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Wermelskirchen: Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst

Wermelskirchen : Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst

Das Sinfonieorchester bot dem Publikum im Gymnasium ein rundum gelungenes Konzert. Ernüchternd war aber die Resonanz: Viele Wermelskirchener tummelten sich am Sonntagnachmittag lieber im Eiscafé statt im Konzertsaal.

"Wir Musiker haben schon einen seltsamen Beruf", befand Hornist Lubomir Fabik. "Bei herrlichstem Sonnenwetter verkriechen wir uns im Konzertsaal statt in der Natur zu sein." Der Solist des Konzertes des Sinfonierorchesters der Musikgemeinde Wermelskirchen sprach am späten Sonntagnachmittag wohl aus, was viele gedacht hatten, die nicht die helle Frühlingssonne gegen die Fülle der Musik Beethovens, Schumanns und Richard Strauss' tauschen mochten. Und so blieb das pädagogische Zentrum des Gymnasiums halbleer.

Das Orchester begann das Programm mit der Coriolan-Ouvertüre von Ludwig von Beethoven, am Pult stand David Hecker. Beethoven liegt den Musikern sehr, besonders die Streicher präsentierten sich hervorragend disponiert, mit hochsauberem Klang, bestens intonierend. Hecker ließ nicht zu zackig, nicht zu hastig spielen, gab den Musikern die Möglichkeit, in Beethoven am Vorabend der romantischen Epoche zu schwelgen, dürfte sich aber manches Mal noch stärkere Ausgestaltung erlauben und klarere Impulse setzen.

Der zweite Programmpunkt des Abends war das 1. Hornkonzert Es-Dur, ein Frühwerk des damals noch nicht einmal 20-jährigen Richard Strauss, ganz verwurzelt in der romantischen Tradition, kaum etwas von den kühnen Kompositionen des reifen Meisters erahnen lassend.

Mit Lubomir Fabik hatte das Orchester einen Solisten ohne Fehl und Tadel verpflichtet. Die Solopartie des Strauss'schen Werkes meisterte der Solohornist der Bergischen Symphoniker mit ungebrochener Perfektion, lief im dritten Satz mit seiner alpenländischen Beschwingtheit zur Höchstform auf. Sein Klang blieb dabei warm-weich, bisweilen auch zart bis volltönend, niemals zu kraftvoll oder metallisch. Das Orchester glänzte besonders an den kammermusikalisch ausgestalteten Stellen mit seinen Holzbläsern (fantastisch: Flöten), die uneingeschränkt zu loben waren. Es fand sich im Verlaufe des Werkes auch immer besser in die Rolle des aktiven Begleiters ein.

Nach der Pause übernahm Reinhold Felthaus den Stab für die 4. Sinfonie d-Moll von Robert Schumann. Felthaus ist der Mann für die dramatischen Höhepunkte, für dynamische Klimaxe, für die ganz großen Phrasen. Und so gelang es ihm auch, "seine" Musiker bis zum Schlusston über die gewaltige Strecke dieses anspruchsvollen, halbstündigen Musikwerkes zu bringen, nicht ohne ihnen ein Höchstmaß an Ausdruck und Kraft bis zum letzten Paukenwirbel abzuverlangen.

Das heroische Thema des Kopfsatzes arbeitete das Orchester ebenso fein heraus wie den drängend-impulsiven Charakter. Die Romanze brauchte einige Zeit, um sich im Tempo einzuspielen, danach aber traten auch die Solisten an Cello (Anette Lenz) und Oboe (Thomas Mattiesson) sowie die Konzertmeisterin (Annelie Hemmerich) glänzend hervor.

Sollten auch hier und da die Differenziertheit, die Balance der einzelnen Stimmgruppen oder die Intonation ein wenig gelitten haben, so wurde doch den Musikern größte Hochachtung für diese großartige Leistung gezollt bis zu dem fulminanten Abschluss eines rundum gelungenen Konzertes. Tosender Applaus.

(evb)