Nachbarinnen zu suchen. „Die Geschädigte hat tschetschnische Wurzeln, ihr wurde wohl immer vermittelt, dass Russen schlecht und böse sind – meine Mandantin hingegen hat russische Wurzeln“, sagte die Anwältin. Abgesehen davon sei von der Geschädigten durchaus bekannt, dass sie gerne und schnell anzeigen würde. „Das ist auch bei anderen Familien in dem Haus schon geschehens“, sagte die Anwältin. Ihre Mandantin jedenfalls sei an besagtem Tag überhaupt nicht vor der Haustür gewesen, es habe mithin gar keine Begegnung zwischen den Frauen geben können.

Als dann schließlich die 40-Jährige in den Zeugenstand gerufen wurde, sagte sie direkt zu Beginn ihrer Befragung, dass sie gar nicht mehr genau wisse, was an jenem Tag im November überhaupt geschehen sei. „Die Angeklagte beleidigt mich ständig, ich weiß nicht mehr, wann sie was gesagt hat.“ Sie habe irgendwann erfahren, dass die 33-Jährige Lügen über sie verbreite, dass sie eine ganz andere Person sei, als die, die sie vorgebe zu sein. Dadurch habe sich das gute Verhältnis ins Gegenteil verkehrt. „Aber an den besagten Tag können Sie sich nicht erinnern?“, fragte die Richterin. Nein, kam die Antwort, was sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft und Richterin sprachlos zurückließ.

Die Richterin fragte dann in die Runde, ob die Möglichkeit bestehe, das Verfahren an dieser Stelle einzustellen. Darauf ließ sich jedoch die Verteidigung nicht ein. „Wir möchten ein Urteil“, sagte die Rechtsanwältin. Und weil sowohl Staatsanwalt als auch Verteidigung auf Freispruch plädierten, lautete das Urteil dann auch: Freispruch. Mit dem Appell der Richterin an die Nachbarinnen, sich künftig doch aus dem Weg zu gehen.