Wermelskirchen: Wenn das Fasten nur der Anfang ist

Wermelskirchen: Wenn das Fasten nur der Anfang ist

Jonas vom Stein übt seit zehn Jahren in den Wochen vor Ostern den Verzicht - und hat viele Einsichten gewonnen.

Kein Alkohol, kein Tabak, weder Fisch noch Fleisch: Jonas vom Stein fastet. 40 Tage lang verzichtet er auf Genussmittel, die ihm wichtig geworden sind. "Als ich vor zehn Jahren damit anfing, ging es mir vor allem darum, mein Konsumverhalten zu überprüfen", sagt der 28-Jährige. Was nimmt er eigentlich zu sich? Warum? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Der Wermelskirchener entdeckte: "Ich brauche das eigentlich nicht. Ich kann auf viele Konsumgüter verzichten." "Kritische Selbstdistanz" nennt Jonas vom Stein die bewusste Haltung in der Fastenzeit. Und die ist ihm auch nach zehn Jahren geblieben.

Trotzdem hat sich seit damals viel verändert: "Am Anfang war es ein Experiment", sagt er. Mitten in der Abitur-Zeit traf er zum ersten Mal die Entscheidung, zu fasten. Das bedeutete: Selbst bei Abi-Partys verzichtete er auf Alkohol und Tabak. "Die anderen fanden es gut. Ich konnte fahren", sagt er heute und lacht. An seine Grenzen stieß er damals trotzdem. "Aber es war eine Herausforderung und die wollte ich bestehen", sagt er.

Foto: thinkstock

Inzwischen hat er viele Freunde und Vereinskollegen im CVJM angesteckt. Viele machen mit. Aber jeder entscheidet selbst, worauf er verzichten kann. "In einem Jahr habe ich alle sozialen Netzwerke für 40 Tage ruhen lassen", sagt er. Das sei viel schwieriger gewesen als der Verzicht auf Fleisch oder Fisch.

Er habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, das Auto während der Fastenzeit stehen zu lassen. Aber das sei in der Praxis schwierig, schließlich müsse er als Doktorand regelmäßig zum Lehrstuhl für Theologie an der Uni in Bochum fahren.

Kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Fleisch - gleich auf mehrere Dinge zu verzichten, fällt vielen Menschen schwer. Der Wermelskirchener Jonas vom Stein hat sich daran gewöhnt. Er hält die Fastenzeit durch. Foto: Demski/Getty Images/Remmers/Archiv

"Ich spiele auch mit dem Gedanken, in einem Jahr mal Strom- und Wasserverbrauch während der Fastenzeit zu regulieren", sagt Jonas vom Stein, "aber dafür müsste ich erstmal ein entsprechendes System erarbeiten." Und deswegen bleibt er fürs erste beim Bewährten: "Inzwischen bedeutet das kein großes Entsagen mehr", erklärt er, "im Grunde ist es wie Kekse an Weihnachten: Es gehört dazu."

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Ihm gefalle der Rahmen, den die Tradition vorgibt: Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit dem Ostermorgen. "Am Anfang habe ich gemerkt, dass ich katholischen Freunden aus Bonn das Fasten weniger erklären musste, als anderen", sagt er. Aber auch als Protestant gehöre das Fasten zu seiner "religiösen Identität". Und am Lehrstuhl habe man auch entdeckt, dass immer mehr Menschen im evangelischen Milieu die Fastenangebote annehmen würden.

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Das nicht ohne Grund: "Beim Fasten geht es auch um Zugewinn", sagt der 28-Jährige. Was für die einen mit persönlichen Glaubenssätzen zu tun hat, mit ihrer Beziehung zu Gott und Ostern, verbinden andere vor allem mit gesundheitlichen Aspekten und Regeln des Heilfastens. "Für mich sind es sechs Wochen, die Raum geben zur Orientierung", sagt Jonas vom Stein.

Konsum, Ernährung, Selbstdisziplin, ökologische Fragen mit religiöser Dimension: Die Antworten, die er während der 40 Tage findet, sollen nachwirken, wünscht sich Jonas vom Stein. "Deswegen haben meine Frau und ich zum Beispiel unseren Fleischkonsum nach einer Fastenaktion auch grundsätzlich umgestellt", erzählt der Doktorand. Zwei Tage in der Woche Fleisch, ein Tag Fisch und vier Tage weder das eine noch das andere, lautet der Ernährungsplan jetzt .

Auf das Fastenbrechen freut er sich trotzdem. In diesem Jahr ist er gemeinsam mit Freunden und Vereinskollegen im Urlaub. Jonas vom Stein weiß: "So bekommt das Ende der Fastenzeit noch einmal eine ganz besondere Bedeutung."

(RP)
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